Camino del Norte Reisebericht

Camino del Norte Tag 18-22 (Reisebericht Jakobsweg Küstenweg)

Camino del Norte Reisebericht Tag 18

2016-09-13 – Dienstag

Der Wetterbericht hat es schon angedroht – und leider auch noch Recht. Als ich aufwache, ist nicht nur das Meer laut, sondern es gewittert. Wenige Minuten später fängt es an zu regnen. Zum Glück hält es sich in Grenzen. Jeder frühstückt für sich im Zelt. Danach scheint es aufzuklaren. Sehr schön. Bevor weitergepilgert wird, ist erst noch einmal eine Runde „Wellenbaden“ angesagt. Die Wellen sind recht hoch, das Ganze ist ein Riesenspass, strengt aber auch ziemlich an.

Camping Playa De Berria
Camping Playa De Berria
Campingplatz Camping Playa De Berria – Jakobsweg Küstenweg

Als wir relativ spät loskommen, fängt es leider gleich wieder an zu regnen. Der Weg führt sehr anstrengend erstmal über den Monte Buchiero. Danach geht es den Playa de Berria Richtung Noja. Trotz des schlechten Wetters eine tolle Strecke. Die Gewitterstimmung am Himmel verleiht der Wanderung eine ganz spezielle Stimmung. Selbst der heftige Wind kann uns (fast) nichts anhaben.

Leider meldet sich heute mein Fussgelenk und dann auch noch mein Knie. Weiterziehen in dem Tempo der anderen Vier macht keinen Sinn. So ein Mist! Schweren Herzens verabschiede ich mich von ihnen und bleibe in der Herberge in San Miguel de Meruelo.

Jakobsweg Küstenweg
Jakobsweg Küstenweg – Laredo bis hinter San Miguel de Meruelo

Camino del Norte Reisebericht Tag 19

2016-09-14 – Mittwoch

Ich kann mich einfach nicht so richtig mit der Herbergsatmosphäre anfreunden. Dieses mal gibt es zwar keine superfrühen Aufsteher, aber es ist einfach nicht meins. Alleine schon das Anstehen beim WC nervt. Wenn ich aufstehe, muss ich einfach und will nicht 10 Minuten warten müssen. Und kann es auch – fast – gar nicht.

Gestern habe ich noch ein Päarchen kennengelernt, dass sich auf dem Camino kennengelernt hat. Sie angenehm unkompliziert, er die personifizierte Arroganz. Ob das gutgeht? Ich winke nur kurz in deren Richtung und mach mich vom Acker.

Jakobsweg Küstenweg - bei der Herberge in San Miguel de Meruelo
Jakobsweg Küstenweg - bei der Herberge in San Miguel de Meruelo
Jakobsweg Küstenweg – bei der Herberge in San Miguel de Meruelo

Immerhin sieht das Wetter viel besser aus als angesagt. Zwar hängen noch einige schwarze Wolkenfetzen am Himmel, aber die Sonne kämpft sich tapfer dazwischen durch.

Tricksereien mit den Wanderschuhen…

Meinen Füssen geht es gut, zunächst. Doch schon nach wenigen Metern geht es wieder los. Dieses Mal ist es nur der rechte und der Schmerz ist deutlicher lokalisiert als gestern. Ich hatte das schon mal: Schienbeinknochenhautreizung. Ich binde zur Sicherheit beide Füsse ein. Leider habe ich keine Stützbinde, sondern nur eine normale Verbandsbinde. Wird nicht wirklich besser. Ich überlege mir, ob sich nicht mit einfachen Mitteln mechanisch etwas machen lässt und binde den Wanderschuh nur mit den ersten drei Ringen. Fühlt sich zwar komisch an, so als ob man den Schuh jeden Moment verliert, aber es hilft!

Jakobsweg Küstenweg
Jakobsweg Küstenweg

Ich bin zwar immer noch langsam unterwegs und mache viele Pausen, aber ich komme voran. Bergauf sogar schmerzfrei, eben fast, nur bergab ist ziemlich eklig.

