Reisebericht Wohnmobil | Kanada / Alaska / Yukon | Teil 1

lars-schlageter-autor Hallo, hier schreibt Lars. Informatiker. Outdoor-Fan. Reisender. Ambitionierter Hobbyfotograf. Meist unterwegs mit Zelt oder Minicamper. Mehr über mich erfährst du hier: Über mich. Danke für deinen Besuch!

kanada-alaska-teil1Eine Rundreise durch Kanada und Alaska. Alleine. Mit dem Wohnmobil. Ein Traum wird wahr. In Whitehorse in Kanada werde ich mein Wohnmobil abholen und von dort auf dem Landweg in die USA, genauer Alaska, einreisen. Noch habe ich nur eine sehr wage Vorstellung, was mich da erwarten wird. Ob mit dem Flug alles klappt? Wie werde ich, als smart-Fahrer, mit dem für mich riesigen Camper klar kommen? Begleite mich auf diesem wunderbaren Roadtrip. In Folge 1 geht erst einmal nach Whitehorse, wo mein Camper auf mich wartet…

Hier geht es zum Teil 2.

Reisefieber – es geht los…

Tag 1, Sa 29.08.2015 

Kanada / Alaska - es geht los
Es geht los…

Der erste Schritt nach Yukon Kanada ist für mich erst einmal der Postbus nach Frick. Von dort geht es weiter mit dem Zug zum Hauptbahnhof Zürich. Geplant ist die Weiterfahrt mit (deutschem) Postbus nach Frankfurt. Seltsame Leute sind hier in Zürich und der Postbus kommt und kommt nicht. Pubertierende Jugendliche. Die Jungs benehmen sich wie die Gockel, die Mädels wie die Hühner. Später erfahre ich, es ist Streetparade. Nichts für mich. Und darum hat der Bus sich auch verspätet. Der Drogenhund hat bei der Einreise in die Schweiz an der Grenze angeschlagen und dann war erst einmal große Kontrolle angesagt. Da war jemand ja wirklich clever. Tja, die Jugend von heute mal wieder…

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Video-Link: https://youtube.com/watch?v=2xjzw0zBElE

 

Lange Anreise nach Kanada

Verspätet verlassen wir Zürich. Der Fahrer musste seine minimale Ruhepause einhalten, so dass wir keine Zeit aufholen konnten. Ein ausgeruhter Fahrer ist mir aber auch lieber, zumal mein Flieger erst morgen geht. Inzwischen ist es sehr heiss geworden, aber die Klima im Bus schafft es immerhin auf gut erträgliche 23 Grad.

Zwischenstop Frankfurt

Natürlich ist es nicht wirklich clever, erst einmal lange nach Frankfurt zu fahren, dort zu übernachten und dann am nächsten Tag zu fliegen. Als ich buchte, war jedoch dieser Lokführerstreik in Deutschland. Die waren gerade in der Phase, bei der man dachte, die hören nie wieder auf. Und der Anschlussflug von Zürich nach Frankfurt war viel teurer als der Bus zusammen mit dem Hotel.

Frankfurt nervt

Schön, dass der Bus endlich in Frankfurt einläuft. Ich bin erschöpft. Viel zu viel Leute hier. Die Grossstadt nervt. ÖV klappt gut, ich habe mir zuvor die passende App heruntergeladen, so kann ich auch via Handy Tickets kaufen. Bei sowas macht das olle Smartphone richtig Sinn.

Kelsterbach

Etwas ruhiger und viel angenehmer geht es in dem Vorort Kelsterbach zu. Gleich zwei Leute stürzen sich förmlich auf mich und erklären mir den Weg zur Bushaltestelle. Die App hat hier eine unmögliche Verbindung per Bus über A nach C über B ausgespuckt. Nur ist die Strecke A nach B gerade eine Minute lang und indem ich sie laufe spare ich viel Zeit. Durch die Freundlichkeit der Leute hier und die inzwischen schon wieder nachlassenden Temperaturen steigt meine Laune wieder.

Zwischenstop im Hotel

Mein Hotel ist ziemlich gut. Ich erfahre, dass es auch einen Shuttle-Service gegeben hätte. Was soll’s, nutze ich ihn halt morgen. Den Abend lasse ich im Hotel-Biergarten bei einen Weizenbier ausklingen.

Ich bin mir bewusst, dass es die letzte Nacht für mindestens die nächsten drei Wochen ist, bei der ich mit T-Shirt und kurzer Hose draussen sitze.

Zwar höre ich Grillen, aber ansonsten sehe ich nur zwei Sterne und der Fluglärm dringt zu mir herüber. Irgendwo gröhlen ein paar Fussballanhänger. Habe ich schon gesagt, dass ich Grossstädte nicht mag?

Abflug

Tag 2, So 30.08.2015 

Natürlich habe ich nicht lange geschlafen. Es war einfach doch noch zu warm. Und ich wahrscheinlich zu aufgeregt. Reisefieber vor dem langen Flug nach Kanada.

Nach dem Frühstück nehme ich den Hotel-Shuttle. Das Einchecken und die Gepäckaufgabe klappt viel zügiger, wie ich es von Basel gewohnt bin. Blöd nur, dass ich ein Kilo zu viel habe. Das geht nicht. Ich nehme meine beiden Jeans raus und klemme sie mir unter den Arm. Bei der nächsten Gelegenheit kaufe ich eine Zeitschrift, damit ich eine Tüte bekomme, um da die Jeans reinzustopfen. Muss ich auf dem Rückweg ein zweites Gepäckstück aufgeben?

Ab in den Flieger

Die Maschine steht im Aussenbereich. Wir müssen den Bus nehmen. Dieser wartet eine gefühlt unerträglich lange Viertelstunde bei geschlossenen Türen. Die Lüftung läuft. Aber falls der Bus überhaupt eine Klimaanlage hat, hat diese aufgrund der unglaublichen Menge der Menschen, die hier eingepfercht sind, bereits ihren Dienst aufgegeben.

