Frankreich 2013 – Hautes Alpes – Provence

Samstag, 13.07.2013

Nur vier Ferientage und es soll nach Frankreich gehen. Südfrankreichferien, genauer Provence ist das Ziel. Könnte nur etwas zu weit sein. Ich habe gestern noch etwas im Internet rumgesucht und bei
booking.com
ein tolles Bed & Breakfast gefunden. In der Nähe vom Lac de Serre-Ponçon, immer noch 550 km entfernt. Schaffen wir es überhaupt so weit?

Schon nach wenigen Kilometern auf der Autobahn staut es sich vor jedem Tunnel fast auf Schrittgeschwindigkeit. Richtung Solothurn fast Stillstand. Das schaffen wir nie! Wir überlegen schon, via Landstrasse in den Westen abzubiegen und im Jura rum zu gondeln. Dann geht es doch wieder schneller. Bis auf den wohl schon fast üblichen Stau vor Bern geht es eigentlich recht gut voran. So gut, dass mir am späteren Nachmittag das Fahren auf der Autobahn satt haben und abbiegen Richtung Col du Télégraphe und Col du Galibier.

Es ist Samstag, alle haben Ferien und entsprechend voll ist es hier auf der Route des Grandes Alpes. Autos, Motorräder, Fahrräder und schlimmer auch noch Reisebusse quälen sich den engen Col du Télégraphe hoch. Keine Chance mit dem Smartie zu überholen. Wir lassen uns immer wieder zurückfallen um wenigstens ein paar Kurven in Spassgeschwindigkeit nehmen zu könne. Dann Café
und Kuchen auf dem Col du Télégraphe. Tarte Noir – eine extrem süsse dunkle Schokoladenmasse im Biskuit-Förmchen mit vielen Nüssen. Bergab wird es etwas breiter und auch mit dem untermotorisierten Smartie lässt sich der ein oder andere Sonntags-(Korrektur: Samstags-) Fahrer sicher überholen. Auf der etwas besser ausgebauten Auffahrt zum Col du Galibier lässt es sich dann noch besser fahren. Nur das letzte Stück (nach dem einspurigen Tunnel mit dem sich die Passhöhe umfahren lässt) ist schon wieder recht eng. Auf der Passhöhe nur noch 17 Grad. Vor der Auffahrt waren es 31. Bergab geht es zügig. Nur auf der D1091 ist soviel Verkehr dass wir uns dem gemütlich einordnen (müssen).

Es ist kurz vor 18:00 Uhr, als wir in Embron, unserem programmierten Navi-Ziel, ankommen. Embron ist gross und gefällt mir nicht wirklich. Ich möchte noch zum B&B La Fernande in Baratier weiterfahren. Tatsächlich hat Luisella noch ein Zimmer frei. Es ist eine Familensuite, wir bekommen sie aber für den Preis eines Zwei-Personen Zimmers. Hätte ich über booking.com gebucht, wäre es teurer gewesen. Luisella ist Italienerin und spricht neben Französisch (sie lebt schon lange in Frankreich) auch Deutsch und Englisch. Wir essen auch im La Fernande zu Abend.


 

Es gibt Ravioles Maison mit Salat, die aber keine Teigwaren, sondern eine Art Kartoffeltaschen sind. Diese werden in Honig getunkt, was geschmacklich entgegen meiner Erwartungen sehr gut passt.
Auch der anschliessende Rauchfleisch-Teller ist sehr lecker. Zum Dessert gibt er selbstgemachtes Meloneneis auf warmen Pfirsichen in Krokant.

Die Nacht ist warm und es kühlt erst am Morgen auf angenehme Temperaturen herunter.

 

Sonntag, 14.07.2013

Wir befinden uns wieder einmal völlig unbeabsichtigt mitten im Tour de France Getümmel. Das war schon letztes Jahr so, ohne dass wir etwas mit dem ganzen Fahrrad-Gedöns anfangen können. Will uns eine geheimnisvolle Macht zu Tour de France Fans machen? Wenigstens sollte der Heimweg Tour-frei sein und morgen ist Pause. Als Nicht-Fahrrad-Begeisteter sollte man vor den Südfrankreich Ferien doch mal einen Blick auf die Termine der Tour de France werfen.

