Auf nach Dawson City

Reisebericht Kanada / Alaska Tag 04-05 – Dawson City

Ab ins Wohnmobil und dann den Yukon entlang nach Dawson City

Dienstag, 01.09.2015 – Tag 4

Wieder bin ich nachts ein paar Mal aufgewacht. Recht spät kam ein dritter Gast. Es ist Ewald aus der Schweiz. Er hat eine dreiwöchige Wanderung quer durch die Wildnis vor. Wir unterhalten uns relativ lang. Ich würde mir das nicht zutrauen, zum einen konditionell, aber hier in Kanada hätte ich zu viel Angst vor den Wildtieren, wenn ich nur in einem Zelt übernachten würde. Aber vor allem drei Wochen mit keiner Menschenseele reden, das finde ich schon heftig. Ich reise zwar auch gerne alleine, aber unterwegs immer mal wieder eine kurze Geschichte von jemand aufzuschnappen, ist doch irgendwie das Salz in der Suppe beim Reisen, oder? Gerade Letzteres macht ihm wohl auch gedanklich am meisten zu schaffen. Das zweite Problem ist die Nahrung. Neben dem, was er in seinen Rucksack bekommt, will er sich mit Fischen über Wasser halten. Er ist sich der Gefahren aber bewusst und scheint mir recht gut vorbereitet.

Jetlag

Auch er hat nicht gut geschlafen, wenig später kommt auch Eric noch dazu und erzählt vom gleichen Problem. Jetlag überall!

Pünktlich auf die Minute werde ich vom Vermieter Fraserway abgeholt. Super! Dann wird erstmal ein Riesen-Papierkrieg entfacht. Ich muss Diverses unterschreiben. Eigentlich ist alles recht logisch. Eine Strecke, die McCarthy Road in Alaska, darf ich selbst mit meinem 4×4 Truck-Camper nicht befahren. Die stand eigentlich auf meiner Wunschliste. Anscheinend gibt es da so niedrige Brücken, dass ich zwar unten durchkäme, aber im Falle eines Falles nicht mehr abgeschleppt werden könnte.

Der rote ist für 3 Wochen meiner - Wohnmobil von Fraserway
Der rote ist für 3 Wochen meiner 🙂

Jetzt gilt es meinen ganzen Krempel, in die relativ kleinen Fächer im Camper zu verstauen. Die Wohnmobile heissen hier übrigens RV (Recreational Van). Nicht alles lässt sich sinnvoll gruppiert unterbringen, aber alles hat bequem Platz.

Nach dem Einkauf im Walmart – mann ist das ein unübersichtlicher Laden – geht es endlich los in Richtung Dawson City. Ich komme mit dem Gefährt recht gut zurecht, auch wenn es sich wie eine Sänfte auf vier Räder fährt. Immer wieder regnet es leicht und die Strasse wechselt in unbefestigte Abschnitte. Nach kurzer Zeit bin ich bzw. der Camper unten und hinten total „eingeschlammt“.

Ziemlich dreckig - schon am ersten Tag
Schon am ersten Tag „ziemlich“ dreckig geworden

Five Finger Rapids

Trotz gelegentlichem Regen ist die Sicht etwas besser wie gestern. Ich halte immer mal wieder für ein paar Bilder an. Der schönste Aussichtspunkt ist beim Five Finger Rapids. Dort mussten die Dampfschiffe je nach Wasserstand wegen Stromschnellen per Drahtseil und Winde zusätzlich vorbeigezogen werden. Man kann auch von der Strasse runter an den Yukon laufen, was ich natürlich auch mache.

Five Finger Rapids
Five Finger Rapids

Über den Rapids kreist ein Greifvogel. Leider kann ich ihn nicht eindeutig identifizieren. Ich meinte in irgendeinem Reiseführer ein Bild gesehen zu haben, nachdem es ein Bussard ist.

Bei den Five Finger Rapids
Greifvogel über den Five Finger Rapids

Inzwischen ist es nach fünf und ich nehme gleich den Campground zwei Kilometer weiter. Es ist ein staatlicher. Hier ist „Self-Registration“ angesagt. Man stellt sich auf einen freien Platz, wirft mit einem Formular 12 Dollar ein (also Kleingeld dabeihaben) und steckt einen kleinen Abschnitt des Formulars an die Zeltplatznummer.

Irgendwie haben es einige schwere Dinge aus dem Kühlschrank geschafft, obwohl dieser wieder zu ist. Seltsam…

Es ist kalt in der Kabine, alles fühlt sich ziemlich klamm an. Die Heizung funktioniert zwar gut, mir fehlt aber noch jegliche Erfahrung bezüglich der Lebensdauer der Gasflaschen (immerhin habe ich zwei drin) und ich bin ein sicherlich auch ein bisschen zu sparsam.

Nicht nur die Musikanlage im Ford ist super, sondern auch die im Campingteil. Auch via Bluetooth kann ich mein Handy koppeln und geniesse meine Musik während ich mein Reisetagebuch weiterschreiben oder gemütlich bei Tee lese. Für eine Person ist mehr als genug Platz.

