Alaska Rundreise

Reisebericht Alaska Rundreise Tag 15-17

Kenai Peninsula

In diesem Abschnitt meiner Alaska Rundreise geht es vom südlichen Zipfel der Kenai Peninsula wieder langsam nach Norden.

Samstag, 12.09.2015 – Tag 15

Was für ein Depp rüttelt da am Wohnmobil? Früh wache ich auf. Es stürmt. Meine Behausung schwankt bei jeder Windböe. So richtig schlafen kann ich da nicht mehr und döse noch ein bisschen vor mich hin.

Beim Frühstück beobachte ich die Möwen, die sich auf einer Sandbank tief geduckt etwas Schutz vor dem Wind suchen. In der Mitte sitzt eine grosse, schwarze Möwe. Moment, schwarze Möwe? Ich schraube erst einmal das Tele auf die Nikon und tatsächlich, da sitzt ein Weisskopfadler zwischendrin. Also Frühstück unterbrechen, raus in den Sturm und näher ran.

Weisskopfadler in Homer
Weisskopfadler in Homer

Gestern hatte ich mich doch noch für eine der sündhaft teuren Bärentouren mit dem Flugzeug entschlossen. Ich sollte heute noch mal ins Büro kommen, da die Dame in der Vermittlung niemand mehr erreichen konnte. Nun heist es aber frühstens übermorgen. Die meisten Piloten haben die Saison schon beendet. Ich habe aber auch keine Lust hier so lange zu bleiben und dann eine Riesenstrecke nach Whitehorse zurück fahren zu müssen.

Ich versuche es noch bei zwei weiteren Veranstaltern im Ort, die immer noch mit grossen Plakaten werben. Einer hat schon zu und der andere ein Schild mit „Bin ab 13:00 Uhr wieder da“ dran. Ich treffe dort ein Schweizer Paar, das das gleiche vor hat. Naja, zu dritt wäre es günstiger, wir verabreden grob, dass wir uns nachmittags nochmal dort treffen.

Lost Places in Alaska

Ich nehme mir den Schrottplatz in Homer fotografisch vor. Auf dem liegen hauptsächlich alte Boote. Die Stimmung hier geht so Richtung „Lost Places“.

Schrottplatz der besonderen Art - Homer/Alaska
Schrottplatz der besonderen Art - Homer/Alaska

Schrottplatz der besonderen Art - Homer/Alaska
Schrottplatz der besonderen Art in Homer

Zunächst halten mich aber nochmal zwei Weisskopfadler ab, die über meine Köpfe kreisen. Der eine ist glaube ich der von heute Morgen.

Weisskopfadler in Homer
Weisskopfadler in Homer

Richtung Eastland finde ich noch einen kleinen Trail mit knapp fünf Kilometern, der wieder durch eine herrlich farbenfrohe Herbstlandschaft führt.

Trail bei Eastland / Homer
Trail bei Eastland / Homer

Auf dem Rückweg zum Auto sehe ich ein junges Päarchen so um die zwanzig. Sie Typ zart und hübsch. Er Typ Student. Beide haben Jagdflinten über der Schulter und winken mir freundlich zu. Irgendwie ein seltsamer Anblick für mich, aber ich denke mir „Andere Länder, andere Sitten“ und winke freundlich zurück. Bei uns würden Sie wahrscheinlich nebeneinander her laufen und mit dem Smartphone herumdaddeln.

Es ist nach 13:00 Uhr und der Veranstalter hat das Büro noch immer nicht besetzt. Also ab in den Norden. Ich habe schon einen Campingplatz im Auge, der mir bei der Hinfahrt gut gefallen hat. Am Horizont taucht immer wieder ein schneebedeckter Berg auf. Erst denke ich, es könnte der Mount Mc. Kinley sein. Ist aber zu weit, oder?

Welcher Berg ist das denn?
Nördlich von Homer

Wie sich schliesslich einige Meilen weiter nördlich herausstellt, ist es einer der Berge des Cook Inlet. Das ist das Landstück, welches gegenüber der Kenai Peninsula liegt. Benannt nach keinem geringeren als James Cook, der 1778 als erster Europäer in die Bucht segelte. Das Gebiet ist nur mit dem Flugzeug zu erreichen.

Ninilchik (Alaska)

Mein Traumplatz auf meinem Campingplatz in Ninilchik ist noch frei. Herrliche Sicht auf die Berge und direkt über dem Strand. Erst einmal gehe ich runter ans Wasser und schaue den Wellen zu, die trotz des inzwischen nachlassenden Sturms immer noch recht hoch sind.