Gestern hat uns Miguel, der Herbergsvater, die Strecke von heute erklärt. Es sei mit die schönste Strecke des ganzen Camino. Bin ich zunächst überhaupt nicht der Meinung. Es ist zwar ganz nett, aber immer geteert und es geht einfach durch ein stark landwirtschaftlich geprägtes Gebiet. Als ich in Galizano aber auf die Küstenvariante wechsle, ändere ich meine Meinung. Direkt auf den Klippen geht es entlang am wilden Meer. Ich muss meine Basecap schnell gegen eine Mütze tauschen, so heftig weht der Wind. Er hält aber auch die Regenwolken über dem Festland, ich selbst habe Sonne bei angenehmen Temperaturen. Der heftige Wind lässt die Landschaft noch uriger erscheinen.

Jakobsweg Küstenweg
Jakobsweg Küstenweg kurz vor Santander
Jakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg Küstenweg
Jakobsweg Küstenweg

Bald taucht mein persönliches Jakobsweg-Endziel Santander auf. Allerdings möchte ich nicht mehr soweit und erkundige mich auf dem Campingplatz in Somo nach Unterkünften mit festen Dächern, da es jetzt doch sehr nach Regen aussieht. Meinem Zelt traue ich nicht mehr so recht.

Jakobsweg Küstenweg
Container auf dem Camingplatz in Somo

Für 15 Euro bekomme ich einen Container. Normalerweise für 4 Personen, ich habe meinen aber für mich alleine wegen der wenigen Besucher.

Ein weiterer bekommt eine Österreicherin, ebenfalls auf dem Camino unterwegs, die die gleiche Idee hatte.

Die Container sind OK, insgesamt hätte man dem Bereich etwas mehr Pflege angedeihen lassen können, er wirkt ein bisschen so, als wäre er gerade frisch von einer Schulklasse Halbwüchsiger hinterlassen worden.

Mit meiner Nachbarin gehe ich noch Essen, es zeigt sich aber schnell, dass wir nicht auf einer Wellenlänge liegen. Sehr schnell gehen uns die Themen aus.

Camino del Norte Reisebericht Tag 20

2016-09-15 – Donnerstag

Ich bin relativ früh wach, obwohl es gar nicht nötig wäre. Aber immerhin habe ich sehr gut geschlafen, auch trotz des leicht müffeligen Geruchs im Container. Ich geniesse es, mal wieder richtig viel frühstücken zu können, denn ich habe meine Vorräte gestern abend noch einmal aufgefüllt. Nur das Cappuchinopulver reicht leider nur für eine Tasse. Aber bei den Kaffeepreisen hier in den Bars von ein bis zwei Euros ist das nicht so problematisch.

Jakobsweg Küstenweg
Somo

Auch meine Nachbarin ist noch da. Sie macht sich aber vor mir auf den Weg. Als ich starte, nieselt es nur ab und zu, also kein Problem. Es geht den Strand lang nach Somo. Von hier legt die Fähre nach Santander ab. Dias ist offizieller Teil des Jakobsweg, also keine Schummelei. Während ich mit anderen auf die Fähre warte, fängt es richtig an zu regnen. Bääh. Während der Überfahrt will keiner draussen sitzen, auch ich nicht.

Jakobsweg Küstenweg
Somo
Jakobsweg Küstenweg
Jakobsweg Küstenweg – Meine persönliche Schlussetappe nach Santander

Santander

In Santander angekommen, trotte ich zunächst ziemlich lustlos durch die Gegend. Das schlechte Wetter trübt leider etwas die Freude und den Stolz, die geplante Strecke geschafft zu haben. 276 km in 18 Tagen reicht nicht unbedingt für eine Olympiateilnahme und viele sind viel schneller als ich. Trotzdem bin ich glücklich, es ohne Training und ohne grosse Probleme gepackt zu haben. Nur mein Schienbein tut heute richtig heftig weh.

Wer ruft mir auf einmal aus einem Café zu? Das ungleiche Päarchen von gestern. Sie beschwert sich natürlich gleich – nicht ganz zu unrecht – dass ich mich nicht vernünftig verabschiedet habe. Kurz schiesst mir der fast schon verrückt anmutende Gedanke durch den Kopf ihr zu sagen, dass ihr bornierter Weggefährte einfach nicht auszuhalten ist und ich mich nur wegen ihm auf französisch verabschiedet habe. Aber meine anerzogene Höflichkeit versiegelt mir dann doch den Mund. Aber ob es wohl immer richtig ist, höflich zu sein und die Wahrheit zu verschweigen?