Als ich endlich im Flugzeug sitze, endet das Ölsardinenfeeling allerdings nicht. Genau so eng, wenn nicht noch enger wie im Bus. Naja selbst schuld, wenn man zu geizig ist die 199.- für Economy Plus auszugeben, oder?

Über Grönland

Aber der Sitz neben mir bleibt frei, so bekomme ich mehr Platz. Auf dem bordeigenen Entertainment-System lasse ich bei mir einen Film laufen und neben mir die GPS-Anzeige mit der Flugroute. Wir fliegen über Grönland. Gerade der Anflug auf die Küste im Gegenlicht ist herrlich. Man hat das Gefühl statt in fast 10000 m Höhe nur wenige 100 Meter hoch über dem Eis zu sein. Ich ertappe mich dabei nach Tierspuren zu suchen. Tatsächlich sieht man auch so etwas ähnliches. Wahrscheinlich sind es aber Schneeverwehungen oder Flüsse unter dem Eis. Alleine der Überflug entschädigt für den nervigen Anfang im Bus. Einige Kilometer hinter der Küste verschwindet die tolle Landschaft leider unter einen dichten Wolkendecke.

Anflug auf Grönland
Anflug auf Grönland – Reisebericht Kanada / Alaska

Whitehorse Yukon Kanada

Whitehorse ist eigentlich ein kleines Nest. Zumindest für eine Stadt mit einem internationalen Flughafen. Der Erik Nielsen Whitehorse International Airport entstand im Zweiten Weltkrieg. Whitehorse ist auch die Hauptstadt des Territoriums Yukon in Kanada. Fast alle Strassen sind streng quadratisch angelegt, von oben sieht es ein bisschen aus wie im Video-Spiel Sim-City. Immerhin findet man sich schnell zurück. Die 1st, die 2nd, die 3rd und so weiter sind alle brav nacheinander angeordnet, so dass man zumindest die richtige Strasse schnell findet. Die Querstrassen haben dafür dann wieder individuelle Namen, wie es bei uns so üblich ist.

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Sehenswürdigkeiten in Whitehorse

Whitehorse hat ein Wasserkraftwerk. Bevor es gebaut wurde, gab es hier am Yukon Stromschnellen, die wie die Mähnen weisser Pferde aussahen (White Horse Rapids). Daher der Name der Stadt.

Während des Goldrausch war Whitehorse ein wichtiger Versorgungsort. Von der Hafenstadt Skagway in Alaska ging es mit der Eisenbahn nach über den White Pass nach Whitehorse. Mit dem Flussdampfer gelangten Menschen und Waren dann über den Yukon in die Goldgräberregionen.

Whitehorse
Whitehorse in Kanada

Whitehorse hat ca. 27.000 Einwohner.

Einreise nach Kanada

Wir müssen lange am Zoll anstehen, was aber nicht an der Strenge der Kontrollen sondern an der Anzahl der Zöllner liegt. Gerade einmal zwei fertigen die Schlange ab. Einige meiner Mitflieger können kaum Englisch und halten das System ziemlich auf. Gefragt wird, wie lange man da ist, was man machen will und ob man Feuerwaffen oder Alkohol mit dabei hat.

Übernachten in Kanada

Nachdem ich den Zoll geschafft habe, ziehe ich mir erstmal ein paar kanadische Dollar und mache mich mit dem Taxi zum Historical House Bed and Breakfast auf. Die Vermieter Bernie und Pam wohnen zusammen mit zwei Hunden im Nachbarhaus. Das Bed and Breakfast ist für kanadische Verhältnisse sehr alt und hat auch den entsprechenden Charme. Wer, wie ich, auf alte Häuser steht, dem sei das Haus wärmstens empfohlen. Wer sich an ein paar lockeren Armaturen und nicht frisch geputzten Fenstern stört, der sollte eher woanders hin.

Historical House Bed and Breakfast
Das sehr gemütliche Historical Guest House B & B

Übrigens, ein kanadischer Dollar ist zur Zeit 0.67 Euro und ein US Dollar 0.76 Euro.

Bei Pam und Bernie gibt eine Küche für die Selbstversorgung und auch ein Holzofen, den man selber einheizen darf.

Unterwegs in Whitehorse
Unterwegs in Whitehorse – Kanada

Um den Jetlag möglichst schnell zu bekämpfen, spaziere ich nach der Begrüssung der Hunde durch Whitehorse.

Unterwegs in Whitehorse
Unterwegs in Whitehorse – Kanada

Der Abend endet aber doch damit, dass ich kurz nach acht ins Bett falle und um neun das Licht ausmache.

Mit dem Fahrrad in Whitehorse unterwegs

Tag 3, Mo 31.08.2015

Ich wache viel zu früh auf. Vier Uhr! Ich lese bis fünf, dann schlafe ich tatsächlich nochmal ein. Um halb acht stehe ich auf, dusche und frühstücke in aller Gemütsruhe. Dann mache ich mich mit einem der Fahrräder von Bernie auf den Weg zum Vermieter des Wohnmobils Fraserway. Auch die bieten einen Pickup-Service an. Morgen um halb neun werde ich abgeholt. Das ist ja klasse! Schnell noch ein paar Sachen einkaufen und dann ab auf den Fahrrad- bzw. Wanderweg den Yukon stromaufwärts. Ich scheine Glück zu haben, es nieselt nur manchmal ganz leicht.

Flusskraftwerk Whitehorse

Schliesslich komme ich am Flusskraftwerk an. Dort geht es nicht mehr weiter. Der Stausee hinter dem Kraftwerk dient Wasserflugzeugen als “Flugplatz”. Es gibt auch eine Lachsleiter, die man besuchen kann. Ein Mitarbeiter erklärt mir was zu den verschiedenen Sorten. Und tatsächlich sind auch drei Einzelgänger unterwegs, obwohl die Saison eigentlich schon herum ist. Von einer Art Warte kann man durch Glasscheiben einzelne Segmente sehen. Da sind zwei kleine und ein grosser. Letzter sieht gar nicht freundlich aus.

