Wie war Woche 3 in England mit dem Minicamper?

Tag 15 – 17.08.2019

Ich sitze in meinem Minicamper, das Wetter ist besser und ich bin ehrlich gesagt überhaupt nicht unglücklich, den Campingplatz hier verlassen zu müssen. Zu voll, zu teuer und zu abseits gelegen.

Es geht weiter nach Torquay. In Torquay gibt es eine Schule, in der man sein Englisch auffrischen kann. Das macht gerade eine  gute Bekannte aus der Wandergruppe aus der Schweiz, bei der ich auch bin. Und bei der letzten Wanderung hatten wir festgestellt, dass wir zur selben Zeit in England sind. Logisch, dass wir uns da mal für das Wochenende verabredet haben.

Torquay liegt direkt an der Küste in der Grafschaft Devon. Die Küste hier bezeichnet man auch als die „englische Riviera“. Das kommt daher, dass der Wind geologisch bedingt aus dem Süden oder dem Osten kommt. Das Klima ist daher mild und für englische Verhältnisse recht trocken. Mehr zu Torquay findest du natürlich auch auf Wikipedia.

Passend dazu wird das Wetter auch immer besser und tatsächlich sehe ich einige Palmen.

Für heute haben wir erst einmal einen kleineren Ausflug geplant. Bisschen die Stadt anschauen und an der Küste nördlich laufen. Die Stadt ist recht voll, aber kaum dass wir den Küstenweg gefunden haben, wird es ruhiger.


Meine Empfehlungen für meine Leser:


Der South West Coastal Path, auf dem wir uns befinden, ist übrigens 1014 km lang und führt von Minehead bis nach Poole Harbour.

England Minicamper Torquay England Minicamper Torquay England Minicamper Torquay England Minicamper Torquay England Minicamper Torquay England Minicamper Torquay  England Minicamper Torquay

Unterwegs sehen wir sogar noch ein paar Robben.

England Minicamper Torquay

 

Tag 16 – 18.08.2019

Für heute haben wir einen Ausflug nach Cornwall geplant. Wir waren beide noch nie dort. Cornwall ist ein Ziel auf meiner Reise. Da das Wetter aber noch immer nicht allzu stabil ist, bin ich mir nicht sicher, ob es dabei bleiben wird. Doch es sieht erstmal gut aus und so fahren wir los.

Wir landen in Fowey. Das Örtchen liegt wirklich malerisch an einem Hang direkt an der Küste. Das ganze wird aber auch entsprechend touristisch ausgeschlachtet.

Fowey Cornwall - England im Minicamper

Am Hafen unten verbreiten 3 Damen den Flair der 40er Jahre.

Fowey - Cornwall

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Aber auch hier kehrt kaum, dass wir das Städtchen verlassen haben, Ruhe auf dem Küstenpfad ein.

Und der ist wirklich sehr beeindruckend.

South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall South West Coast Path - Cornwall

Teilweise herrscht kräftiger Wind. Zwischendrin fängt es auch mal kurz an zu regnen. Zu meinem Entsetzen merke ich, dass meine Regenklamotten in meinem anderen Rucksack sind. Und der liegt in Torquay. Doch Petrus meint es gut mit mir und stoppt die Wasserzufuhr, bevor wir richtig nass werden.

Völlig ausgehungert und ohne konkretes Wissen, wie wir zurück zum Auto nach Fowey kommen, landen wir schliesslich in Tywardreath. Auf der Karte wirkte das Städtchen grösser. In Wirklichkeit sind hier die „Bürgersteige hochgeklappt“ und kaum jemand ist auf der Strasse zu sehen.

Aber Google „sagt“, es kommt ein Bus nach Towey. Wir lassen uns das im einzigen offenen Pub bestätigen. Der hat die Küche noch nicht geöffnet. Die Serviertochter ist sehr freundlich, weiss aber nichts von einer anderen Verpflegungmöglichkeit im Ort. Wir müssten fast einen Kilometer laufen für das nächste Restaurant, ist ihre Auskunft.