Wieso hat alles zu?

Im Geldbeutel herrscht Ebbe. Also gehe ich erst einmal am nächsten Geldautomaten nachtanken. Dann suche ich eine Apotheke. Den letzten Rest Voltarensalbe habe ich verbraucht. Und die Binde, mit der ich versucht habe, meinen Fuss etwas abzustützen, taugt leider auch nicht viel. Warum aber sind alle Geschäfte zu? Es ist doch gar nicht Siesta-Zeit. Später recherchiere ich im Internet, dass in dieser Region ein Feiertag ist.

Ich suche den Abfahrtsort meines Busses. Das ist ein riesiger Busbahnhof, bei dem viele Spuren für viele Busse bereitstehen. Es gibt auch einen Auskunftsschalter und ich beschliesse zu versuchen, weitere Auskünfte zu erhalten. Aber nicht jetzt, denn hier wird nur Spanisch gesprochen. Ich will mich sicherheitshalber mit einer Online-Übersetzung bewaffnen.

Früh bin ich wieder im Hotel, denn es regnet immer stärker.

Camino del Norte Reisebericht Tag 21

2016-09-16 – Freitag

Obwohl ich lange ausschlafen könnte, bin ich viel zu zeitig wach. Ich döse noch und lese und mache mich irgendwann auf den Weg in die Stadt. Nach einem kleinen Frühstück, bei dem ich versuche, eine vernünftige Frage für mein Busproblem auf spanisch zu erstellen, geht es weiter zum Bahnhof. Ich reihe mich in die Schlange ein. Als ich endlich dran bin, sagt mir die Dame, sie kann mir nicht helfen, sie verkauft nur Tickets. Dabei steht gross „Informacion“ am Schalter. Immerhin weisst mich jemand aus der Schlange darauf hin, dass eventuell ein anderer weiterhelfen kann.

Information oder doch nicht?

Der kann gar kein Englisch, sieht sich aber immerhin bereitwillig meine Computerübersetzung an und geht mit mir dann an einen anderen Schalter, der allgemein mit Bus beschriftet ist. Die Dame dort schreibt mir die Abfahrtszeit und die Nummer der Spur, von der mein Bus starten soll, auf. Das ist ja was. Nur meinem Hauptproblem bin ich immer noch nicht näher gekommen. Ich habe keine Ahnung, wann der Bus nach Basel in Suco ankommt, wo ich mitten in der Nacht umsteigen muss. Ich habe lediglich per E-Mail die Auskunft erhalten, dass dort Leute sind, die weiterhelfen können. Es bleibt also spannend.

Zeit totschlagen

Wegen des schlechten Wetters mache ich mit Bar- und Café-Hopping weitere. Es fühlt sich komisch an nach so vielen aktiven Tagen nun mühsam die Zeit totzuschlagen.

Jakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg KüstenwegJakobsweg Küstenweg
Santander

Camino del Norte Reisebericht Tag 22

2016-09-17/18 – Sa/So

Ich schlafe nicht wirklich besonders gut und so checke ich früher aus als geplant. Immerhin habe ich hier mal eine positive Überraschung: Beim Einchecken hatte die etwas ältere Hotelbesitzerin etwas von 75 auf Englisch gesagt. Ich dachte schon pro Tag. Das wäre schon etwas teuer gewesen, aber den Preis hielt ich wegen der grossen Stadt für schlüssig. Es waren aber nur 66 für beide Tage zu zahlen. Gut, das Hotel war auch recht einfach, aber sauber und das Bett war bequem.

Nun ist es kurz nach 11:00 und mein Bus fährt erst in 10 Stunden. Erst einmal lese ich mein Buch im Bahnhof aus. Dort ist es ganz anders wie in deutschen Bahnhöfen. Sehr sauber und zunächst noch leer.

Als mein Buch fertig ist, treibe ich mich eine Weile am Ufer herum. Die Sonne scheint sogar ein bisschen. Nach einem Mittagessen und zwei Kaffees in Bars mache ich mich dann doch zum Busbahnhof auf. Eine ganze Weile sind die Busse mit meiner Abfahrtszeit noch nicht angeschlagen. Als dann die relevanten Zeiten kommen, steht da nichts von meinem Bus.