Lachs in Lachsleiter
Lachs in der Lachsleiter am Wasserkraftwerk Whitehorse

Ich mache etwas länger Rast am Stausee, weil ich ein Flugzeug starten sehen will. Eins kommt auch, doch dann auch eine Regenfront. Also steige ich schnell wieder in die Pedale und fahre regelrecht vor dem Regen her…

Wasserflugzeug in Whitehorse
Startendes Wasserflugzeug in Whitehorse

Dampschiff S. S. Klondike

Trotz Regen im Nacken schaue ich mir in Whitehorse noch das Dampschiff S. S. Klondike an. Während ich drin herumspaziere, regnet es draussen “wie die Sau”. Macht nichts, ich vertreibe mir die Zeit mit fotografieren. Schliesslich wechsele ich in das Zelt mit dem Video zur Geschichte des Schiffes.

S. S. Klondike
Sternwheeler S. S. Klondike in Whitehors – Kanada

Der Fluss Yukon – Wichtiger Verkehrsweg in der Vergangenheit

Die Fahrt von Whitehorse nach Dawson über den Yukon war eine anstrengende und abenteuerliche Sache. An der Engstelle “Five Finger Rapid” musste je nach Wasserstand mit Drahtseilen und Winden nachgeholfen werden, da die Motorleistung alleine hier gegen den Strom nicht ausreichte.

In Stewart Landing tauschte die Klondike Waren und Personen mit der kleineren S. S. Keno aus, die auf dem Stewart-River zwischen Mayo und Stewart Landing fuhr. Die Keno selber sollte ich wenige Tage später auch im Drockendock in Dawson City sehen. Holzcamps auf dem Weg sorgten für den nötigen Brennstoff für die Fahrt. Dawson war dann der nördlichste Punkt für Mensch und Fracht. Von hier aus wurden die umliegenden Minen versorgt.

Die Klondike

Die Klondike wurde so konstruiert, dass sie trotz grossem Ladevolumen nur sehr wenig Tiefgang hatte. Trotzdem endete ihre “Karriere” schon 1936 schon nach sieben Jahren abrupt, als sie von einem unerfahrenen Steuermann auf Grund gesetzt wurde. Sie war die letzte von ungefähr 250 sog. “Sternwheeler”, die auf dem Yukon pendelten.

S. S. Klondike
Sternwheeler S. S. Klondike – in strömenden Regen – Whitehors Kanada

Britisches Wetter in Kanada

Noch immer regnet und windet es stark. Die Zeltwand wölbt sich mir bei ein paar Böen gefährlich entgegen. Hält aber. Nachdem ich den Film zweimal gesehen habe, beschließe ich trotz Regen zurück ins Bed & Breakfast zu fahren. Etwas nass komme ich dort an und mache ich erst einmal ein Kaminfeuer. Ach, schön…

S. S. Klondike
Noch gemütlicher mit Kaminfeuer – Historical Guest House B & B in Whitehorse – Kanada

Zurück im Bed & Breakfast

Ich treffe Eric, einen Ost-Kanadier. Er leidet auch unter dem Jetlag. Erstaunlich, er musste vom Ontario aus sieben Stunden fliegen, ich von Frankfurt aus neun. Auf der Karte kann man das gar nicht nachvollziehen, hier hilft wohl nur ein Globus weiter. Er ist wegen der Arbeit hier. Wenn ich alles richtig verstanden habe, wickelt er den Rückbau von stillgelegten Minen ab.

Wir unterhalten uns noch ein ganze Weile und ich gehe recht früh zu Bett. Obwohl ich sehr müde bin, habe ich Schwierigkeiten einzuschlafen. Morgen geht er los: Mein Roadtrip Kanada / Alaska.

Hier geht es zu allen Bildern…

Camper holen

Dienstag, 01.09.2015 – Tag 4

Wieder bin ich nachts ein paar Mal aufgewacht. Recht spät kam ein dritter Gast. Es ist Ewald aus der Schweiz. Er hat eine dreiwöchige Wanderung quer durch die Wildnis vor. Wir unterhalten uns relativ lang. Ich würde mir das nicht zutrauen, zum einen konditionell, aber hier in Kanada hätte ich zu viel Angst vor den Wildtieren, wenn ich nur in einem Zelt übernachten würde. Aber vor allem drei Wochen mit keiner Menschenseele reden, das finde ich schon heftig. Ich reise zwar auch gerne alleine, aber unterwegs immer mal wieder eine kurze Geschichte von jemand aufzuschnappen, ist doch irgendwie das Salz in der Suppe beim Reisen, oder? Gerade Letzteres macht ihm wohl auch gedanklich am meisten zu schaffen. Das zweite Problem ist die Nahrung. Neben dem, was er in seinen Rucksack bekommt, will er sich mit Fischen über Wasser halten. Er ist sich der Gefahren aber bewusst und scheint mir recht gut vorbereitet.

Jetlag

Auch er hat nicht gut geschlafen, wenig später kommt auch Eric noch dazu und erzählt vom gleichen Problem. Jetlag überall!

Pünktlich auf die Minute werde ich vom Vermieter Fraserway abgeholt. Super! Dann wird erstmal ein Riesen-Papierkrieg entfacht. Ich muss Diverses unterschreiben. Eigentlich ist alles recht logisch. Eine Strecke, die McCarthy Road in Alaska, darf ich selbst mit meinem 4×4 Truck-Camper nicht befahren. Die stand eigentlich auf meiner Wunschliste. Anscheinend gibt es da so niedrige Brücken, dass ich zwar unten durchkäme, aber im Falle eines Falles nicht mehr abgeschleppt werden könnte.

