Bokeh-Regeln ausprobieren | Fotografieren zu Hause

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In diesem Artikel lernst du…

  • Was ist Bokeh?
  • Wie hängt das Bokeh vom Abstand, Blende und Brennweiter zusammen?

Es ist April 2020, Corona-Krise, wir müssen leider drinnen bleiben. Herzlichen Dank an alle, die täglich dafür sorgen, dass die Kranken versorgt werden, wir immer noch ständig Nachschub in den Läden haben und eigentlich doch noch alle recht rund läuft. Super!

Was macht man als Hobbyfotograf zu Hause? Vielleicht die Bokeh-Regeln ausprobieren? Ich habe das zusammen mit meinem kleinen Assistenten, Jean-Jacques Frommage, der es nur kurz vor der Grenzschliessung hierher schaffte, gemacht.

Was ist Bokeh?

Eine, wie ich finde, sehr komplizierte Definition, findest du natürlich auf der Wikipedia. Vereinfacht gesagt bezeichnet das Bokeh den unscharf abgebildeten Bereich  hinter einem Objekt.

Wenn man ein Portrait fotografiert, will man, dass der Betrachter des Fotos nur die fotografierte Person wahr nimmt. Idealerweise ist der Hintergrund dann so unscharf, dass man kaum noch was erkennt und der Hintergrund nicht vom Vordergrund ablenkt. Man sagt auch, man „stellt das Motiv frei“.

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Jean-Jacques Frommage vor unscharfem Hintergrund

Wie erzeugt man Bokeh?

Ganz einfach erklärt ist ein wichtiger Faktor dafür die gewählte Blende. Ist diese weit geöffnet (kleiner Wert), ist der Bereich auf dem Bild, der scharf abgebildet wird, klein. Diesen Bereich bezeichnet man in der Fotografie als Schärfentiefe. Hat man dann auf das Auge fokussiert, dann wird bei einer sehr weit geöffneten Blende nur das Auge scharf abgebildet, der Rest der Person ist schon leicht unscharf und der Hintergrund sowieso.

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Darstellung Abhängigkeit Schärfentiefe von der Blende

Aber alleine von der Blende ist das Bokeh nicht abhängig, sondern auch von der Brennweite und von dem Abstand des Fotografen vom Objekt oder auch vom Objekt zum Hintergrund. Näheres weiter unten in den Bokehregeln. Ich war neugierig, ob ich diese auch im Wohnzimmer mit einer Sony RX100 ausprobieren kann. Und ja, es ging.

Bokeh können moderne Kameras übrigens auch künstlich erzeugen, indem Sie um das Objekt im Vordergrund eine künstliche Unschärfe berechnen. Der Modus heisst häufig Portrait-Modus. Das funktioniert aber nicht immer fehlerfrei, weil die Software die Grenzen des Portraits nicht richtig erkennt.

Mein -zugegebenermassen schon betagtes iPhone 7 Plus- hatte mit Jean-Jacques übrigens schon seine Probleme wie man an dem ausgefransten Ohr hier sieht.

Das ist eine der Situationen, die mich mal wieder dazu bringt, die Kamera dem Smartphone vorzuziehen. Gleich legen wir also los, doch zuerst schauen wir uns kurz noch den Begriff „Blende“ und „Brennweite“ etwas genauer an.

Blende

Kameras, bzw. Objektive, die sich weit öffnen lassen, sind in der Regel nicht gerade billig. Ich habe hier die RX100V verwendet, die schon ordentlich Geld kostet. Sie hat die Blendenangabe F1.8-2.8. Wie ist das zu verstehen? Die Kamera hat einen Zoom. Die Angabe kannst du so lesen: Ohne Zoom kannst du minimal Blende 1.8 einstellen. Maximal gezoomt Blende 2.8.

Eine Billigkamera, wie die Canon IXUS 185 hat hier F3.2–6.9. Hier wirst du wahrscheinlich Probleme mit dem Bokeh haben, weil die grösste Blende immer noch relativ klein ist. Mit den Abstandsregeln weiter unten hast du aber möglicherweise doch noch Erfolg.

Brennweite

Ebenfalls mit rein ins Bokeh spielt die Brennweite. Einfach erklärt ist die Brennweite eine Wert dafür, wie nah das Bild herangeholt (herangezoomt) wird, oder eben nicht. Die Brennweite wird in mm angegeben.

Je grösser der Wert, umso mehr ist das Bild herangezoomt.

Regel Nr. 1 – Je geringer der Abstand vom Objekt, desto mehr Bokeh

Eigentlich verständlich, oder? In jedem Fall wird auf die Augen von unserem Objekt, hier unserem Jean-Jacques fokusiert. Bei einer möglichst offenen Blende haben wir einen relativ  geringen Schärfentiefe-Bereich. Dieser wandert nun nah zum Objekt. Alles dahinter ist also unscharf. Wenn wir nun weiter weg sind, wandert der Bereich im Verhältnis näher an den Hintergrund, der nicht mehr ganz so unscharf ist.

F2.8 – 25mm – Nah am Objekt – unscharfer Hintergrund
F2.8 – 25mm – Weiter weg vom Objekt – der Hintergrund ist recht scharf

Regel Nr. 2 – Je größer der Abstand vom Objekt zum Hintergrund desto mehr Bokeh

Ebenfalls verständlich. Wenn Jean-Jacques weit vom Hintergrund weg ist und ich auf ihn scharf gestellt habe, dann ist der Hintergrund nicht mehr im Schärfebereich.

F1.8 – 8.8mm – Objekt nah am Hintergrund
f/1.8 - 8.8mm
F1.8 – 8.8mm – Objekt weit vom Hintergrund weg

Regel Nr. 3 – Je größer die Brennweite desto weniger Tiefenschärfe aber mehr Bokeh

F 2.8 – Brennweite 13mm – Hintergrund scharf
F2.8 – Brennweite 25mm – Hintergrund unscharf

Regel Nr. 4 – Je offener die Blende (kleiner Wert), desto mehr Bokeh

f 8.0
F8.0 – Blende zu – relativ scharfer Hintergrund
f 2.8
F2.8 – Blende auf – unscharfer Hintergrund

So. Mit dem Wissen und einem halbwegs guten Objektiv solltest du auch ein Bokeh hinbekommen. Und wie sagt ein bekannter Fotograf? Nicht glauben, ausprobieren!

Und sonst?

Weitere Tipps für gute Bilder findest du in den folgenden Artikeln

 

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