Top of the World Highway

Reisebericht Kanada / Alaska Tag 06-07 – Top of the World Highway

Unterwegs von Dawson City nach Tok in Alaska auf dem „Top of the World Highway“ und weiter Richtung Fairbanks

Donnerstag, 03.09.2015 – Tag 6

Erst einmal kümmere ich mich um Diesel und Luftdruck. Tanken ist einfach, nur ist dieser Tank gross. Sehr gross. Die Liter- und Dollaranzeige hören sich gar nicht mehr auf zu bewegen. Irgendwo bei etwas über 100 Dollar ist endlich Schluss. Schwerer wird es mit dem Luftdruck. Doch, sie hat ein Luftdruckmessgerät, sagt mir die Dame von der Tankstelle. Ok, das sehe ich, aber wo ist da die Skala? Ich gehe nochmal rein.

Luft auffüllen? Gar nicht so einfach!

Das hat eine Skala, sagt sie. Hääää? Ich fahre an die nächste Tanke. Nein, sie hat Luft, aber kein Messgerät. Ob ich denn keins hätte? Ähhh, nein. Sie leiht mir freundlicherweise eins aus. Ich bekomme einen metallenen Zylinder in die Hand gedrückt, auf dem an einer Seite eine Kappe ist, die offensichtlich auf das Ventil muss. Aber wo ist da jetzt die Skala? Sie lacht und nimmt mir das Gerätchen nochmal aus der Hand und zieht eine kleines Pastikstäbchen mit Skala heraus. Das sträuben sich dem Deutschen mit seiner Genauigkeit doch etwas die Nackenhaare. Na ja, aber es funktioniert. Hinten ist gleichmässig zu wenig drin, ich pumpe etwas nach, aber kein Reifen fällt aus der Reihe. Später kaufe ich mir dann noch so ein Teil für 5 Dollar. Leider habe ich vergessen, ein Foto zu schiessen. Wen es interessiert, der gibt bitte mal in die Google Bilder Suche „pencil tyre pressure gauge“ ein.

Jetzt geht es aber erstmal mit der Fähre über den Yukon auf den „Top of the World Highway“.

Autofähre über den Yukon in Dawson City
Autofähre über den Yukon in Dawson City

Top of the World Highway

Der ist wirklich Top! Was für eine Landschaft. Nicht wegen des Strassenbelags, sondern wegen der Landschaft, durch die er führt. Er schlängelt sich quasi auf einem Bergkamm entlang und erlaubt immer wieder atemberaubende Blicke in die Täler rechts und links. Auf dem kanadischen Teil sind nur wenige Abschnitte geteert, insofern sollte man für das 127 Kilometer lange Stück ordentlich Zeit einrechnen (auch wegen der vielen Foto-Pausen).

Top of the World Highway

Und ich steige wirklich oft aus und schiesse Fotos. Vor der Grenze nach Alaska ist der Wolkenhimmel besonders schön, aber hier ist es auch besonders kalt.

Einreise über Land in die USA

Der Grenzübertritt geht problemlos. Kein Obst und Gemüse dabei? Keine Feuerwaffen? Pass und Fingerabdrücke gescannt und gut. Die Damen sind nur traurig, dass auch ich nicht die 6 US-Dollar Gebühr dabei habe. Sie können diese nur bar und nicht in kanadischen Dollars entgegen nehmen. Ein Kreditkartenlesegerät haben Sie auch nicht. Ich seih aber nicht der einzige, praktisch jeder kommt ohne US-Dollar von Kanada über die Grenze.

Mit der Grenze wird auch gleich noch eine Zeitzone überschritten. Wir sind jetzt bei UTC-9

Grenze Kanada-Alaska
Grenze USA / Kanada auf dem Top of the World Highway

Als ich kurz später an einem schönen Gebirgsbach ein paar Fotos schiesse (die allesamt nichts geworden sind), kommt ein alter Mann mit wallendem Bart im ebenso alten Pickup angefahren und beschimpft mich aufs übelste. Irgendwie verstehe ich nur ein Viertel und tue so, als ob ich den Rest auch nicht verstehe. Wenn ich mir das Gebrummel richtig interpretiert habe, war er da jagen (er stand mit dem Pickup direkt an der Strasse) und ich habe nun alle Tiere verscheucht. „Geht ja gut los mit den Alaskanern!“, denke ich mir. Oder heisst es „Alaskans“? Dies sollte aber mein einziges negatives Erlebnis bleiben.

In Chicken, einem kleinen Goldgräber-Dorf mit eigentlich nur einer Handvoll Leute, treffe ich zwei Paare aus Lörrach. Sie waren im selben Flieger und wir haben uns heute schon mehrmals gegenseitig überholt. Eigentlich haben Sie eine ähnliche Runde wie ich vor, aber tatsächlich treffe ich sie dann auch in Tok nicht mehr an, wo ich meine Vorräte auffülle und Nachtlager wieder auf einem privaten Campinglatz nehme. Hier finde ich dann auch den ersten Geldautomat, an dem ich mich mit amerikanischem Bargeld eindecke.

Chicken
Chicken

Freitag, 04.09.2015 – Tag 7

Irgendwie checke ich den Zeitwechsel nicht. Ich tue mich erstmal schwer, alle Kameras und Uhren richtig einzustellen. Ausserdem nieselt es schon wieder. Ich versuche den Camper abzudampfen, denn er ist auf der Strecke von Whitehorse nach Dawson extrem dreckig geworden. Ich brauche ewig, um nur das Gröbste runter zu bekommen. Das wird bei der Endreinigung lustig. Auch lustig hier auf dem Campingplatz: Im Büro steht tatsächlich ein Papp-Aufsteller von Sarah Palin in Lebensgrösse. Wäre ja tatsächlich so, als würde bei uns jemand Angela Merkel in seinem Geschäft aufstellen. Naja, andere Länder, andere Sitten.

Weiter geht es nach Fairbanks. Das Wetter wird endlich etwas besser. Und so kann ich neben der vielen Brücken auch endlich wieder die Landschaft geniessen. In North-Pole biege ich ab, aber den Weihnachtsrummel da kann man sich wirklich schenken und ich fahre weiter. Vielleicht interessanter, wenn man Kinder hat…

Zum ersten Mal sehe ich auch Bäume, die verbrannt sind, aber teilweise wieder ausschlagen und der Landschaft einen fast surrealen Touch geben. Sie werden mich noch praktisch den ganzen Rest meiner Reise begleiten.

Vor Fairbanks ist Denali angeschrieben. Ich habe überhaupt keine Lust in eine grosse Stadt zu fahren. Kurzentschlossen nehme ich die Abzweigung und lasse Fairbanks aussen vor. Soll eh nicht so der „Brüller“ sein. Ich fahre weiter bis Nenana zu einem kleinen schnuckeliger Campingplatz privat für nur 15 Dollar ohne Anschlüsse.

Hat Dir der Artikel gefallen? Dann freue ich mich, wenn Du ein Like hinterlässt und ihn teilst. Herzlichen Dank!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.