Milchstrasse fotografieren | Tipps

milchstrasseDie Milchstrasse fasziniert uns Menschen immer wieder. Ich weiss noch, wie ich auf einer Fernwanderung nachts mal ein dringendes Bedürfnis spürte und aus dem Zelt musste. Ich war relativ hoch in den Schweizer Bergen. Die Milchstrasse spannte sich quer über den Sternenhimmel. Vor lauter Staunen vergass ich fast mein Bedürfnis und zunächst auch die Milchstrasse zu fotografieren.

Milchstrasse fotografieren

Schon damals habe ich einige Fotos gemacht. Ich musste aber lange probieren und war dann mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden.

Dieses Jahr machte ich mich konkret auf, um die Milchstrasse zu fotografieren. Dabei war es für mich wichtig festzustellen, ob das auch ohne übertriebene Anforderungen an das Equipment geht.

Entstanden sind zum Beispiel diese zwei Bilder, mit denen ich dann doch schon sehr zufrieden bin.

Nachtaufnahme: Milchstrasse auf dem Feldberg
Nachtaufnahme: Milchstrasse auf dem Feldberg
Milchstrasse fotografieren / Feldberg
Nachtaufnahme: Milchstrasse auf dem Feldberg / Feldbergturm im Vordergrund

Anforderungen an die Kamera

Deine Kamera muss Langzeitbelichtungen können. Mit dem Smartphone wirst du hier also (noch?) nicht weiterkommen. Ideal ist ein Zeit von 20 Sekunden. 25 Sekunden geht unter Umständen auch noch. Belichtet man länger, ziehen die Sterne aufgrund der Erdrotation deutlich sichtbare Streifen. Es gibt spezielle Geräte, die das ausgleichen, aber die Anschaffung kam für mich nicht in Frage.


Meine Empfehlungen für meine Leser:


Deine Kamera muss ausserdem die Möglichkeit bieten, den Focus manuell einstellen zu können, da nachts der Autofokus nicht mehr funktionieren wird.

Dein Objektiv deiner Kamera sollte weitwinklig und lichtstark sein. Zudem brauchst du noch ein Stativ oder zur Not etwas, wo du die Kamera drauf legen kannst.

Mein Foto-Equipment für das Milchstrasse fotografieren

Ich hatte das folgende Foto-Equipment im Einsatz:

Du kannst hier aber auch noch etwas sparen: Einen Fernauslöser brauchst du nur, damit die unvermeidliche Bewegung der Kamera beim Auslösen die Langzeitbelichtung nicht verwackelt. Den gleichen Zweck erreichst du, wenn du den Selbstauslöser auf zwei Sekunden stellen.

Die Kamera kannst du auch irgendwo auflegen. Aber bedenke: Am Tag geht das ganz gut. Hier kann man oft mit einem Stein oder einem Stock für den richtigen Winkel sorgen. Allerdings findet man nachts die passenden Steine oder Stöckchen schwer, weshalb ich da schon ein Stativ empfehle. Gute Erfahrungen habe ich da auch schon mit dem GorillaPod von Jobby gemacht, was deutlich günstige ist als das Stativ von Rollei. Hier empfehle ich dir aber auch die Variante mit etwas mehr Tragkraft. Auch wenn die Sony mit dem Samyang Objektiv relativ leicht ist, kannst du bei den stabileren Varianten die Sony auch mal mit einem schwereren Objektiv verwenden.

Die richtigen Kamera-Einstellungen für die Milchstrasse

Gute Ergebnisse habe ich mit den folgenden Einstellungen erzielt:

  • Modus M
  • Blende: 2.2
  • Entfernung: Ganz kurz vor Unendlich
  • ISO 1600 – 3200
  • Belichtung: 20 Sekunden
  • Fernauslöser oder Selbstauslöser 2 Sekunden, um Verwackler beim Auslösen zu vermeiden

Alle Bilder habe ich im RAW-Format geschossen und sie kamen tendenziell zu dunkel aus der Kamera. Das RAW-Format enthält die „rohen“ Daten der Kamera und aus diesen lassen sich viel mehr Bildinformationen gewinnen als aus einer JPG-Datei.