Der rote ist für 3 Wochen meiner - Wohnmobil von Fraserway
Der rote ist für 3 Wochen meiner!

Camper beladen

Jetzt gilt es meinen ganzen Krempel, in die relativ kleinen Fächer im Camper zu verstauen. Die Wohnmobile heissen hier übrigens RV (Recreational Van). Nicht alles lässt sich sinnvoll gruppiert unterbringen, aber alles hat bequem Platz.

Erster Einkauf

Nach dem Einkauf im Walmart – mann ist das ein unübersichtlicher Laden – geht es endlich los in Richtung Dawson City. Ich komme mit dem Gefährt recht gut zurecht, auch wenn es sich wie eine Sänfte auf vier Räder fährt. Immer wieder regnet es leicht und die Strasse wechselt in unbefestigte Abschnitte. Nach kurzer Zeit bin ich bzw. der Camper unten und hinten total “eingeschlammt”.

Ziemlich dreckig - schon am ersten Tag
Reisebericht Wohnmobil: Schon am ersten Tag “ziemlich” dreckig geworden

Five Finger Rapids

Trotz gelegentlichem Regen ist die Sicht etwas besser wie gestern. Ich halte immer mal wieder für ein paar Bilder an. Der schönste Aussichtspunkt ist beim Five Finger Rapids. Dort mussten die Dampfschiffe je nach Wasserstand wegen Stromschnellen per Drahtseil und Winde zusätzlich vorbeigezogen werden. Man kann auch von der Strasse runter an den Yukon laufen, was ich natürlich auch mache.

Five Finger Rapids
Five Finger Rapids

Über den Rapids kreist ein Greifvogel. Leider kann ich ihn nicht eindeutig identifizieren. Ich meinte in irgendeinem Reiseführer ein Bild gesehen zu haben, nachdem es ein Bussard ist.

Bei den Five Finger Rapids
Greifvogel über den Five Finger Rapids

So funktioniert ein staatlicher Campground

Inzwischen ist es nach fünf und ich nehme gleich den Campground zwei Kilometer weiter. Es ist ein staatlicher. Hier ist “Self-Registration” angesagt. Man stellt sich auf einen freien Platz, wirft mit einem Formular 12 Dollar ein (also Kleingeld dabeihaben) und steckt einen kleinen Abschnitt des Formulars an die Zeltplatznummer.

Wie funktioniert das alles hier?

Irgendwie haben es einige schwere Dinge aus dem Kühlschrank geschafft, obwohl dieser wieder zu ist. Seltsam…

Es ist kalt in der Kabine, alles fühlt sich ziemlich klamm an. Die Heizung funktioniert zwar gut, mir fehlt aber noch jegliche Erfahrung bezüglich der Lebensdauer der Gasflaschen (immerhin habe ich zwei drin) und ich bin ein sicherlich auch ein bisschen zu sparsam.

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Nicht nur die Musikanlage im Ford ist super, sondern auch die im Campingteil. Auch via Bluetooth kann ich mein Handy koppeln und geniesse meine Musik während ich mein Reisetagebuch weiterschreiben oder gemütlich bei Tee lese. Für eine Person ist mehr als genug Platz.

Die erste Nacht

Ich beschliesse zum Schlafen noch zusätzlich in meinen Merinoschlafsack
zu schlüpfen. Auf die Matratze lege ich noch zusätzlich einen Poncholiner. Nachts habe ich es so kuschelig warm, wenn ich mich aber auf die Seite drehe, liege ich erstmal wieder minutenlang auf einem gefühlt eiskalten Leintuch.

Der erste Tag komplett im Camper

Tag 5, Mi 02.09.2015

Immer noch hatte ich nachts eine wache Phase, konnte aber immerhin wieder einschlafen. Um sieben muss ich aber dann endgültig raus. Ich bin glaube ich der erste. Ich mache nur Katzenwäsche. Auf den staatlichen Campingplätzen gibt es als Infrastruktur nur ein Plumpsklo, manchmal Feuerholz und eine Dump-Station bei der man seine Abwasser entsorgen kann. Für alles ist aber eine -relativ geringe Gebühr- fällig. Das Frühstück nehme ich draussen, danach schreibe ich noch ein bisschen an meinem Reisetagebuch weiter. Ich beschliesse einige Sachen ins Auto vor zu nehmen, speziell die jetzt feuchten Handtücher, um sie besser trocknen zu können.

On the road again

Auch unterwegs gibt es immer wieder die Plumpsklos, was gar nicht unpraktisch ist. Zum Teil sind die Häuschen sogar richtig schön gemacht.

Unterwegs nach Dawson City
Unterwegs nach Dawson City

Ich lasse mir Zeit mit dem fertig machen, schließlich habe ich Urlaub.

Technik-Schreck in der Wildnis von Kanada

Der Ford meldet “Cleaning Exhaust-Filter”. Soll er doch, denke ich mir, das wird schon seine Richtigkeit habe. Das Schockerlebnis kommt mit einer plötzlichen Meldung “Tire-Pressure Sensor Failure”. Oh Mist, bitte keine Reifenpanne. Die Dame vom Vermieter hat so kurz erklärt, wo dass Zeug zum Radwechseln ist. Um das Reserverad herunter zulassen muss man “nur” mit einem Werkzeug irgendwo reinstecken und dann irgend was ominöses tun. Ich fahre ganz langsam weiter (eigentlich fühlt sich alles wie immer an) und halte an der nächsten Möglichkeit. Die Reifen sehen aus wie immer, ich krame die Bedienungsanleitung raus. Dort ist der Reifenwechsel auch nicht wirklich vernünftig beschrieben. Dass kann ja heiter werden. Kein Handy-Empfang und in beiden Richtungen ca. 100 km vom nächsten Ort weg. Als ich die Zündung wieder anlasse ist die Meldung weg. Eigentlich hat diese ja auch nur von einem Sensor-Fehler “gesprochen”. Wenn tatsächlich irgendwo zu wenig Luft drin wäre, dann müsste das Ding doch melden wo, oder? Trotzdem warte ich eine halbe Stunde, um zu sehen, ob irgendwo die Luft raus geht. Nichts. Etwas besorgt fahre ich nach Dawson City.

