KTM 690 DUKE ABS 2014

Ein Tag mit der KTM 690 DUKE ABS 2014

Da gibt es leider keine Ausreden: Ich bin ein Schwächling. Ich kann nur staunen, wenn die Techniker in den Motorradwerkstätten Motorräder wie eine BMW K 1600 eben mal locker durch die Halle auf die Montagerampen schieben. Wenn ich meine R 1150 GS Adventure (Update: Inzwischen abgelöst) hinter meinem Smart endlich hervorgeschoben habe, fühle ich mich jedes Mal so, als hätte ich Stunden im Fitness-Center verbracht. Und immer aufpassen, wo man anhält, damit man hinterher auch ja wieder wegkommt. Kurzum, etwas leichteres muss her. Wenn ich schon nicht abnehme, dann wenigstens das Motorrad.

Probefahrt mit der DUKE

Auf der Suche nach einem geeigneten Modell bin ich auf die Duke-Baureihe von KTM gestossen. Die Jungs aus Mattighofen haben einen ziemlich guten Riecher bewiesen, als sie 1994 mit Enduroteilen die Ur-Duke zusammen bastelten. Immerhin rund 30000 Stück befinden sich derzeit auf den Strassen. War bisher nichts für mich, denn gab die Duke nicht mit ABS. Jetzt (2014) schon.

Schon letzte Woche war ich Probe sitzen. Zuerst auf der Duke 390. Super günstig, super leicht. Aber nein, das passt nicht. Der Sitz ist unbequem und ich bekam mit meinen 1,89 Meter die Knie irgendwie nicht vernünftig unter. Ganz anders die 690. Bequemer Sitz (was sich, wie sich noch rausstellen sollte nach einigen Kilometern durchaus ändert) und die Knie passen auch. Also gleich mal nach einer Probefahrt gefragt. Leider war nur das 25 kW Modell da. Die Stunde mit der machte aber auch schon jede Menge Spass. So viel, dass ich mir die offene für einen ganze Tag (kostenpflichtig) auslieh.

Das Wetter hat besser nicht sein können: Schon um 7:30 hat es 13 Grad und 31 sind voraus gesagt. Grund genug für den Mittag in höhere Gefilde (sprich Schwarzwald) abzuhauen. Wir hatten letzte Woche schon alles vorbereitet und so klappt die Ausleihe hervorragend. Meine Duke heute ist schwarz, die letzte Woche war weiss. Dann, schon beim ersten Kreisverkehr rutscht mir beim Ausfahren das Hinterrad leicht weg, fängt sich aber sofort wieder. Genau den gleichen Effekt hatte ich letzte Woche schon. Es gibt hierzu in den Foren diverse Beiträge. Mögliche Ursachen gehen von kaltem Reifen, falscher Luftdruck, falschem Reifen oder zu wenig Drehzahl (Einzylinder schlägt gegen Kette) aus. Möglicherweise ist es auch eine Kombination aus mehreren Ursachen. Meine Leih-Duke hat jedenfalls Michelin Pilot Power aufgezogen.

Kein so ganz guter Anfang und ich fühle mich noch nicht so richtig wohl. Ich biege ab auf eine kleine Pass-Strasse, die ich recht gut kenne und mir wird klar, dass ich völlig falschen Lenkimpuls gebe, weil ich viel näher am Lenker sitze wie bei der BMW. Nachdem ich mich darauf konzentriere, klappt es schon viel besser und ich erahne, was die Duke für ein Kurvenflitzer ist. Sie braucht aber schon etwas Drehzahl. Unter 3000 sollte die Nadel nicht fallen. Aber dann geht der Punk wirklich ab. Sie dreht fliessend hoch bis vor den roten Bereich. Allzu frühes hochschalten schadet dem Funfaktor. Ich nehme noch ein Stückchen Schotter mit rein, denn auch das sollte bei meinem nächsten Motorrad möglich sein. Ich bin und werde sicher nicht mehr der grosser Geländefahrer, aber ein kleiner Ritt über einen Feldweg muss von Zeit zu Zeit sein. Das klappt ganz gut, also ab in den Schwarzwald.

Im Albtal überhole ich die ersten Autos. Beschleunigung der Duke ist -zumindest für mich- absolut ausreichend. Ich fühle mich nie untermotorisiert.

