Milchstrasse ganz einfach fotografieren | Tipps

Zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 von Lars

Die faszinierende Milchstrasse zu fotografieren, dürfte jeden Fotografen reizen. Ich weiss noch, wie ich auf einer Fernwanderung nachts mal ein dringendes Bedürfnis spürte und aus dem Zelt musste. Es war hoch in den Schweizer Bergen. Die Milchstrasse spannte sich quer über den Sternenhimmel. Vor lauter Staunen vergass ich fast meine volle Blase und schnappte erst einmal die Kamera.

 

So fotografierst du die Milchstrasse

Für Eilige…

– Neumond, möglichst weit weg von den nächsten Städten.
– Gegend mit wenig Lichtverschmutzung wählen – siehe lightpollutionmap.info.
– Hilfreich ist eine App für die Mondphase und die Position der Lichtstrasse.
– Kamera mit Weitwinkelobjektiv.
– Stativ

Kameraeinstellung:
– Schärfemodus: M
– Blende: 2.2
– Entfernung: Ganz kurz vor unendlich.
– ISO: 1600 – 3200.
– Belichtung: 20 Sekunden.
– Fernauslöser oder Selbstauslöser 2 Sekunden (gegen Verwackler)

Ausserdem:
– Wetterbericht checken.
– Genügend Akkus mitnehmen und diese warm halten.
– Stirnlampe mit Rotlicht (Augen müssen sich nicht an Dunkelheit gewöhnen).
– Warme Kleidung.
– Am Besten bei Helligkeit mit Gegend vertraut machen.
– Spezielle Vorsicht in den Bergen und an Gewässern!

Schon damals habe ich einige Fotos gemacht. Ich musste aber lange probieren und war dann mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden.

2019 machte ich mich konkret auf zum Feldberg im Schwarzwald, um die Milchstrasse zu fotografieren. Dabei war es für mich auch wichtig festzustellen, ob das auch ohne übertriebene Anforderungen an das Equipment geht.

Entstanden sind zum Beispiel diese zwei Bilder, mit denen ich doch schon sehr zufrieden bin.

Nachtaufnahme: Milchstrasse auf dem Feldberg
Nachtaufnahme: Milchstrasse auf dem Feldberg
Milchstrasse fotografieren / Feldberg
Nachtaufnahme: Milchstrasse auf dem Feldberg / Feldbergturm im Vordergrund

Anforderungen an die Kamera für die Milchstrassenfotografie

Deine Kamera muss Langzeitbelichtungen können. Mit dem Smartphone wirst du hier also (noch?) nicht weiterkommen. Ideal ist eine Belichtungszeit von 20 Sekunden. 25 Sekunden geht unter Umständen auch noch. Belichtet man länger, ziehen die Sterne aufgrund der Erdrotation deutlich sichtbare Streifen. Es gibt spezielle Geräte, die das ausgleichen, aber die Anschaffung kam für mich nicht in Frage.

Deine Kamera muss ausserdem die Möglichkeit bieten, den Fokus manuell einstellen zu können, da nachts der Autofokus nicht mehr funktionieren wird.

Das Objektiv deiner Kamera sollte weitwinklig und lichtstark sein. Zudem brauchst du noch ein Stativ oder zur Not etwas, wo du die Kamera ablegen kannst.

Mein Foto-Equipment für das Milchstrasse fotografieren

Ich hatte das folgende Foto-Equipment im Einsatz:

Du kannst hier aber auch noch etwas sparen: Einen Fernauslöser brauchst du nur, damit die unvermeidliche Bewegung der Kamera beim Auslösen die Langzeitbelichtung nicht verwackelt. Den gleichen Zweck erreichst du, wenn du den Selbstauslöser auf zwei Sekunden stellen.

Die Kamera kannst du auch irgendwo auflegen. Aber bedenke: Am Tag geht das ganz gut. Hier kann man oft mit einem Stein oder einem Stock für den richtigen Winkel sorgen. Allerdings findet man nachts die passenden Steine oder Stöckchen schwer, weshalb ich da schon ein Stativ empfehle. Gute Erfahrungen habe ich auch mit dem GorillaPod von Jobby gemacht, was deutlich günstiger ist als das Stativ von Rollei. Hier empfehle ich dir aber auch die Variante mit etwas mehr Tragkraft. Auch wenn die Sony mit dem Samyang Objektiv relativ leicht ist, kannst du bei den stabileren Varianten die Sony auch mal mit einem schwereren Objektiv verwenden.

Die richtigen Kamera-Einstellungen für die Milchstrasse

Wichtige Fotografie-Grundbegriffe findest du einfach erklärt im Artikel:  Blende, Brennweite, RAW, Vollformat,…?

