Rauschreduzierung und Schärfen in Lightroom [Tutorial]

lars-schlageter-autor
Hallo, hier schreibt Lars. Informatiker. Outdoor-Fan. Reisender. Ambitionierter Hobbyfotograf. Meist unterwegs mit Zelt oder Minicamper. Mehr über mich erfährst du hier: Über mich. Danke für deinen Besuch!

rauschreduzierung_schaerfen_lightroomSchon gefühlt mein ganzes Leben knipse ich. Seit 2014 fotografiere ich ambitionierter und bearbeite mit Lightroom meine Bilder nach. Eigentlich komme ich mit der Software ganz gut klar. Nur mit dem Thema Rauschreduzierung und Schärfen hatte ich lange Probleme. Du auch? In diesem Artikel erkläre ich dir, was du tun musst, um damit klar zu kommen.

Ich habe zahlreiche Anleitungen studiert und verschiedenes ausprobiert und skizziere hier mal einen Workflow, der für mich passt.

Funktion DRO auf Sony Kamera ausschalten

Vorneweg, speziell für die Sony-Besitzer: Es gibt eine Kamera-Einstellung, mit der die Kamera selbständig versucht, dunklere Bildbereiche quasi mit höherem ISO zu verarbeiten. Nennt sich DRO. Stell das auf jeden Fall ab. Ist zumindest meine Empfehlung. Ich hatte in zu dunkel aufgenommenen Bildern so hohes Bildrauschen in den dunklen Bereichen, dass ich nicht mehr wie gewohnt die Helligkeit in Lightroom verändern konnte. DRO ist eine der wenigen Einstellungen, die sich tatsächlich auch auf das RAW auswirken, nicht nur auf das JPG. Und ja, ich fotografiere in RAW und das ganze wird so auch nur mit RAW-Bildern und der Bildbearbeitung Lightroom funktionieren.

Wie entsteht eigentlich Bild-Rauschen?

Aufklärung bringt hier der Wikipedia-Artikel. Rauschen kann danach durch zufällige Verteilung des Lichts auf die Pixel des Kamerasensors und Schwankungen in deren Lichtempflindlichkeit  entstehen.

Ein kleinerer Sensor rauscht in der Regel mehr, wie ein grösserer, da beim kleineren ein einzelner Pixel weniger Photonen aufnehmen kann. Es gibt das Farbrauschen, dass durch unabhängige Zufallssignale in den Farbkanälen entsteht und das Luminanzrauschen, bei dem “nur” die Helligkeit von Flächen rauscht.

Eine Erhöhung der ISO verstärkt die Signale des Aufnahmesensors, wodurch die Störungen und damit das Rauschen erhöht werden.

Oft nicht so schlimm, wie du denkst

Die Technik stellt uns hier gerne ein Bein. In der 1:1-Ansicht, in der jedes Bildpixel auf dem Monitor ein Pixel auf dem Foto darstellt, wirkt oft das beste Bild nicht besonders. Man sieht einfach zu viel. Beurteile dein Bild unbedingt auch in der Gesamt-Ansicht und versteif dich nicht zu sehr in Details. Vor allem, wenn du deine Bilder fürs Web machst und nicht riesige Ausdrucke planst, macht ein bisschen Rauschen oft nichts.

lightroom-verrauschtes-bild
Ein Bild in Lightroom mit Bildrauschen. Hier stört mich aber höchstens die Vignette.

Schritt 1: Verwende einen so geringen ISO-Wert wie möglich

Hier nun also mein 6 Punkte Plan.

Hohes ISO = Hohes Rauschen. Also runter mit der ISO, damit das Ausgangsmaterial nicht rauscht. Blöderweise steigt mit dem Erhöhen der Belichtungszeit das Rauschen auch etwas an, aber nicht ganz so drastisch.

Schritt 2: Nimm das Bild schon mit der richtigen Helligkeit auf

In Lightroom kann man die Belichtung von RAW-Bildern nachträglich sehr gut ändern. Nur nimmt damit das Rauschen oft sehr stark zu. Versuche daher, am Besten mit Hilfe des Histogrammes, das Bild gleich mit der richtigen Belichtung aufzunehmen.

Beachte hierzu auch: Das Histogramm in der Fotografie verstehen

Schritt 3: Belichtung, falls nötig, korrigieren

Stelle in der Bearbeitung in Lightroom unbedingt, falls nötig, erst einmal die richtige Belichtung in Lightroom ein. Wenn du nachträglich daran rumfummelst, dann kann es wieder an manchen Stellen rauschen.

Schritt 4: Wo ist die Bildinformation, die entrauscht und geschärft werden muss?

Klingt blöd, ist mir aber am Anfang oft passiert. Ich habe mich viel zu sehr auf ein Element im Bild konzentriert. Zum Beispiel bei dem Bild hier.