Im Nachhinein kann ich mir ungefähr zusammenreimen, wie sich das verhält. Alsa ist wohl ein spanisches Unternehmen, dass zunächst mal nationale Strecken bedient. Dann gibt es auch die internationalen Busse, die unter dem Label Alsa – Member of Eurolines fahren. Genialerweise wird die internationale Verbindung nicht auf den Abfahrtstafeln angezeigt. Und um das ganze zu toppen, ist die Abfahrt nicht die, die auf meinem Ticket steht, sondern eine andere Strecke über Bilbao.

Der Bus kommt endlich…

Ich warte und warte, der Bus hat Verspätung. Als ich schon verwünsche, nicht meine Bauchgefühl gefolgt zu sein und eine alternative Verbindung gesucht zu haben, kommt er schliesslich. Immerhin kann einer der Fahrer Englisch und erklärt mir ziemlich barsch, das ich in Bilbao umzusteigen habe. Das ist zwar nicht so, wie es auf meinem Ticket steht, ist mir aber lieber. In Bilbao gibt es Flughafen und Bahnhof. Wenn der Anschluss nicht klappt, komme ich anderweitig weiter.

Kurz nach dem Einsteigen lautes Geschrei. Eine Mutter hat Ihren schon grösseren behinderten Sohn dabei. Hat man ja zu dulden, aber ich denke mir schon, dass kann ja heiter werden. Sie setzen sich um und er beruhigt sich relativ schnell wieder. Vielleicht hat ihn einer der neu Zugestiegenen erschreckt?

In Bilbao wird es wieder stressig. Hier auf der Anschlagtafel wird der Bus angezeigt. Aber die Zeile blinkt, was normalerweise bedeutet, dass der Bus gleich abfährt. Eine Fahrspur wird nicht angezeigt. Also renne ich schon leicht panisch von Bus zu Bus und frage überall, ob das der Bus nach Basel ist. Der Fahrer vom Bus hierher hat zwar eine Nummer aufgeschrieben, aber inzwischen traue ich niemandem mehr. Das ist leider nicht ganz ungerechtfertigt: Eine Alsa-Dame auf dem Fahrsteig will mich partout wieder in den Bus schicken, mit dem ich nach Bilbao gekommen bin und der ganz bestimmt nicht nach Basel fährt.

Und alles klappt dann doch irgendwie…

Irgendwann, auf der Anzeigetafel ist die Zeile mit dem Bus aus Basel längst verschwunden, kommt der Bus. Und er fährt nach Basel. Vom schweizer ALSA-Egmann Unternehmen hatte ich die Auskunft bekommen, das ich auf der Route nochmal umsteigen müsste. Ein vernünftiger Kundensupport ist hier also nicht wirklich.

Generell hat mir die Busfahrerei etwas Kopfzerbrechen bereitet. Ich würde nur noch Direktverbindungen nehmen. Wer Spanisch kann oder für den es nicht tragisch ist, wenn er ein oder zwei Tage später heimkommt, der kann sicher auch eine Rückfahrt buchen. Mich hat speziell das Theater um die Rückfahrt doch etwas gestresst. Aber warscheinlich hätte ich einfach etwas südländlisch gelassen an die Sache gehen sollen.

Auch ist eine so späte Abfahrtszeit am Abend zumindest für mich nicht wirklich praktisch: Irgendwie kann man den Tag eh nicht mehr vernünftig verwenden, von daher ist eine Zeit nach den üblichen Check-Out-Zeiten sinnvoller.

Alternative Hin- und Rückfahrt per TGV

Ein guten Tipp gab mir ein Pilger unterwegs: Den französischen TGV via französischer Seite online buchen (sie ist auf deutsch). Das sei billiger, als über die DB. Ich habe mal einen kurzen Check gemacht und bin auf Preise von 150-180 Euro Basel – Hendaye gekommen. Hendaye ist die Stadt, die gegenüber von Irun auf der französischen Seite liegt.

Der Bus ist noch voller als der letzte und so habe ich im Gegensatz zur Hinfahrt lange nur einen Platz für mich, was das Schlafen äusserst schwierig macht. Aber immer wieder Viertelstundenweise geht es. Schliesslich wird es leerer, bequemer und ich komme recht verschlafen mit zweistündiger Verspätung in Basel an.

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