Ich spreche Sie auf einen Fish & Chips-Laden an im gleichen Ort, den mir wieder Google „vorgeschlagen“ hat. Doch den will sie nicht kennen.

Passiert selten, aber ist mir doch schon passiert. Man ist in England immer unglaublich auskunftsfreudig und auch sehr freundlich. Wenn es nach mir geht, dürften wir uns in der Schweiz und in Deutschland von dieser Freundlichkeit gerne ein Stückchen abschneiden. Aber ab und zu mag man hier wohl nicht zugeben, dass man keine Ahnung hat und erzählt lieber irgend etwas als gar nichts.

Bei 50 Minuten Wartezeit für den Bus möchten wir nicht noch zweimal ein Kilometer zum Restaurant laufen und beschliessen den Fish & Chips-Laden vorzuziehen.

Die Portionen sind riesig und naturgemäss sehr fettig. Nicht einmal ich – und ich bin ein guter Esser – bringe das komplett runter.

Wie gefühlt in jedem kleinen Dorf in England gibt es auch in Tywardreath eine tolle alte Kirche aus Stein. Die Gräber davor sehen uralt aus und man hat wirklich den Eindruck, als ob hier bei Nacht die Vampire empor steigen könnten. Aber vor lauter Hunger habe ich vergessen, den Fotoapparat auszupacken.

Um ja den Bus nicht zu verpassen, stellen wir uns mehr als rechtzeitig an die Haltestelle. Eine Dame aus dem Nachbarhaus nutzt die Gelegenheit für einen längeren Schwatz. Sie hat sichtlich Freude, mal mit jemand anders zu quatschen. Der Bus kommt schliesslich, wir verabschieden uns, und machen uns in Fowey angekommen wieder auf den „Heimweg“ nach Torquay mit dem Minicamper.

Den Abend verbringen wir noch im ältesten Pub der Stadt, wo erst ein und dann am Schluss fünf Musiker – keiner unter 70 – alte Rocksongs zum Besten geben. Und das mit einer wirklich mitreissenden Spielfreude.

South West Coast Path - Cornwall

Tag 17 – 19.08.2019

Unsere Wege trennen sich heute. Ich fahre weiter in den Dartmoor Nationalpark. Und zwar einfach mal drauf los.

Ich lande schliesslich in Newbridge und laufe von dort einen tollen Fluss lang. Die Strasse dahin wird immer enger. Wie ich es teilweise schon aus Schottland kenne, ist es am Schluss nur noch eine Single-Track Road. Das ist eine Strasse mit nur einer Fahrspur mit gelegentlichen Ausweichstellen. Auch die Newbridge, die gar nicht so „new“ ist, ist nur von jeweils einer Richtung befahrbar. Trotzdem fahren manche hier so schnell drauf, dass ich nach einem Drittel wieder zurückstossen muss, weil ein anderer meint, schneller zu sein.

Der Dartmoor Nationalpark Dartmoor ist eine Hügellandschaft ebenfalls in der Grafschaft Devon mit Moor und Heide, aber auch wieder tollen Wälder und in einem solchen bin ich gelandet. Entspannt laufe ich den Fluss lang. Auch hier bin ich nach wenigen Metern praktisch wieder alleine.

Es ist so grün, dass ich bei allen Fotos den Weissabgleich korrigieren muss. Alles sieht einfach sonst zu unnatürlich grün aus. Mag ich mich auch schon öfters über den Regen geärgert haben, sieht man hier doch, was genügend Niederschlag hervorbringen kann.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=P0nLJPH067U&feature=youtu.be

Dartmoor Nationalpark England Dartmoor Nationalpark England Dartmoor Nationalpark England Dartmoor Nationalpark England Dartmoor Nationalpark England Dartmoor Nationalpark England Dartmoor Nationalpark England Dartmoor Nationalpark England

So und wo werde ich nun übernachten? Bei Colin in Totnes im AirBnb. Das ist nicht allzu weit entfernt vom Dartmoor National Park. Was, nicht mehr Minicamper? Ja, ich habe die Nase vom schlechten Wetter voll und wüsche mir einfach etwas mehr Bewegungsfreiheit. Daher gibt es mal eine Camper-Auszeit. Diese Woche muss ich ja auch noch arbeiten und kann eine stationäre Unterkunft gut gebrauchen.