Elche

Unterwegs sehe ich dann wirklich noch die ersten Wildtiere. Zwei Elchkühe stehen am Strassenrand und überqueren schliesslich die Strasse. Ich schätze Mutter und Kind oder zwei Jungtiere.

Elch in Kanada
Elch in Kanada – Reisebericht Wohnmobil

Das Thema Dempster Highway lasse ich außen vor. Es ist sicher eine fantastische Strecke, aber letzten Endes bedeutet es viel Fahrerrei in eine noch kältere Gegend. Das Wetter ist zwar jetzt auch zunehmend besser, aber noch immer sehr kalt. Auch auf der Strecke hier gibt es immer wieder herrliche Landschaften zu betrachten. Der Herbst ist sicher schon eine der schönsten Jahreszeiten, um in Kanada / Alaska zu reisen.

Dawson City

Die Häuser in Dawson City sehen wirklich noch aus wie im Wilden Westen. Ausser der Hauptstrasse sind die Strassen nicht geteert. Die vielen Autos machen aber doch irgendwie das Nostalgie-Feeling kaputt, finde ich. In Dawson City gehe ich auf einen privaten Campingplatz. Hier stehen alle in Reih und Glied, eigentlich war das auf dem staatlichen lauschiger. Ich bin auch erstaunt, wie wenig Duschen es für so viele Plätze gibt. Wie ich aber später feststelle, wird das nirgendwo besser werden.

Zunächst mögen einem die staatlichen Campingplätze mit ihren Plumpsklos eher etwas abschrecken. Wie ich aber noch feststellen sollte, liegen Sie durch die Bank weg viel schöner wie die privaten. Bei den privaten steht man wirklich in Reih und Glied. Zum Saisonende ist das nicht so schlimm war, da eigentlich nur in Dawson City der Campingplatz beinahe voll ist. Bei den staatlichen hat man alle 50-100 Meter auf einer Waldstrasse eine Einbuchtung für sich alleine. Wenn man sich an die Onboard-Toilette und Dusche gewöhnt hat, für was ich noch ein paar Tage brauchen sollte, ist das so weit ok.

Dawson City
Dawson City

Camper warten – gar nicht so einfach!

Tag 6, Do 03.09.2015

Erst einmal kümmere ich mich um Diesel und Luftdruck. Tanken ist einfach, nur ist dieser Tank gross. Sehr gross. Die Liter- und Dollaranzeige hören sich gar nicht mehr auf zu bewegen. Irgendwo bei etwas über 100 Dollar ist endlich Schluss. Schwerer wird es mit dem Luftdruck. Doch, sie hat ein Luftdruckmessgerät, sagt mir die Dame von der Tankstelle. Ok, das sehe ich, aber wo ist da die Skala? Ich gehe nochmal rein.

Luft auffüllen?

Das hat eine Skala, sagt sie. Hääää? Ich fahre an die nächste Tanke. Nein, sie hat Luft, aber kein Messgerät. Ob ich denn keins hätte? Ähhh, nein. Sie leiht mir freundlicherweise eins aus. Ich bekomme einen metallenen Zylinder in die Hand gedrückt, auf dem an einer Seite eine Kappe ist, die offensichtlich auf das Ventil muss. Aber wo ist da jetzt die Skala? Sie lacht und nimmt mir das Gerätchen nochmal aus der Hand und zieht eine kleines Pastikstäbchen mit Skala heraus. Das sträuben sich dem Deutschen mit seiner Genauigkeit doch etwas die Nackenhaare. Na ja, aber es funktioniert. Hinten ist gleichmässig zu wenig drin, ich pumpe etwas nach, aber kein Reifen fällt aus der Reihe. Später kaufe ich mir dann noch so ein Teil für 5 Dollar. Leider habe ich vergessen, ein Foto zu schießen. Wen es interessiert, der gibt bitte mal in die Google Bilder Suche “pencil tyre pressure gauge” ein.

Jetzt geht es aber erstmal mit der Fähre über den Yukon auf den “Top of the World Highway”.

Autofähre über den Yukon in Dawson City
Autofähre über den Yukon in Dawson City

Top of the World Highway

Der ist wirklich Top! Was für eine Strasse. Nicht wegen des Strassenbelags, sondern wegen der Landschaft, durch die er führt. Der Highwy schlängelt sich quasi auf einem Bergkamm entlang und erlaubt immer wieder atemberaubende Blicke in die Täler rechts und links. Auf dem kanadischen Teil sind nur wenige Abschnitte geteert, insofern sollte man für das 127 Kilometer lange Stück ordentlich Zeit einrechnen (auch wegen der vielen Foto-Pausen).

Top of the World Highway
Top of the World Highway – Reisebericht Wohnmobil

Und ich steige wirklich oft aus und schiesse Fotos. Vor der Grenze nach Alaska ist der Wolkenhimmel besonders schön, aber hier ist es auch besonders kalt.

Einreise über Land in die USA

Der Grenzübertritt geht problemlos. Kein Obst und Gemüse dabei? Keine Feuerwaffen? Pass und Fingerabdrücke gescannt und gut. Die Damen sind nur traurig, dass auch ich nicht die 6 US-Dollar Gebühr dabei habe. Sie können diese nur bar und nicht in kanadischen Dollars entgegen nehmen. Ein Kreditkartenlesegerät haben Sie auch nicht. Ich sei aber nicht der einzige, praktisch jeder kommt ohne US-Dollar von Kanada über die Grenze.