Ninilchik
Unbedingt anlaufen – den Campingplatz von Ninilchik

Auch einige Möwen segeln elegant im Wind.

Ninilchik
Ninilchik

Als ich zurückkomme habe ich Nachbarn. Noch ein Wohnmobil. Mit Münchner Kennzeichen? Angelika und Roland sind bereits seit Jahren auf dem Kontinent unterwegs. Immer ein halbes Jahr on the Road und dazwischen ein halbes Jahr „Pause“ zuhause in Deutschland. Sie haben interessante und tolle Erlebnisse auf Lager, die sie bei einer Flasche Wein erzählen. Beide malen. Viele Motive haben sie auf ihren Reisen unterwegs per Kamera festgehalten. Ihre Homepages sind www.angelika-fi.de und www.aquarelle-jv.de. Begleitet werden die tollen Geschichten von einem wunderbaren Sonnenuntergang über dem Cook Inlet.

Sonnenuntergang in Ninilchik
Sonnenuntergang in Ninilchik

Nicht nur der Wein, sondern auch das Gas ist leer. Insgesamt hält eine Flasche eine knappe Woche und es ist viel angenehmer, wenn Sie nicht mitten in der Nacht ausgehen.

Sonntag, 13.09.2015 – Tag 16

Die Sonne scheint schon wieder, als ich aufwache. Aber die Berge auf der anderen Seite sind im Dunst nur noch schwer zu sehen. Hier auf dem Platz sind die Toiletten abgeschlossen. Nachdem die öffentliche Toilette in Homer wirklich zum Abgewöhnen war, benutze ich die Boardtoilette nun auch für das „grosse Geschäft“. Bei einer Person geht das recht gut und das Handling mit dem Ablassen ist viel einfacher, wie ich mir das vorgestellt habe. Durch die Chemikalien, die man dazu gibt, wird alles verflüssigt. Auch kann ich mich inzwischen entsprechend verrenken und ganz gut an Board duschen. Ist schon ein bisschen eng und richtig Wasserdruck ist ohne externen Anschluss nicht da, aber man bekommt heisses Wasser und auch die Seife wieder runter.

Ich gehe nach dem Frühstück nochmal runter an den Strand und schaue den Möwen zu. Eigentlich heisst es ja nur die Schwalben fliegen tief bei schlechtem Wetter, aber heute morgen gilt das auch für die Meeresvögel.

Ninilchik
Ninilchik

Wahrscheinlich kippt das Wetter wirklich bald wieder. Heftig ist hier der Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Mir wird klar, dass ich bisher überwiegend an der Ostsee und am Mittelmeer war und eigentlich zum ersten mal so richtig die Gezeiten sehe.

Ich verabschiede mich noch von Angelika und Roland und schaue mir die kleine orthodoxe Kirche in Ninilchik an.

Orthodoxe Kirche Ninilchik
Ninilchik

Dann geht es schon wieder weiter nach Norden. Die leere Propanflasche lasse ich füllen. Könnte sonst eng werden bis Whitehorse. Ein Gast der Tankstelle, der die Besitzerin ziemlich gut kennt, reisst lustige Sprüche. Ich solle doch aufpassen, denn die Frau weiss nicht wirklich, was sie hier tut… Aber alles geht gut und wir lösen uns nicht in einer riesigen Gasexplosion auf.

Öl schaue ich nach. Der Ölstab ist eigentlich ein langes Drahtseil, der bei der 6.7 Liter Maschine schier nicht enden will. Ich hab mich da recht zu strecken. Ich frage mich, wie eine ein Meter sechzig Frau da nach dem Rechten sehen soll. Bei mir ist jedenfalls alles noch im grünen Bereich.

Kurz vor Kenai fahre ich nochmal an den Strand. Neben mir steht ein Auto mit einer Frau und ihrem kleinen Jack Russel. Der kommt schon freudig zu meiner Tür angestürmt. Ich denke bestimmt nur zum „Hallo“ sagen und öffne die Fahrertür. Schwups habe ich ihn auf dem Schoss. Ich bugsiere ihn sanft wieder aus dem Auto. Ich unterhalte mich mit seinem Frauchen eine ganze Weile, während er über den Strand sausst und vergeblich versucht Möwen zu jagen. Sie erklärt mir auch die Berge auf der gegenüberliegenden Seite. Es gibt eine Eselsbrücke: IRS, das steht eigentlich für Internal Revenue Service, der amerikanischen Steuerbehörde. Von links nach rechts heissen die Berge: Illiama, Redoubt und Spurr.