Lightroom Entrauschen und Schärfen – hier gibt es Details nur rechts

Bei dem Bild habe ich mich beim ersten Versuch doch tatsächlich an den Bereich links gemacht. Dort versinkt aber eh alles im Nebel. Ergebnis war ein total matschiges Bild. Also: Da wo es Details hat, das Augenmerk bei Entrauschen und Schärfen legen. Oder gleich einfach nur das Gesamtbild beurteilen.

Schritt 5: Entrauschen

Luminanzrauschen (helle und dunkle Punkte auf einer Fläche, die eigentlich einheitlich sein sollten)

  • Regler Luminanz: Erhöhen reduziert das Rauschen. Die Schärfe geht aber auch verloren (ausprobieren!). Werte unter 25 sind hier immer OK. Werte darüber in maximal Schritten von 10 ausprobieren.
  • Regler Details: Versucht Details trotzdem wieder herauszuarbeiten und die Schärfe zu erhöhen.  Ausprobieren ist angesagt. Kann man oft auch auf Standard lassen.
  • Regler Kontrast: Kontrast erhöhen, der durch den Luminanzregler verloren gegangen ist. Die Idee ist, auf glatten Flächen das Rauschen zu entfernen und mit Kontrast die Schärfe an den Kanten wiederherzustellen.  Ausprobieren ist angesagt. Kann  man oft auch auf Standard lassen. 
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Farbrauschen (also farbige Punkte auf einer Fläche, die eigentlich einfarbig sein sollte)

  • Regler Farbe: Hoher Wert reduziert Farbrauschen. Ein Wert von 25 bringt hier oft ein gutes Ergebnis. Maximal in Werten von 10 erhöhen und auch den Gesamteindruck des Bildes kontrollieren. Im Zweifel mal ein Testbild exportieren und beurteilen.
farbrauschen-farbe-0
Farbrauschen – Regler Farbrauschen steht auf 0
farbe-100
Lightroom – Farbregler steht auf 100
  • Regler Details: Geht man mit ihm ins Plus, dann versucht Lightroom Details, die durch das Entfernen des Farbrauschens verloren gingen, wieder herzustellen. Oft kommt dann das Farbrauschen wieder mit rein. Ausprobieren ist angesagt. Oft ist 50 ein guter Wert.
  • Regler Glättung: Wirkt den Details entgegen. Versucht das Rauschen noch etwas sauberer zu machen. Details gehen aber wieder verloren. Ausprobieren ist angesagt. Oft ist 50 ein guter Wert.

Schritt 6: Schärfen

Behalte im Hinterkopf: Schärfen bedeutet lokale Kontrast an Grenzbereichen im Bild zu erhöhen.

Ich probiere immer erst einmal die Vorgaben von Lightroom. Oft wird es nicht signifikant besser, wenn man hier herumstellt.

lightroom-vorgabe-schaerfen

Schärfen – Gesichter

Betrag: 35
Radius: 1.4
Details: 15
Maskieren: 60

Schärfen – Landschaft

Betrag: 40
Radius: 0.8
Details: 35
Maskieren: 0

Manuelle Einstellung

Falls es mit den Lightroom-Vorgaben nicht passt, hier Infos zur manuellen Einstellung.

  • Regler Betrag: Schärfe festlegen (Faustformel 100-Luminanz wird oft genannt, ist mir aber meist zu viel)
  • Regler Radius: Legt Umkreis fest, in dem der lokale Kontrast um ein Pixel herum verstärkt werden soll. Feine Strukturen wie zum Beispiel Äste, benötigen einen geringeren Radius.
radius-0
Ast – Stark vergrössert – bei Radius 0
radius-100
Ast – Stark vergrössert – bei Radius 100 – unschöne Ränder
  • Regler Details: Festlegen, wie stark im Bild nach Strukturen gesucht werden soll.
  • Maskieren: Mit der ALT-Taste drücken. Legt Bildbereiche fest, die geschärft werden. Diese sind in der Maske weiss. Der schwarze Teil wird nicht geschärft. Denke hier daran, dass vor allem Kanten in deinem Bild zu schärfen sind. Elemente wie Himmel oder Wasser sind hier in der Regel nicht zu schärfen.Gerade das Maskieren habe ich häufig vergessen, wodurch das Bildrauschen in den Flächen ebenfalls geschärft und damit verstärkt wurde.

Auch bei der Ausgabe des Bildes kann geschärft werden. Oftmals ist das bei meinen Bildern dann aber zu viel. Ich lasse das inzwischen weg. Beachte, dass wenn du die Bildgrösse bei der Ausgabe herunter rechnen lässt, es trotz optimal eingestellten Werten zu Farbsäumen an den Kanten von Elementen kommen kann.

lightroom-schaerfen-bildausgabe
Lightroom: Nochmal Schärfen bei der Bildausgabe lieber vermeiden

Fazit

Es fällt auf, dass die meisten Quellen ein stärkeres Schärfen empfehlen, als Lightroom selber mit seinen Vorgaben macht. Mir persönlich liegt das dezentere Schärfen besser.

 

 

 

 

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