Colin ist ein pensionierter Lehrer. Er wohnt mit seiner Frau Helen in einem typisch englischen Reihenaus. Er begrüsst mich freudig und zeigt mir alles und fährt dann mit seiner Frau in Urlaub. Das nenne ich cool. Ausser mir sind noch zwei Gäste im Haus und wir haben das erstmal bis Freitag für uns.

2019-08-19_Strecke

Tag 18 – 20.08.2019

Ich arbeite ganz normal. Wie zu Hause beziehungsweise wie im Büro. Erfreulicherweise fühlt man sich bei Colin auch gleich wie zu Hause. Die Internet-Verbindung ist gut, alles kein Problem. Nur muss ich nach wie vor wegen der Zeitverschiebung doch sehr früh aufstehen.

Dafür bin ich auch früh fertig und gehe erst einmal an den River Dart. Colin hat mir erzählt, dass das Meer bei Flut den Fluss herauf fließt und dann die Robben vom Meer im Ort sind.

Leider ist Ebbe. Also keine Robben. Dafür finde ich die South Devon Railway. Diese bedient noch die ganze 7 Meilen lange historische Zugstrecke von Buckfastleigh nach Totnesnoch entlang des River Dart. Dafür braucht Sie eine halbe Stunde. Das ganze ist dementsprechend auch hauptsächlich für touristische Zwecke genutzt.

Totness
In Totness
England
Totness
Totness
Dieser Oldtimer scheint sich noch voll im Einsatz zu befinden

Ich sehe noch die Einfahrt des letzten Zuges. Eine Dampflock. Auch wenn ich nicht der grosse Eisenbahnfan bin und auch nie wahr, kann ich mich dem Charme der alten Technik und des liebevoll restaurierten alten Bahnhofs nicht entziehen.

South Devon Railway
South Devon Railway – Ein Schild aus längst vergangener Zeit

South Devon Railway South Devon Railway South Devon Railway South Devon Railway South Devon Railway South Devon Railway South Devon Railway

Ich unterhalte mich etwas mit dem Schaffner auf dem Bahnsteig. Normalerweis fährt kurz nach fünf der letzte Zug. Ich erkläre ihm dass ich vorher arbeite. Er macht mich daraufhin auf das Rails & Ales Festival am Wochenende aufmerksam. Dann fahren die Züge länger in den Abend hinein. Super, dass nehme ich mir für Freitag vor.

Ich laufe weiter am Fluss, in der Hoffnung flussabwärts doch noch ein paar Robben anzutreffen. Die finde ich nicht, aber ich sehe einen Eisvogel. Mein bisher einziger in freier Wildbahn. Das grosse Teleobjektiv habe ich dabei, aber natürlich ist er weggeflogen, bevor ich es montiert habe.

Ich will noch in die Stadt und mir das Pub und den Einzelhändler anschauen, den mir Colin empfohlen hat. Irgendwie schickt mich Google durch ein Industriegebiet.

Schliesslich finde ich die richtige Strasse. Es ist kurz vor sieben und fast alle Geschäfte haben bereits um fünf geschlossen. Ich merke, dass ich verwöhnt bin von den langen Öffnungszeiten, aber denke auch wieder daran, dass wir bei uns teilweise schon wieder das andere extrem haben, was ja auch wieder nicht sehr arbeitnehmerfreundlich ist.

Ich bin also zu spät zum einkaufen, aber zu früh für die Pubs. Diese haben zwar schon auf, sind aber (noch) ausgestorben. Immerhin hat der Happy Apple noch auf. Der von Colin empfohlene Laden hat so ziemlich alles, was man braucht. Ist aber kein Supermarkt ist, aber kann aufgrund der Grösse dann doch auch nicht mehr als Tante Emma Laden bezeichnet werden kann.

Colin hat mir schon erzählt, dass Totness ziemlich alternativ ist. Dementsprechend gibt da auch die passenden Geschäfte:
Geschäfte in Totnes Geschäfte in Totnes Geschäfte in Totnes

Recht früh in ich wieder zurück.