Nach dem reichhaltigen Frühstück wollten wir eigentlich das Chateau de Picomtal in Grots besichtigen. Führung ist jedoch erst ab 11:00. Wir fahren runter zum See. Dort ist gut was los. Wir gönnen uns zwei Cappuchinos und spielen eine Runde Minigolf. Die Anlage ist liebevoll gemacht. Die Bahnen sind mit Adlernester, Drachen, Bären und Katapulten als Hindernisse ausgestattet. OK, es kostet auch pro Person EUR 7.- aber es ist den Spass wert. Jetzt ist es allerdings zu spät
für das Chateau.

Wir fahren auf die andere Seite des Sees zum Mittag essen. Pizza wird bestellt. Wer (französisch) lesen kann ist klar im Vorteil. Wir brauchen länger dazu und einiges Blättern im Wörterbuch. Pizza gibt es nur am Abend (soir). Also Mittagstisch (midi). Bruschetta und Schinken-Omelette – auch sehr lecker. Noch ein bisschen am Strand spazieren. Es wird immer heisser. Kopfweh macht sich breit. Jetzt haben auch noch die Supermärkte zu, die heute morgen noch alle auf hatten (Merke: In Frankreich – zumindest wo wir sind – haben die Supermärkte Sonntags 8:00-13:00 Uhr auf). Also zurück ins B&B und im Schatten ausruhen. Der jüngere der beiden Boarder-Collies der Vermieter wird nicht müde uns ein Stöckchen nach dem anderen vor die Füsse zu werfen. Aber wir haben Wurfverbot von Luisella bekommen. Streicheln lassen will er sich nicht. Dafür ist eine der Katzen ein Schmusetiger.

Viel zu früh – in Frankreich isst man generell später – machen wir uns auf ins Dorf. Eine eiskalte Cola bekommen wir, aber nichts zu essen. Luisella macht heute leider auch nichts, empfiehlt uns aber die Pizzeria im Dorf. Andere Hausgäste erzählen, dass sie gestern keinen Platz ohne Reservierung bekamen. Das kann ja heiter werden. Aber immerhin würde es die Pizza auch als Take-Away geben. Damit könnten wir auch leben.

Wir haben aber Glück und bekommen auch ohne Reservierung noch einen Platz. Gerade als wir mit unseren Pizzen fertig sind, fängt es an wie aus Kübeln zu schütten. Der Sitzplatz ist überdacht, aber an den Seiten zieht es trotz der Abdeckungen, die heruntergezogen werden, ordentlich rein. Es kühlt ab, was wir aber nicht schlimm finden, da es uns ohnehin schon wieder zu warm war.

Nachdem es etwas nachgelassen hat, fahren wir ins La Fernande zurück.

Montag, 15.07.2013, Ausflug in die Provence, Lavendelstrasse

Provence-Tour ist angesagt. Lavendel-Felder in voller Blütesehen. Wir machen uns gemütlich auf über die Berge. Schwups landen wirunbeabsichtigt auf der morgigen Strecke der Tour de France (es ist übrigens die 100. Tour). Auf diversen Bergstrecken stehen beflaggte Wohnmobile der Fans und
die selbigen sitzen gemütlich davor. Teilweise wildes Gehupe. Keine Ahnung warum. Möglicherweise Schweizer, die unser Kennzeichen sehen und denken, wir sind auch als Fans unterwegs? Viele Hobby-Rad-Fahrer sind schon mal auf der Strecke unterwegs.

Mittag essen wir unterwegs. Ich nehme Assiette de Crudites (Salatteller) mit Roastbeef avec Flau de Courgette au Basilic. Letzteres entpuppt sich als feine Schinkenplatte (nur leider kalt)  mit Gemüsesauce.

Wir fahren weiter nach Sault, was als Ausgangsort für die Lavendelfelder bekannt ist. Von dort ein Stück weiter die D942 (Lavendelstrasse) lang, offenbar aber in die falsche Richtung. Ausserdem ist es schon reichlich spät geworden. Also zurück. Unterwegs probieren wir Lavendel- und Orangenhonig. Letzterer schmeckt sogar mir, dem Honig-Verweigerer, ausgesprochen gut. Wir nehmen je ein Glas mit.