Nach einer ersten kurzen Pause mache ich mich auf zu einem recht frisch gemachten Serpentinenstück. Das klappt richtig gut, so lange man die nicht im dritten Gang nimmt. Dann schlägt die Kette und das Beschleunigen aus der Kurve wird sehr unruhig. Die Bremsen werden oft als zu sanft kritisiert. Ich finde sie sehr gut, viel besser dossierbar als bei meiner BMW. Wer stark bremsen will, muss halt stärker drücken. Ich kann mir derzeit nur nicht so recht erklären, warum das Aufstellmoment beim Bremsen in der Kurve stärker ist wie bei meiner Gummikuh. Durch das geringe Gewicht kann man die Duke aber trotzdem recht schnell wieder auf Kurs bringen.

Das Getriebe ist eine Wohltat gegenüber dem GS-Getriebe. Nur der erste Gang rastet hörbar ein, ansonsten butterweiches Schalten. Allerdings passiert es gegen Ende der Tour immer öfter, dass der Gang nicht richtig einrastet. Bin ich bzw. mein Fuss einfach nur zu müde oder ist das eine KTM-Krankheit?

Ich geniesse richtig das geringe Gewicht der Maschine. Eine schöne Bank mit Aussicht ins Tal? Rein in den Feldweg, ohne nachzudenken wie ich da wieder rauskomme. Einfach das 160 kg (vollgetankt) leichte Motorradel wieder rausschieben. Das geht mit der BMW gar nicht.

Zwischendurch meldet sich mein Hinterteil immer mal wieder. Aber erstens habe ich dieses Jahr noch nicht viel Kilometer hinter mir und zweitens ist es auch nicht schlimmer als auf der teuren Kahedo-Bank. Nach einer kurzen Pause ist es gleich wieder gut. Ansonsten ist die aufrechte Sitzposition sehr angenehm. Man sitzt zwar deutlich tiefer wie auf einer Reisenduro, doch der Oberkörper ist ähnlich entspannt. Nach 340 km fangen meine Knie an etwas zu zwicken, das vergeht jedoch schnell wieder.

Bei ziemlich genau 250 km tanke ich 12 Liter nach. Das macht einen Verbrauch von 4.8 Litern. Das ist vertretbar.

In Testberichten liesst man immer mal wieder, dass sich das Vorderrad „fröhlich“ in die Luft hebt. Bei der Sitzposition fast über dem Vorderrad und meinen 100 Kilo hatte ich damit gar keine „Probleme“. Die 1000 Franken Selbstbeteiligung im Vollkasko-Fall waren auch nicht gerade ein Grund allzu übermütig zu werden.

Ich habe 300 Inklusiv-Kilometer. Am Schluss gebe ich die KTM mit 387 km Differenz ab. Zu oft war die Versuchung zu gross doch noch einmal den ein oder anderen kurvenreichen Umweg zu nehmen. Das Ding macht einfach einen Höllen-Spass und hat bis jetzt sehr gute Chancen mein nächstes Motorrad zu werden.

Technik

Leider verpennt habe ich die verschiedenen Modis. Diese muss man wohl über einen Schalter am Heck des Motorrads einstellen. Hier hat KTM wohl doch etwas zu sehr gespart. Es soll geben:

  • Race
  • Standard
  • Comfort

So wie die Duke losballerte, vermute ich, dass der „Race“-Modus aktiviert war. Wenn nicht, um so besser.

Die 690 gibt es auch noch in einer R-Variante mit:

  • Akrapovic-Auspuff
  • Verstellbares Fahrwerk hinten
  • Sturzbügel
  • 865 mm Sitzhöhe
  • Mehr Federweg
  • Fussrasten weiter hinten, bedeutet natürlich auch einen spitzeren Kniewinkel
Vorne im Bild die R, dahinter die normale. Aufgenommen bei Moto Mader in Oberentfelden
Vorne im Bild die R, dahinter die normale. Aufgenommen bei Moto Mader in Oberentfelden

Die R-Variante kostet 12990 Franken, die normale ist bereits für 10490 Franken zu haben

Eine technische Besonderheit ist „Ride by wire“ – Der Gasgriff steuert ein Potentiometer. Statt eines Gasgriffs steuert ein Stellmotor die Drosselklappe.

Bauart1-Zylinder 4-Takt Otto-Motor,
flüssigkeitsgekühlt
Hubraum690 cm³
Bohrung102 mm
Hub84,5 mm
Leistung50 kW (68 PS)
Getriebe6-Gang klauengeschaltet
KühlungFlüssigkeitskühlung, permanente Umwälzung der
Kühlflüssigkeit durch Wasserpumpe
Sitzhöhe unbelastet835 mm
Kraftstofftankinhalt gesamt ca.14 l
Superkraftstoff bleifrei (ROZ 95)
Gewicht ohne Kraftstoff ca.149,5 kg

Technische Daten auf der KTM Homepage

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