Angetestet | Motorrad Navi-App calimoto


Mein Motorrad-Navi Garmin zumo ist kaputt. Eigentlich nur die Halterung. Aber auch die kostet eine ganze Stange Geld. Und ich und das Navi haben uns eh nie so richtig verstanden. Mich nervte es mehr, als dass es mir nutzte.

Grund genug, mich mal nach einer Alternative umzusehen. Wieso nicht das  Smartphone als Navi nehmen? Beim Auto mache ich das doch auch? Na ja, professionelle Motorrad-Navis sind wasserdicht. Mein iPhone SE nicht. Und dann ist da noch die Ablesbarkeit bei Sonnenschein.

Für das erste Problem gibt es entsprechende Taschen, zum Beispiel diese hier:


Ich hatte noch eine nicht so praktische von Hein Gericke zu Hause und habe mir eine ganz primitive Halterung für meine V-Strom 1000 gebastelt:

Welche App?

Soweit so gut. Als Navi-App verwende ich auf dem Handy Google Maps oder auch CoPilot. Aber halt, es gibt doch auch Motorrad Navi-Apps? Die immer die interessanteste Strecke finden? Grund genug, doch mal eine auszuprobieren: Meine Wahl fiel auf calimoto.

calimoto

Calimoto gibt es für iOS (iPhone) und Android, ist schnell gefunden und schnell installiert. Eine Registrierung habe ich gleich mal ausgeführt und ist ebenso rasch erledigt.

Nach der Installation kann man eine Gratis-Karte herunterladen. In Deutschland ist das ein Bundesland, in der Schweiz war es bei mir zum Beispiel Nordwestschweiz. Mehr ist nicht dabei. Eigentlich OK, denn die Entwicklung von Software kostet viel Zeit und Geld und damit soll auch jemand Geld verdienen dürfen. Ich persönlich finde die Preispolitik aber nicht wirklich toll: Man kann ein Abo kaufen oder ein Kartenpaket. Beim Kartenpaket sind aber keine extra Funktionen wie Gefahrenstellen und Live-Wetterdaten (erst noch in Entwicklung) mit enthalten.

Immerhin gibt es ein Wochenabo, was aber auch mit CHF 4.50 zu Buche schlägt. Das Jahresabo kostet CHF 59.00 und das Navigationspaket mit lebenslangen Karten ist für CHF 90.00 erhältlich. Da ich im Moment sehr selten fahre, finde ich den Preis für das Jahresabo als sehr hoch. Also bin ich erstmal mit dem Wochenabo losgefahren, da mein erstes Ziel natürlich außerhalb der Gratiskarte lag.

calimoto im ersten Einsatz

Die Oberfläche ist sehr simpel gehalten und die meisten Funktionen sind rechts schnell klar.

Die drei Menüpunkte lassen nicht viel Fragen zu. Nur die Möglichkeit ein Abo abzuschließen habe ich lange gesucht und erst per Google herausgefunden.

Tatsächlich muss man das Menü öffnen und oben nach rechts wischen, um in die Profileinstellungen zu gelangen. Naja.

Aber nun geht es los. „Navigation“ gewählt, für „Start“ „Aktueller Standort“ gewählt und das Ziel eingegeben.

Nanu? Die App funktioniert nur im Hochformat? Tatsächlich ist das wohl noch ein Problem der iOS-Version der App, ist aber wohl auf der Liste der Entwickler, zumindest was meine Internet-Recherchen ergaben.

Zum Glück passte mein Handy knapp hochkant in die Tasche. Es ist etwas fummelig und ich habe mehrmals beim Einpacken versehentlich den Ton abgeschaltet, was aber durch ein entsprechendes Lautsprechersymbol klar angezeigt wird. Mit der Halterung oben wäre das aber sicher nichts geworden.

Endlich geht es los. Die Anzeige ist klar und zunächst gut erkennbar. Den Ton höre ich klar und deutlich via Bluetooth-Kopfhörer. Nach wenigen Metern wird das Display aber dunkel. Hier spielte mir die Auto-Helligkeit einen Streich. Also Handy wieder rausgefummelt und „Einstellungen“ > „Allgemein“ > „Bedienungshilfen“ > „Display-Anpassungen“ auf Aus gestellt und unter „Einstellungen“ > „Anzeige & Helligkeit“ die Helligkeit voll aufgedreht.

Das kostet natürlich Akku, aber ich konnte das Handy gut über den Zigarettenanzünder der V-Strom mit Strom versorgen.

Jetzt geht es endlich los. Und ich bin begeistert. Allerdings kannte ich die abgefahrene Gegend nicht. Nur mit dem Auto bin ich ein paar Mal via Autobahn durchgefahren und von dort sah Sie sehr langweilig aus. calimoto findet tatsächlich jede Menge Kurven, auch wenn ich einige Male den Eindruck hatte, ich werde für fünf Kurven auf eine Nebenstrecke „gejagt“. Eilig darf man es nicht haben. Derzeit kennt calimoto nur einen Routing-Modus, weitere, für wenns mal wieder schneller gehen muss, sollen aber folgen.

Die Ansagen kommen rechtzeitig und durch die großen Navigationssymbole weiß man sehr schnell, was gerade „Sache“ ist. Ein paar kleine Patzer leistet sie sich calimoto allerdings: Gelegentlich soll man „leicht rechts“ oder „leicht links“ abbiegen, obwohl die Kreuzung praktisch einen 90 Grad Winkel hat. Vor einem Kreisverkehr zeigt mir das Symbol die 1. Abfahrt als nach 90 Grad an. Bei diesem Kreisverkehr kam die Abfahrt aber erst nach 180 Grad. Aber wie bei allen Navis kann man natürlich das Hirn nicht beim Fahren abschalten.

Und das Routing macht sehr viel Spaß. Ich habe die App dann auch noch in meinem mir bekannten Gebiet getestet und auch da hat es die Strassen gefunden, die ich mir auch ausgesucht hätte.

Update:

Ich habe calimoto nochmal in einem mir unbekannten Gebiet getestet (Pfälzer Wald). Die App hat mich voll auf eine für Motorrad gesperrte Route geschickt und die Umfahrung fehlte gänzlich auf der Karte. Nicht gut.

Fazit calimoto

Eine sehr schöne App mit einem guten Routing-Algorithmus mit einem recht hohen Preis.

Vorteile calimoto

  • Überwiegend einfach zu bedienen
  • Findet tolle Strecken und bietet somit Fun
  • Gute Ablesbarkeit (bei aufgedrehter Helligkeit)
  • Während des Navigierens stabiles Verhalten

Nachteile calimoto

  • Hoher Preis
  • Kein Querformat unter iOS
  • Zumindest unter iOS zeigt die App nach dem Starten manchmal einen schwarzen Bildschirm. Nach dem Neustart funktioniert es wieder.
  • Nur ein Routingprofil (wenn es aber mal schnell gehen soll, kann man ja in eine andere App wechseln)
  • Kennt für Motorrad gesperrte Routen nicht
  • Schwächen bei der Karte

Ich habe die App nur kurz getestet. Ich werde sie sicherlich das ein oder andere Mal wieder nutzen. Im Moment werde ich aber wohl eher beim Wochen-Abo bleiben.


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Herzlichen Dank.


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