Mit der Grenze wird auch gleich noch eine Zeitzone überschritten. Wir sind jetzt bei UTC-9

Grenze Kanada-Alaska
Grenze USA / Kanada auf dem Top of the World Highway

Nicht so gut gelaufen – der erste Kontakt mit einem Einheimischen

Als ich kurz später an einem schönen Gebirgsbach ein paar Fotos schieße (die allesamt nichts geworden sind), kommt ein alter Mann mit wallendem Bart im ebenso alten Pickup angefahren und beschimpft mich aufs übelste. Irgendwie verstehe ich nur ein Viertel und tue so, als ob ich den Rest auch nicht verstehe. Wenn ich mir das Gebrummel richtig interpretiert habe, war er da jagen (er stand mit dem Pickup direkt an der Strasse) und ich habe nun alle Tiere verscheucht. “Geht ja gut los mit den Alaskanern!”, denke ich mir. Oder heißt es “Alaskans”? Dies sollte aber mein einziges negatives Erlebnis bleiben.

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Chicken

In Chicken, einem kleinen Goldgräber-Dorf mit eigentlich nur einer Handvoll Leute, treffe ich zwei Paare aus Lörrach. Sie waren im selben Flieger und wir haben uns heute schon mehrmals gegenseitig überholt. Eigentlich haben Sie eine ähnliche Runde wie ich vor, aber tatsächlich treffe ich sie dann auch in Tok nicht mehr an, wo ich meine Vorräte auffülle und Nachtlager wieder auf einem privaten Campinglatz nehme. Hier finde ich dann auch den ersten Geldautomat, an dem ich mich mit amerikanischem Bargeld eindecke.

Chicken – Reisebericht Wohnmobil

In Alaska

Tag 7, Fr 04.09.2015

Irgendwie checke ich den Zeitwechsel nicht. Ich tue mich erstmal schwer, alle Kameras und Uhren richtig einzustellen. Ausserdem nieselt es schon wieder. Ich versuche den Camper abzudampfen, denn er ist auf der Strecke von Whitehorse nach Dawson extrem dreckig geworden. Ich brauche ewig, um nur das Gröbste runter zu bekommen. Das wird bei der Endreinigung lustig. Auch lustig hier auf dem Campingplatz: Im Büro steht tatsächlich ein Papp-Aufsteller von Sarah Palin in Lebensgrösse. Wäre ja tatsächlich so, als würde bei uns jemand Angela Merkel in seinem Geschäft aufstellen. Naja, andere Länder, andere Sitten.

Fairbanks

Weiter geht es nach Fairbanks. Das Wetter wird endlich etwas besser. Und so kann ich neben der vielen Brücken auch endlich wieder die Landschaft geniessen. In North-Pole biege ich ab, aber den Weihnachtsrummel da kann man sich wirklich schenken und ich fahre weiter. Vielleicht interessanter, wenn man Kinder hat…

Zum ersten Mal sehe ich auch Bäume, die verbrannt sind, aber teilweise wieder ausschlagen und der Landschaft einen fast surrealen Touch geben. Sie werden mich noch praktisch den ganzen Rest meiner Reise begleiten.

Vor Fairbanks ist Denali angeschrieben. Ich habe überhaupt keine Lust in eine grosse Stadt zu fahren. Kurzentschlossen nehme ich die Abzweigung und lasse Fairbanks aussen vor. Soll eh nicht so der “Brüller” sein. Ich fahre weiter bis Nenana zu einem kleinen schnuckeliger Campingplatz privat für nur 15 Dollar ohne Anschlüsse.

Campingplatz Nenana
Nenana – Reisebericht Wohnmobil

Auf den Spuren von Christopher McCandless

Tag 8, Samstag, 05.09.2015

Endlich habe ich mal ausgeschlafen. Vielleicht lag es am Wein, aber es ist schon relativ spät, als ich aufstehe. Trotzdem lasse ich mir Zeit, ich bin schliesslich in den Ferien. Ausserdem nutze ich es, dass es so schön leer auf dem Campingplatz in Nenana ist, und laufe die Dump-Station an. Man merkt, dass wir hier noch weit vom Nationalpark entfernt sind. Obwohl der Platz hier alles hat, was man braucht, zahle ich ohne Anschlüsse nur 15 Dollar.

So funktioniert die Dumpstation

Auf der Dump-Station lässt man seine Abwasser-Tanks ab. Das Greywater, das ist das Wasser aus Bad und Küche, ist laut Anzeige nur zu einem Drittel gefüllt. Für das Blackwater, dem Abwasser aus der Toilette, wird sogar noch “Empty” angezeigt. Aber eine Woche ist rum, da kann man schon einmal testen, wie das so funktioniert. Es geht einfach und ist auch keine Dreckerei. Blackwater lässt man sinnvollerweise zuerst ab und spült so mit dem Greywater nach. Allerdings benutzte ich die Boardtoilette bis jetzt nur für das “kleine Geschäft.” In den Toilettentank kommt ein Mittel, was ein bisschen wie die blauen Steine aussieht, die man bei uns in den Spülkasten macht. Es sorgt dafür, dass auch Toilettenpapier und grosses Geschäft verflüssigt werden und für guten Duft.

Nenana

Ich schaue mich noch ein bisschen in Nenana um. Es ist ein kleiner Ort, schön gelegen am gleichnamigen Fluss.

Nenana Alaska
Nenana – Alaska

Touristen werden in Bussen angekarrt. Einheimische lassen gegen Geld Husky-Welpen für Fotos herumgehen. Derweil ist ein altes Tier in der Ecke angekettet.

Schlittenhund in Nenana
Nenana – Reiserbericht Wohnmobil

Das Ganze hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck und ich halte mich fern. Mit vorschnellen Urteilen muss man sich hier aber sicherlich zurückhalten. Es ist sicher nicht leicht, in Alaska über die Runden zu kommen. Das zeigen auch die vielen Häuser, die teilweise in sehr schlechtem Zustand sind.