Das RAW-Format verlangt aber praktisch immer auch eine Nachbearbeitung in einer Software. Hierfür ist der Platzhirsch die Software Lightroom von Adobe. Weiter unten zeige ich dir die nötigen Bearbeitungsschritte in Lightroom.

Falls du dich nicht mit RAW beschäftigen willst, wäre es gut, wenn du dir die Möglichkeit schaffst, die gemachten Bilder vernünftig beurteilen zu können, also zum Beispiel deinen Laptop mit dabei hast.

Vorbereitung / Anforderungen an den Fotografieplatz

Du solltest möglichst um Neumond herum gehen, weil ein heller Mond die Lichtstrasse verschwinden lässt. Ebenso bewirken die Lichter einer nahen Stadt, dass du die Lichtstrasse nicht mehr sehen wirst Man spricht hier auch von Lichtverschmutzung. Du solltest dich also möglichst weit weg von Städten und idealerweise möglichst hoch auf einem Berg befinden.

Du siehts am ersten Foto oben einen gelben Rand am Horizont. Das sind die Lichter der umliegenden Gemeinden. Das menschliche Auge nimmt diese gar nicht so sehr wahr. Bei der Langzeitbelichtung werden diese quasi verstärkt.

Profis wie Stephan Wiesner kommen bereits bei Tag und sehen sich den Ort an und überlegen sich bereits Kameraposition und Einstellungen.

Ich kam erst relativ spät am Abend auf dem Feldberg an und es wurde bereits dunkel. Speziell beim Feldberg muss ich allerdings sagen, dass ich ursprünglich aus einer Nachbargemeinde komme und mich dort einigermassen auskenne. Generell finde ich es auch sinnvoll, sich vorher mit den Gegebenheiten vor Ort. Wo es Berge gibt, gibt es auch Täler und möglicherweise Abgründe, die eine Gefahr für dich und deine Sicherheit darstellen können. Eine Stirnlampe ist ebenfalls unerlässlich.

Wenn du Elemente im Vordergrund drauf haben willst, ist es möglicherweise schwierig, diese scharf zu bekommen, wenn du bei offener Blende auf unendlich fokussierst. Das liegt an der „Hyperfokale Entfernung“ oder auch „Hyperfokale Distanz“, für die sich viele unglaublich kompliziert klingende Erklärungen finden. Vereinfacht kann man sich aber merken, je weiter die Blende geöffnet ist, umso kleiner ist der Bereich, der scharf abgebildet ist. Aaus diesem Grund öffnet man bei Portraits ebenfalls die Blende. Dadurch wird die Person vor dem Hintergrund freigestellt, da dieser nur noch sehr unscharf abgebildet wird. Das bezeichnet man als Bokeh.

Wenn du also eine kompliziertere Bildkombination mit Elementen im Vordergrund vor hast, kannst du auch schon einmal am Tage die Kameraposition checken und dann nachts zwei Bilder mit unterschiedlichen Einstellungen aufnehmen und diese dann mit Photoshop oder einem anderen Grafikprogramm kombinieren. Ich kann das nicht, daher war das für mich kein Thema.

Bei diesem – nicht auf dem Feldberg aufgenommenen – Bild sieht man auch, dass das Zelt im Vordergrund etwas unscharf ist. Trotzdem ist es sehr stimmungsvoll geworden.