Es geht wieder vorbei an Sault und dann aber runter von der Lavendelstrasse. Zunächst sieht es so aus, als würden wir kein Feld mehr sehen. Dann, endlich, ein Foto-taugliches Feld und ich biege in einen kleinen landwirtschaftlichen Weg ab. Wir schiessen ein paar Fotos, das Navi sagt, wir können weiter fahren. Kurz darauf wird aus dem geteerten Weg ein Schotterweg. Ich beschliesse weiter zu
fahren. Der Smartie hat, man glaubt es kaum, ordentlich Bodenfreiheit. Zum Glück ist nichts tiefer gelegt und kein Spoiler dran.  Die Schotterpartie lohnt sich, wir kommen noch an mehreren richtig schönen Feldern vorbei.

Weiter geht es, dieses Mal über eine andere Route, über Forcalquier und Digne-les-Bains. Interessante Bergstrecken, die auch immer wieder genügend lange Geraden bieten, damit der Smartie die Montagsfahrer gefahrlos überholen kann. Als wir am Lac de Serre-Ponçon ankommen, schickt uns das Navi den Col de Pontis hoch. Die Strasse ist so klein, hier könnte man kein anderes Auto überholen, aber ausser uns und ein paar Radfahrer ist fast nichts los.

Wieder unten angekommen müssen wir mal sooooo dringend wohin, dass wir das erstbeste Restaurant nehmen. Es läuft Rastamusik. Der Kellner in Turnschuhen, kurzen Hosen in Jamaica-Farben und langen Haaren lässt mich an das Erlebnis mitdem stoned wirkenden Kellner
im Bagdad-Café
denken. Doch der ist hellwach, sehr freundlich und seine Empfehlung war auch wirklich lecker.

Im La Fernande lassen wir uns als Feierabend- und Abschiedstrunk noch ein Bier für auf den Balkon geben und uns dann schliesslich von den Stechmücken ins Bett treiben.

 

 

Dienstag, 16.7.2013, Südfrankreich – Schweiz

Aus! Schluss! Vorbei! Wir müssen schon wieder heim. Das Navi schickt uns über Gap. Wieso ist soviel Verkehr dorthin unterwegs? Da war doch was? Richtig, hier endet heute die Tour de France. Macht wohl nicht viel Sinn, sich dem Tross dahin anzuschliessen. Also drehen wir um und machen uns auf den gleichen Rückweg wie unser Hinweg.

Auf dem Col du Galibier wird es dann richtig ätzend. Gefühlte tausende von Radfahrern quälen sich da hoch. Morgen oder übermorgen ist das Touretappe und jetzt muss jeder Hobbyfahrer aus ganz Europa da hoch! Das Hauptproblem ist aber eine belgischer Kleinbus, der schlicht und ergreifend die Radfahrer (von denen kaum einer mehr wie 10 km/h fährt) nicht überholt. Auf der Abfahrt geht es dann deutlich entspannter zu. Nach dem Col du Télégraphe geht es dann schon bald auf die Autobahn und relativ langweilig nach Hause.

Freitag, 26.07.2013, Das Nachspiel – Fotos und Geschwindigkeits-Busse aus Frankreich

Am Col du Galbier wurden wir noch von einem Fotografen fotografiert. Wir fanden ihn tatsächlich dank Tante Google wieder. Die Bilder waren klasse, ich musste zuschlagen. Am Freitag kam ein Brief auf französisch.

Sinngemäss ist es so, dass ich zu schnell gefahren bin und EUR 45.- Busse zahlen muss. Zahle ich die nicht innerhalb einer gewissen Frist, wird bis zu EUR 180.- daraus. Das ganze kann wohl auch eingetrieben werden. Also Zähne zusammenbeissen und zahlen (und hoffen, dass nicht noch mehr Post aus Frankreich kommt). Informationen zum Bussgeldbescheid kann man sich auf der Webseite von Antai holen. Dumm nur, dass am Samstag der zweite Bescheid kam. Leider kein Amtsfehler, sondern andere Stelle. Beides waren übrigens geringe Übertretungen. Einmal war es auf einem 110 beschränkten Autobahnteil und das andere war eine auf 90 beschränkte zweispurige Route National.

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