Stampede Trail

Mein Ziel heute ist der Stampede Trail. Der Amerikaner Christopher McCandless war 1992 auf diesem Weg alleine unterwegs aufgebrochen. Er führte ihn schliesslich zu einem alten ausgedienten Bus, der ursprünglich als Unterkunft für Strassenbauarbeiter diente. Dort liess er sich dann eine Zeit lang nieder. Leider konnte er nicht mehr zurückkehren, da der Teklanika River wegen der Schneeschmelze zu stark angeschwollen war. Schliesslich verhungerte er unweit von der Zivilisation entfernt.

Into the Wild

Der Journalist Jon Krakauer recherchierte das Leben von McCandless und schrieb schliesslich auch das Buch “Into the Wild“. Später wurde es unter dem gleichen Titel mit Emile Hirsch in der Hauptrolle und mit einem tollen Soundtrack von Eddie Vedder verfilmt. Sehr sehenswert.

Into the Wild [Blu-ray]
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Obwohl die meisten Pickups noch weiterfahren, halte ich am Wendeplatz bevor die geteerte Strasse in eine Schotterstrasse wechselt. Der Weg führt mich durch eine unglaublich schöne farbenfrohe Tundralandschaft.

Stampede Trail
Stampede Trail – Into the Wild – Auf den Spuren von Christopher McCandless

Mitten in der Jagdsaison

Ich bin aber überhaupt nicht alleine unterwegs. Immer mal wieder kommt ein Pickup vorbei und die Fahrer grüssen freundlich. Es ist Jagdsaison und am Eightmile Lake parken schließlich alle. Die meisten sind von hier aus mit Quads unterwegs. Ich drehe dort um. Der Weg selber ist überschwemmt und abseits vom Weg ist es extrem sumpfig. Hier helfen keine Wanderstiefel, sondern es wären Gummistiefel nötig. Und die habe ich nicht dabei. Außerdem habe ich das gesetzte Zeitlimit auch schon fast erreicht.

In Richtung See hängen an einem Balken, den man quer an den Ästen zweier Bäume aufgelegt hat, große Fleischstücke. Ich schätze, es ist Elch. Wohl zum trocknen? Demnach scheint es hier aber auch keine gefährlichen fleischfressenden Tiere zu geben.

Stampede Trail - Fleisch zum Trocknen aufgehängt
Stampede Trail – Into the Wild – Auf den Spuren von Christopher McCandless

Als ich an meinem Camper ankomme, bin ich laut GPS immerhin 13 km gelaufen. Ganz ok für eine Nachmittagsrunde.

Die Idee für den Abend war eigentlich, auf einem der Campingplätze im Denali Nationalpark zu übernachten. Leider sind die alle besetzt, so dass ich nur eine Bustour buche und wieder nordwärts auf einem Campinglatz in Moody bei Healy direkt an der Hauptverbindung Fairbanks – Anchorage übernachte. Hier wasche ich auch noch meine Wäsche für relativ stolze sechs Dollar (mit Trockner). Die Preise schwanken stark. Waschen mit Trocknen habe ich zwischen drei Dollar vierzig und acht Dollar pro Trommel gesehen. Man braucht überall Quarter-Münzen (25 Cent), die aber auch von den Campingplatz-Besitzern bereitgehalten werden.
Alaska - Camping in Moody

Denali

Tag 9, So 06.09.2015 

Ich hab schlecht geschlafen. Fast die ganze Nacht sind Autos durchgefahren. Ohrstöpsel wollte ich nicht verwenden, da ich Angst hatte, meine Bustour zu verpassen.

Zum Frühstück mache ich mich unter anderem über einen der gekauften Joghurts her. Die Becher sehen hier seltsam aus. Irgendwie verkehrt. Sie verjüngen sich nach oben, anstatt sich zu erweitern.
Etwas eigenartige amerikanische Joghurtbecher - Camping in Moody

Das Essen auf meinem Kanada / Alaska Trip

Ich versorge mich ja fast ausschließlich selber auf dieser Wohnmobil-Reise. Eigentlich sollte hier eine gesunde Ernährung kein Problem sein, oder? Nur gibt es leider keinerlei Möglichkeiten an vernünftiges Brot zu kommen. Der Joghurt und die verfügbaren Cerealien haben alle einen sehr hohen Zuckeranteil.

Generell hab ich den Eindruck, das alles viel, viel süßer schmeckt als bei uns.

Denali Nationalpark

Da ich viel zu früh wach geworden war, bin ich überpünktlich im Denali Nationalpark. Mann ist das voll! Eine richtige Massen-Touri-Geschichte. Eigentlich ist das nichts für mich.

Als wir dann endlich im Bus sitzen, erklärt uns unser Bus-Fahrer Glen, dass die Busse im Park wie Linienbusse funktionieren. Man kann also bei einem Halt aussteigen und zum Beispiel auf den nächsten warten oder eine Haltestelle weiter laufen. Na toll, und jetzt habe ich die essentiellen Wandersachen und auch das Bärenspray nicht mit dabei. Gerne wäre ich im Park auch etwas gewandert.

Denali Nationalpark
Die Tiere halten sich sehr zurück. Nach langer Fahrt sehen wir irgendwann einen Fuchs. Der sieht zwar schon etwas anders aus wie die zu Hause, ist aber ansonsten nicht so aufregend…

Endlich, Bär Nummer 1

Beim zweiten Toilettenstop ist er dann endlich da, Bär Nr. 1. Auf die Toilette darf jetzt keiner mehr, dafür gibt es Bilder aus nächster Nähe. Da aber für kurze Zeit eine regelrechte Aufregung im Bus herrscht, werden meine nicht sonderlich gut.