Lichtstrasse mit Zelt im Vordergrund
Lichtstrasse mit Zelt im Vordergrund – Fotografiert mit Sony Alpha 6000

Neben dem Fotoequipment braucht es noch zusätzliches. Bewährt hat sich für mich folgendes:

  • Stirnlampe, die du auf rot schalten kannst. Das rote Licht reicht, um die Kameraeinstellungen zu überprüfen. Deine Augen müssen sich aber danach nicht wieder an die Dunkelheit gewöhnen.
  • Warme Kleidung. Im Sommer ist es unter Tags oft sehr heiss. In den Bergen kann es aber dann nachts unerwartet kalt werden.
  • Sinnvoll ist eine App, um die Position der Milchstrasse zu bestimmen. Ich habe mir die App Sky Guide (Android Link hier) zugelegt. Sie blendet dir die Position von vielen Sternen ins Kamerabild ein. Sehr praktisch, aber leider nicht kostenlos.
  • Eventuell ein Laptop, um das Ergebnis besser beurteilen zu können.

Nachbearbeitung

Die Bilder kamen bei mir eher zu dunkel raus. Ich habe aber bewusst eher eine tiefere ISO gewählt, um zu vermeiden, dass die Bilder sehr verrauschen.

Die tyischen Nachbearbeitungsschritte waren bei mir…

Belichtung anpassen

Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei falsch belichteten Bildern erst einmal die Belichtung anzupassen. Speziell beim Aufhellen kann sich zusätzliches Bildrauschen ergeben, was dann nachträglich korrigiert werden muss. Die übrigen Grundeinstellungen mache ich dann aber meist am Schluss.

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Milchstrasse fotografieren: In Lightroom die Grundeinstellungen des Bildes anpassen

Bildausschnitt anpassen

Nachts ist es dunkel und natürlich sieht man auch wenig. Daher ist oft der Horizont krumm und liegt auch nicht auf einem Drittel. Du kannst das mit dem Werkzeug ganz oben anpassen.

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In Lightroom den Bildausschnitt anpassen

Spuren von Flugzeugen (Satelliten?) entfernen

Fast auf jedem meiner Bilder befinden sich aufgrund der Langzeitbelichtung Spuren von Flugzeugen oder möglicherweise von Satelliten. Diese stören den Bildeindruck, lassen sich mit dem Bereichsreparaturwerkzeug von Lightroom aber ganz gut entfernen. Auch das findest du ganz oben direkt neben dem Bildausschnitt.

Dazu wählst du eine Werkzeuggrösse, die die Spur etwas überlappt und fährst über die Spur.

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Milchstrasse fotografieren: In Lightroom Spuren mit dem Bereichsreparaturwerkzeug entfernen

Objektivkorrektur

Kontrolliere in der Rubrik „Objektivkorrekturen in Lightroom, ob das richtige Objektiv erkannt wurde (Samyang wird generell nicht erkannt) und setzte auch die beiden Haken bei „Chromatische Abberrationen entfernen“ und „Profilkorrektur aktivieren“. Dadurch verbessert sich die Bildqualität noch etwas.

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Lightroom: Objektivkorrektur

Schärfe anpassen

In der Rubrik „Details“ kannst du die Schärfe anpassen. Die Bilder der Milchstrasse vertragen häufig etwas überschärfen. Hier entscheidet dein Geschmack. Mehr zum Thema findest du im Artikel Rauschreduzierung und Schärfen in Lightroom [Tutorial].

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Milchstrasse fotografieren: Bilder in Lightroom schärfen

Die übrigen Grundeinstellungen des Bildes anpassen

Nun kannst du noch in Lightroom die übrigen Grundeinstellungen nach deinem Geschmack anpassen. Diese findest du oben bei den „Grundeinstellungen“.

Es ist ein bisschen Sache der eigenen „Lightroom-Philosophie“. Einige ändern die Grundeinstellungen zuerst. Ich erziele bessere Ergebnisse, wenn ich das am Ende mache. Nur die Belichtung passe ich bei falsch belichteten Fotos zuerst an, da sich dadurch zusätzlich rauschende Elemente im Bild ergeben können.

Noch Fragen? Gerne in die Kommentare.

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