Ich beschliesse zum Schlafen noch zusätzlich in meinen Merinoschlafsack
zu schlüpfen. Auf die Matratze lege ich noch zusätzlich einen Poncholiner. Nachts habe ich es so kuschelig warm, wenn ich mich aber auf die Seite drehe, liege ich erstmal wieder minutenlang auf einem gefühlt eiskalten Leintuch.

Mittwoch, 02.09.2015 – Tag 5

Immer noch hatte ich nachts eine wache Phase, konnte aber immerhin wieder einschlafen. Um sieben muss ich aber dann endgültig raus. Ich bin glaube ich der erste. Ich mache nur Katzenwäsche. Auf den staatlichen Campingplätzen gibt es als Infrastruktur nur ein Plumpsklo, manchmal Feuerholz und eine Dump-Station bei der man seine Abwasser entsorgen kann. Für alles ist aber eine -relativ geringe Gebühr- fällig. Das Frühstück nehme ich draussen, danach schreibe ich noch ein bisschen an meinem Reisetagebuch weiter. Ich beschliesse einige Sachen ins Auto vor zu nehmen, speziell die jetzt feuchten Handtücher, um sie besser trocknen zu können.

Auch unterwegs gibt es immer wieder die Plumpsklos, was gar nicht unpraktisch ist. Zum Teil sind die Häuschen sogar richtig schön gemacht.

Unterwegs nach Dawson City
Unterwegs nach Dawson City

Ich lasse mir Zeit mit dem fertig machen, schliesslich habe ich Urlaub.

Technik-Schreck in der Wildnis von Kanada

Der Ford meldet „Cleaning Exhaust-Filter“. Soll er doch, denke ich mir, das wird schon seine Richtigkeit habe. Das Schockerlebnis kommt mit einer plötzlichen Meldung „Tire-Pressure Sensor Failure“. Oh Mist, bitte keine Reifenpanne. Die Dame vom Vermieter hat so kurz erklärt, wo dass Zeug zum Radwechseln ist. Um das Reserverad herunter zulassen muss man „nur“ mit einem Werkzeug irgendwo reinstecken und dann irgend was ominöses tun. Ich fahre ganz langsam weiter (eigentlich fühlt sich alles wie immer an) und halte an der nächsten Möglichkeit. Die Reifen sehen aus wie immer, ich krame die Bedienungsanleitung raus. Dort ist der Reifenwechsel auch nicht wirklich vernünftig beschrieben. Dass kann ja heiter werden. Kein Handy-Empfang und in beiden Richtungen ca. 100 km vom nächsten Ort weg. Als ich die Zündung wieder anlasse ist die Meldung weg. Eigentlich hat diese ja auch nur von einem Sensor-Fehler „gesprochen“. Wenn tatsächlich irgendwo zu wenig Luft drin wäre, dann müsste das Ding doch melden wo, oder? Trotzdem warte ich eine halbe Stunde, um zu sehen, ob irgendwo die Luft raus geht. Nichts. Etwas besorgt fahre ich nach Dawson City.

Elche

Unterwegs sehe ich dann wirklich noch die ersten Wildtiere. Zwei Elchkühe stehen am Strassendrand und überqueren schliesslich die Strasse. Ich schätze Mutter und Kind oder zwei Jungtiere.

Elch in Kanada
Elch in Kanada

Das Thema Dempster Highway lasse ich aussen vor. Es ist sicher eine fantastische Strecke, aber letzten Endes bedeutet es viel Fahrerrei in eine noch kältere Gegend. Das Wetter ist zwar jetzt auch zunehmend besser, aber noch immer sehr kalt. Auch auf der Strecke hier gibt es immer wieder herrliche Landschaften zu betrachten. Der Herbst ist sicher schon eine der schönsten Jahreszeiten, um in Kanada / Alaska zu reisen.

Dawson City

Die Häuser in Dawson City sehen wirklich noch aus wie im Wilden Westen. Ausser der Hauptstrasse sind die Strassen nicht geteert. Die vielen Autos machen aber doch irgendwie das Nostalgie-Feeling kaputt, finde ich. In Dawson City gehe ich auf einen privaten Campingplatz. Hier stehen alle in Reih und Glied, eigentlich war das auf dem staatlichen lauschiger. Ich bin auch erstaunt, wie wenig Duschen es für so viele Plätze gibt. Wie ich aber später feststelle, wird das nirgendwo besser werden.

Zunächst mögen einem die staatlichen Campingplätze mit ihren Plumpsklos eher etwas abschrecken. Wie ich aber noch feststellen sollte, liegen Sie durch die Bank weg viel schöner wie die privaten. Bei den privaten steht man wirklich in Reih und Glied. Zum Saisonende ist das nicht so schlimm war, da eigentlich nur in Dawson City der Campingplatz beinahe voll ist. Bei den staatlichen hat man alle 50-100 Meter auf einer Waldstrasse eine Einbuchtung für sich alleine. Wenn man sich an die Onboard-Toilette und Dusche gewöhnt hat, für was ich noch ein paar Tage brauchen sollte, ist das so weit ok.

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