Gute Ergebnisse habe ich mit diesen Einstellungen erzielt:

  • Schärfemodus: M
  • Blende: 2.2
  • Entfernung: Ganz kurz vor Unendlich
  • ISO: 1600 – 3200
  • Belichtung: 20 Sekunden
  • Fernauslöser oder Selbstauslöser 2 Sekunden, um Verwackler beim Auslösen zu vermeiden

Alle Bilder habe ich im RAW-Format fotografiert. Sie kamen tendenziell zu dunkel aus der Kamera. Das RAW-Format enthält die „rohen“ Daten der Kamera und aus diesen lassen sich viel mehr Bildinformationen gewinnen als aus einer JPG-Datei. Trotzdem solltest du schauen, dass die Bilder nicht zu dunkel raus kommen und am Besten das Histogramm checken.

Das RAW-Format verlangt immer auch eine Nachbearbeitung in einer Software. Hierfür ist der „Platzhirsch“ die Software Lightroom von Adobe. Weiter unten zeige ich dir die nötigen Bearbeitungsschritte in Lightroom.

Falls du dich nicht mit RAW beschäftigen willst, wäre es gut, wenn du dir die Möglichkeit schaffst, die gemachten Bilder vernünftig beurteilen zu können, also zum Beispiel deinen Laptop mit dabei hast.

Der beste Ort und die beste Zeit für die Milchstrassen-Fotografie

Du solltest möglichst um Neumond herum gehen, weil ein heller Mond die Lichtstrasse verschwinden lässt. Hilfreich ist hier eine App. Ich nutze eine App namens „Mond“ für mein iPhone. Du findest bei der Suche im Appstore oder Im Google Playstore aber unter dem Suchwort „Mondphase“ sehr vieles.

Ebenso bewirken die Lichter einer nahen Stadt, dass du die Lichtstrasse nicht mehr sehen wirst. Man spricht hier auch von Lichtverschmutzung. Du solltest dich also möglichst weit weg von Städten und idealerweise möglichst hoch auf einem Berg befinden. Hier ist die Karte unter lightpollutionmap.info hilfreich. In den grün markierten Gegenden solltest du die Lichtsrasse sehen können.

Du siehts am ersten Foto oben einen gelben Rand am Horizont. Das sind die Lichter der umliegenden Gemeinden. Das menschliche Auge nimmt diese gar nicht so sehr wahr. Durch die Langzeitbelichtung werden diese quasi verstärkt.

Hilfreich ist auch eine App, um die Position der Milchstrasse heraus zu finden. Nicht zur jeden Jahreszeit steht diese schön am Himmel. Ich nutze Sky Guide (Android Link hier). 

Mit dem Ort vertraut machen

Profis wie Stephan Wiesner kommen bereits bei Tag und sehen sich den Ort an und überlegen sich bereits Kameraposition und Einstellungen.

Ich kam erst relativ spät am Abend auf dem Feldberg an und es wurde bereits dunkel. Speziell beim Feldberg sei dazugesagt, dass ich ursprünglich aus einer Nachbargemeinde komme und mich dort einigermassen auskenne. Generell finde ich es auch sinnvoll, sich vorher mit den Gegebenheiten vor Ort auseinanderzusetzen. Wo es Berge gibt, gibt es auch Täler und möglicherweise Abgründe, die eine Gefahr für dich und deine Sicherheit darstellen können. Eine Stirnlampe ist ebenfalls unerlässlich. Nimm eine, die auch ein Rotlicht mit an Bord hat. Nach dem Ausschalten des Rotlichts müssen sich deine Augen nicht erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen.

Gedanken zur Bildkomposition machen

Wenn du Elemente im Vordergrund mit auf dem Foto haben willst, ist es möglicherweise schwierig, diese scharf zu bekommen, wenn du bei offener Blende auf unendlich fokussierst. Das liegt an der „Hyperfokalen Entfernung“ oder auch „Hyperfokalen Distanz“, für die sich viele unglaublich kompliziert klingende Erklärungen finden. Vereinfacht kann man sich aber merken: Je weiter die Blende geöffnet ist, umso kleiner ist der Bereich, der scharf abgebildet ist. Aus diesem Grund öffnet man bei Portraits ebenfalls die Blende. Dadurch wird die Person vor dem Hintergrund freigestellt, da dieser nur noch sehr unscharf abgebildet wird. Das bezeichnet man als Bokeh.

Wenn du also eine kompliziertere Bildkombination mit Elementen im Vordergrund vor hast, kannst du auch schon einmal am Tage die Kameraposition checken und dann nachts zwei Bilder mit unterschiedlichen Einstellungen aufnehmen und diese dann mit Photoshop oder einem anderen Grafikprogramm kombinieren.