Der Ort Kenai enttäuscht mich eigentlich ein bisschen, es ist einfach nur ein langgezogener Ort, mit zumindest für mich nicht erkennbaren besonderen Merkmalen.

Ich fahre weiter zu den Russian Rivers. Zwischendurch nehme ich noch einen Abstecher über eine alte, ungeteerte Strasse, auf der ich kaum einem Auto begegne.

Als ich an den Russians Rivers ankomme, habe ich Probleme auf dem Areal durchzublicken. Ein Teil ist bereits gesperrt, ein Teil nicht für Camping, ein Teil für Camping. Ich will ja unbedingt noch zu den Russian River Falls wandern. Es ist schon etwas später, aber das Wetter scheint schlechter zu werden, also mache ich mich heute Abend noch auf. Der Weg ist gut und ich komme schnell voran.

Russian River Trail
Russian River Trail

Leider gibt es an den Wasserfällen keine Bären, aber immerhin springende Lachse. Es ist schon recht dunkel und mit meinem billigen Teleobjektiv kann ich nicht mehr allzu viel ausrichten.

Lachse an den Russian River Falls
Lachse an den Russian River Falls

Auf dem Rückweg fängt es leicht zu tröpfeln an. Es wird immer mehr, als ich am Womo ankomme. Also wieder mal alles richtig gemacht. Der Weg war ungefähr sieben Kilometer lang.

Montag, 14.09.2015 – Tag 17

Es nieselt immer noch, also macht eine erneute Wanderung keinen Sinn. Das nächste Ziel heisst jetzt Portage Gletscher. Er liegt direkt am gleichnamigen See in den Chugach Mountains. Über den See erreicht man den Gletscher auch am Besten. Mehrmals am Tag fährt das Ausflugsboot Ptarmigan direkt dorthin.

Portage-Gletcher
Portage-Gletcher

Die Fahrt ist lohnenswert, wir kommen mit dem bis nah an die Kante. Der fehlende Sonnenschein verstärkt die blaue Farbe noch, wird erklärt. Auch sonst wird viel Hintergrundinformation gegeben. Manches verstehe ich allerdings nicht. In dem Gebiet fehlen mir leider einige Vokabeln.

Portage-Gletcher

Portage-Gletcher
Portage-Gletcher

Anschliessend biege ich direkt ins Alaska Wildlife Conservation Center (AWCC) ab. Dort finden sich diverse Wildtiere, die in Alaska zu Hause sind, auf einem abgesperrten Areal.

Irgendwie widersinnig, die ganzen Tiere nun wie im Zoo anzuschauen, aber sorry, ich will einfach noch ein paar schöne Tierbilder.

Die Bereiche selbst sind überwiegend gross. Die Bären haben viel Auslauf und können sich auch zurückziehen. Als ich dort bin, ist gerade Fütterung und ich habe die Gelegenheit für ein paar tolle Bilder.

Alaska Wildlife Conservation Center

Alaska Wildlife Conservation Center
Alaska Wildlife Conservation Center

Der Weisskopfadlers Adonis hat einen sehr kleinen Käfig. Allerdings wurde Adonis angeschossen gefunden und ein Flügel musste ihm komplett amputiert werden. Besuch bekommt er ab und zu von ein paar frechen Elstern. Irgendwie tut er mir leid, wie er da so alleine sitzt und den Leuten zuschaut.

Alaska Wildlife Conservation Center

Alaska Wildlife Conservation Center
Alaska Wildlife Conservation Center

Es ist spät geworden und weit und breit kein Campingplatz in Sicht. Ich bin auch ziemlich fertig, da ich auf dem ganzen Areal zu Fuss unterwegs war. Der typische Amerikaner hat das mit dem Auto gemacht.

Ich verlasse die Kenai Peninsula und muss mich noch komplett durch Achorage durchquälen. Kurz danach stockt der Verkehr abrupt. Tatsächlich rennt ein ausgewachsener Elchbulle über den Highway. Er ist viel grösser als die, die ich im AWCC gesehen habe. Jetzt ist mir klar, warum vor einer Kollision so dringend gewarnt wird. Es gibt sie also wirklich, die frei lebenden grossen Tiere. Die ganze Aktion geht so schnell, dass schon alles vorbei ist, als ich die Kamera in der Hand und auf die schlechte Beleuchtung eingestellt habe.

In Eagle River werde ich endlich auf einem staatlichen Campground fündig. Ich bin ganz schön kaputt heute und gehe direkt ins Bett.

Links zu weiteren Berichten und Tipps zur Reise

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