Denali Nationalpark
Bär im Denali Nationalpark

Insgesamt sehen wir noch einen einzelnen Bären (weiter weg) und eine Bärin mit zwei Jungen (sehr weit weg), Dall-Schafe und ein Karibu.

Denali Nationalpark
Bär im Denali Nationalpark – Wohnmobil Reisebericht
Denali Nationalpark
Dall-Schafe im Denali Nationalpark
Denali Nationalpark
Karibu im Denali Nationalpark

Immerhin haben wir super Sicht auf den Mount McKinley. Er ist mit 6190 Metern der höchste Berg Nordamerikas.

Mount McKinley
Mount McKinley – Reisebericht Wohnmobil

Und natürlich führt die ganze Fahrt durch eine herrliche Landschaft.

Denali Nationalpark
Denali Nationalpark

Glen erklärt uns, dass er und seine Kollegen immer mal wieder üben müssen, auf der relativ engen Strasse den Bus zu wenden. Ab und zu ist die Strasse nicht passierbar und die Busse müssen umkehren. Heute ist jedoch alles perfekt. Nur ein kurzes Stück wird gerade von einigen Bauarbeitern geflickt.

Nach der Rückkehr fahre ich noch ein Stück weiter südlich und übernachte in Cantwell etwas abseits der Hauptstrasse.

Über den Hatcher-Pass nach Palmer und das Propan-Gas

Tag 10, Mo 07.09.2015

Erst schlafe ich tief und fest. Doch um sechs wache ich auf und wundere mich, warum es heute so extrem kalt im Gesicht ist. Richtig, die Gasflasche ist leer. Also schnell in ein paar Klamotten schlüpfen, raus und auf die zweite Flasche umschalten. Es geht immer noch nichts. Ja man muss die Flasche halt auch auf drehen (und die erste sicherheitshalber zu) …

Nachdem es wieder warm ist, döse ich noch etwas vor mich hin. Es nieselt, obwohl gestern Abend super schönes Wetter war.

Propan auffüllen

Als ich mich aufmache, ist es noch relativ früh. Ich höre mich erstmal nach Propan um. In der ersten Tankstelle erklärt mir die Dame, die dort gerade arbeitet, dass der Kollege, der das Propan wieder auffüllen darf, erst um 14:00 Uhr kommt. Anscheinend ist die Tankstelle wegen einem Gas-Unfall sogar mal abgebrannt. Sie erklärt es mir übrigens auf Deutsch. Sie kommt ursprünglich aus dem Osten Deutschlands und lebt schon seit über 10 Jahren in Alaska.

Ich fahre erstmal weiter und habe bei der nächsten Tankstelle mehr Glück. Dort macht man sich irgendwie nicht so grosse Sorgen. Die Dame, die mir meine Flasche auffüllt, scheint es noch nicht so oft gemacht zu haben. Immerhin dreht sie alles schön fest zu und es scheint mir alles recht logisch angeschlossen. Am Schluss meint sie noch, es wäre wohl besser, während der Fahrt beide Flaschen zu zudrehen. Auch das klingt für mich logisch, bis mir beim Mittagessen mein blinkender Kühlschrank auffällt. Der läuft nämlich auf Gas, wenn keine externe Stromversorgung angeschlossen ist. Also drehe ich das Gas doch wieder auf. Das allein reicht nicht, man muss den Kühlschrank erst einmal aus und wieder einschalten, damit dieser das Gas zündet.

Auf einem Rastplatz beim Denali Staatspark (nicht Nationalpark) fragen mich zwei Japanerinnen, wo sie denn Fotos von den Denali-Bergen machen könnten. Ich schaue kurz nach oben. Nur ein paar Meter über mir verdecken Wolken und Nebel alles. Was für eine Frage. Um sie nicht zu sehr zu enttäuschen, entschliesse ich mich zu sagen “Sorry weiss ich auch nicht”.

Talkeetna

Ein paar Meilen weiter hat es endlich aufgeklart. Ich biege nach Talkeetna ab, dort scheint die Zeit stillzustehen, wie im Reiseführer steht. Die Häuser sind auch tatsächlich schön dort, aber zum ersten Mal sehe ich Schilder wie “No Parking”, “No RV” (RV = Recreation Vehicle – Wohnmobil) und Schilder mit zum Teil recht hohen Parkgebühren. Mir scheint es eher, man will möglichst viel Geld mit den ollen Touris verdienen und ich mache mich gleich wieder auf den Rückweg zur Hauptstrasse.

Hatcher-Pass

In Willow biege ich zum Hatcher-Pass ab. Der beginnt extrem unspektakulär. Langsam nehmen die Kurven jedoch zu. Schliesslich endet der geteerte Teil und die Strasse wird zunehmend schlechter.

Hatcher Pass
Hatcher Pass

Kein wirkliches Problem für meinen Pickup, ich muss nur langsam machen. Den Allrad muss ich nie zuschalten. Eine herrliche Berglandschaft. Zeit sollte man allerdings einplanen.

Auf der Passhöhe treffe ich ein Paar aus dem Stuttgarter Raum. Sie mühen sich ziemlich mit einer Spiegelreflex-Kamera ab und versuchen sich selber zu fotografieren. Ich biete an ein Foto zu machen und bekomme so auch eins von mir.

Hatcher Pass
Hatcher Pass

Paraglider umkreisen die Passhöhe. Auf dem Weg nach unten mache ich noch einige Langzeitbelichtungen an einem herrlichen Fluss, die mir recht gut gelingen.

Hatcher Pass
Unterwegs mit dem Wohnmobil in Kanda / Alaska

Da es schon vergleichsweise spät ist und ich nicht sicher bin, ob vor Anchorage noch ein Campingplatz kommt, nehme ich einen in Palmer, wenig schön direkt an der Hauptstrasse.

Hier geht es zum Teil 2.

Links zu weiteren Berichten und Tipps zur Reise

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