Bei diesem – nicht auf dem Feldberg aufgenommenen – Bild sieht man auch, dass das Zelt im Vordergrund etwas unscharf ist. Trotzdem ist es sehr stimmungsvoll geworden.

Lichtstrasse mit Zelt im Vordergrund
Lichtstrasse mit Zelt im Vordergrund – Fotografiert mit Sony Alpha 6000

Zusätzliches Equipment für die Milchstrassen-Fotografie

Neben dem Fotoequipment braucht es noch zusätzliches. Bewährt hat sich für mich folgendes:

  • Stirnlampe, die du auf rot schalten kannst. Das rote Licht reicht, um die Kameraeinstellungen zu überprüfen. Deine Augen müssen sich aber danach nicht wieder an die Dunkelheit gewöhnen.
  • Warme Kleidung. Im Sommer ist es unter Tags oft sehr heiss. In den Bergen kann es aber dann nachts schnell unerwartet kalt werden.
  • Sinnvoll ist eine App, um die Position der Milchstrasse zu bestimmen. Ich habe mir die App Sky Guide (Android Link hier) zugelegt. Sie blendet dir die Position von vielen Sternen ins Kamerabild ein. Sehr praktisch, aber leider nicht kostenlos.
  • Eventuell ein Laptop, um das Ergebnis besser beurteilen zu können.

Nachbearbeitung der Milchstassen-Fotos

Die Bilder kamen bei mir eher zu dunkel raus. Ich habe aber bewusst eher eine tiefere ISO gewählt, um zu vermeiden, dass die Bilder sehr verrauschen.

Die typischen Nachbearbeitungsschritte waren bei mir…

Belichtung anpassen

Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei falsch belichteten Bildern erst einmal die Belichtung anzupassen. Speziell beim Aufhellen kann sich zusätzliches Bildrauschen ergeben, was dann nachträglich korrigiert werden muss. Die übrigen Grundeinstellungen mache ich dann aber meist am Schluss.

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Milchstrasse fotografieren: In Lightroom die Grundeinstellungen des Bildes anpassen

Bildausschnitt anpassen

Nachts ist es dunkel und natürlich sieht man auch wenig. Daher ist oft der Horizont krumm und liegt auch nicht auf einem Drittel. Du kannst das mit dem Werkzeug ganz oben anpassen.

lightroom-bildausschnitt-anpassen-milchstrasse-fotografieren
In Lightroom den Bildausschnitt anpassen

Spuren von Flugzeugen (Satelliten?) entfernen

Fast auf jedem meiner Bilder befinden sich aufgrund der Langzeitbelichtung Spuren von Flugzeugen oder möglicherweise von Satelliten. Diese stören den Bildeindruck, lassen sich mit dem Bereichsreparaturwerkzeug von Lightroom aber ganz gut entfernen. Auch das findest du ganz oben direkt neben dem Bildausschnitt.

Dazu wählst du eine Werkzeuggrösse, die etwas grösser als die Spur ist und fährst über die Spur.

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Milchstrasse fotografieren: In Lightroom Spuren mit dem Bereichsreparaturwerkzeug entfernen

Objektivkorrektur

Kontrolliere in der Rubrik „Objektivkorrekturen in Lightroom, ob das richtige Objektiv erkannt wurde (Samyang wird generell nicht erkannt) und setzte auch die beiden Haken bei „Chromatische Aberrationen entfernen“ und „Profilkorrektur aktivieren“. Dadurch verbessert sich die Bildqualität noch etwas.

lightroom-objektivkorrektur
Lightroom: Objektivkorrektur

Schärfe anpassen

In der Rubrik „Details“ kannst du die Schärfe anpassen. Die Bilder der Milchstrasse vertragen häufig leichtes überschärfen. Hier entscheidet dein Geschmack. Mehr zum Thema findest du im Artikel Rauschreduzierung und Schärfen in Lightroom [Tutorial].

lightroom-schaerfen
Milchstrasse fotografieren: Bilder in Lightroom schärfen

Die übrigen Grundeinstellungen des Bildes anpassen

Nun kannst du noch in Lightroom die übrigen Grundeinstellungen nach deinem Geschmack anpassen. Diese findest du oben bei den „Grundeinstellungen“.

Es ist ein bisschen Sache der eigenen „Lightroom-Philosophie“. Einige ändern die Grundeinstellungen zuerst. Ich erziele bessere Ergebnisse, wenn ich das am Ende mache. Nur die Belichtung passe ich bei falsch belichteten Fotos zuerst an, da sich dadurch zusätzlich rauschende Elemente im Bild ergeben können.

 

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