Tag 19 – 21.08.2019

Auch heute ist wieder „normales“ Arbeiten angesagt. Von Trish, sie ist ebenfalls Gast bei Colin, erfahre ich, dass es weiter unten, als ich gestern war, ebenfalls noch schöne Kneipen und Restaurants gibt. Ich laufe also nach Feierabend weiter, bis die Haupt-Geschäftsstrasse den River Dart erreicht und finde da tatsächlich eine schönes Bistro mit Tischen draussen am Fluss und esse dort zu Abend.

Totnes - River Dart Totnes - River Dart

Draussen an den Tischen hat man mit den frechen Möwen zu kämpfen. Man hat es auch mit Modellen von Falken auf dem Geländer versucht. Doch die Möwen zeigen sich davon recht unbeeindruckt und watscheln munter zwischen den Plastik-Greifvögeln hin und her.

Nach dem Abendessen teste ich noch das erste von Colin empfohlene Pub mit Biergarten draussen. Die Temperaturen lassen es noch zu.

Tag 20 – 22.08.2019

Auch heute gibt es nicht viel aufregendes zu berichten. Ich war schliesslich wieder den ganzen Tag arbeiten und beende den Tag mit dem zweiten von Colin empfohlenen Pub mit einem noch schöneren Biergarten.

Tag 21 – 23.08.2019

Heute ist mein „letzter“ Arbeitstag. Danach habe ich noch drei Wochen richtig Ferien.

In der Mittagspause besuche ich die Kirche gleich um die Ecke bei Colin. Auch hier wieder ein wunderschönes Gebäude aus Stein mit einem weitläufigen Friedhof rings herum. Hier hat es neben sehr alten Gräbern aus den Jahren 1800 aber auch aktuelle.

Kirche und Friedhof in Totnes - England Friedhof in Totnes - England Kirche in Totnes - England Friedhof in Totnes - England

Kurz vor Feierabend kommen zwei schwere Fälle rein und ich kann erst um 17:30 Schluss machen. Ich laufe runter zu der South Devon Railway und checke die Abfahrtszeiten. Tatsächlich lohnt sich noch die Fahrt und ich steige ein.

Leider steht für die Abendfahrt aber nur noch die Diesellok zur Verfügung, die aber ebenfalls schon ein paar Jahre mehr als üblich auf dem Buckel hat.

South Devon Railway South Devon Railway South Devon Railway - Diesellok

Offensichtlich hatte ich den Schaffner aber nicht richtig verstanden. Als ich in Buckfastleigh aussteige, ist dort absolut „tote Hose“. Alles hat hier zu. Ich frage hier noch einmal nach und stelle fest, dass das „Rail & Ale“ Festival nur Staverton stattfindet.

Buckfastleigh - South Devon Railway

Ferien sind was tolles, man hat Zeit. Also vollkommen egal, ich fahre einfach mit dem Zug wieder zurück und steige dort aus.

Die Bahnstrecke führt entlang des River Dart durch eine landschaftlich tolle Gegend. Die gemütliche Geschwindigkeit (oder besser Langsamkeit) wirkt zusammen mit den Zuggeräuschen sehr entschleunigend.

Staverton Staverton

Das Ale & Rail-Festival scheint mir eine eher regionale Angelegenheit zu sein. Viele Leute kennen sich. Typische Touristen fallen mir nicht auf, ich habe aber natürlich nicht jeden interviewt. Alles ist auch hier sehr liebevoll gemacht. Es gibt Unmengen von verschiedenen Biersorten und auch ein Barbecue. Ich probiere – glaube ich zum ersten Mal in meinem Leben – ein Cider. Schmeckt ganz gut, aber ich kehre danach dann doch wieder zum Bier zurück.

In der Schlange beim Barbecue unterhalte ich mich auch noch etwas mit dem Schaffner aus der Diesellok. Er und seine Kollegen machen das alle als Freiwilligenarbeit und sind alle sausgemachte Zugfans.

Relativ früh kehrt die letzte Bahn schliesslich wieder nach Totnes zurück und ich mit ihr.

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