Kanada Alaska Reise

Reisebericht Kanada / Alaska Tag 18-22

Über den Alaska-Highway zurück nach Whithorse

Dienstag, 15.09.2015 – Tag 18 der Alaska Reise

Ich habe schlecht geschlafen, immer wieder waren Autos zu hören. Da habe ich mir schon so meine Gedanken gemacht, in der Nähe einer grossen Stadt. Die Erklärung ist aber simpel: Wie ich haben viele auf einer langen Strecke keinen Campingplatz gefunden. Heute Morgen befinden sich bedeutend mehr Wohnmobile auf dem Platz.

Ich kaufe ein paar Vorräte nach und tanke. Noch immer bekomme regelmässig die Krise, wenn ich der Benzinuhr beim Volltanken zu sehe. Trotz günstigem Preis, ist während des Aufenthalts der Sprit der grösste Kostentreiber. Da ich selber koche, kann ich für einmal Tanken fast eine Woche essen. Der Boardcomputer des Fords zeigt zurzeit 19.1 Liter Diesel pro 100 km.

Über Palmer geht es nach Glennallen. Eigentlich eine schöne Strecke. Nur sieht man wegen des Regens kaum etwas von der imposanten Bergwelt. Nur selten wechselt der Regen in Niesel und lässt einen Blick nach oben zu.

Unterwegs Richtung Glenallen

Unterwegs Richtung Glenallen
Unterwegs Richtung Glenallen

In Glennallen übernachte ich auf dem Northern Nights Campground & RV Park. Einer der wenigen pivaten Campgrounds, die noch aufhaben.

Rhich and poor in Alaska

Auf dem Weg hierher sind mir wieder die unterschiedlichen Behausungen aufgefallen. Manche Einwohner wohnen in Trailern und selbst die sind oft vollkommen heruntergekommen. Viele haben einen regelrechten Schrottplatz um sich herum. Es gibt aber auch schöne Häuser mit gepflegtem Anwesen. Richtig imposante sieht man aber fast nirgends. Und immer deutet ein grosser Tank darauf hin, dass hier mit Propan geheizt wird.

Einige scheinen hier mit sehr wenig Geld auskommen zu müssen. So richtig klar ist mir nicht, von was man hier leben kann. Allein der Aufwand, den man hier treiben muss, um von einem Ort in den anderen zu kommen, ist enorm.

Mittwoch, 16.09.2015 – Tag 19

Hier in Glenallen habe ich sehr gut geschlafen und so geht es heute richtig ausgeruht weiter. Das Wetter bessert sich zunehmend. Manchmal nieselt es noch ein wenig, aber nun kann ich endlich auch die herrliche Bergwelt um mich herum geniessen.

Unterwegs Richtung Tok
Unterwegs Richtung Tok

Immer wieder halte ich an und gehe zu Flüsse und Seen und schiesse einige Bilder.

Unterwegs Richtung Tok
Unterwegs Richtung Tok

Tok

Bereits kurz nach Mittag bin ich in Tok. Daher fahre ich weiter bis vor die kanadische Grenze an den Deadman Lake Campground. Es ist noch einigermassen warm und so mache ich endlich auch ein Feuer. Es macht Spass Holz zu sammeln. Nur schade, dass ich nichts für den Grill habe. Die Portionen sind ja hier so gross, dass ich eine ganze Woche Steak essen müsste, worauf ich bisher keine Lust hatte.

Frecher Vogel in Alaska

Zum ersten Mal bekomme ich Kontakt mit dem Meissenhäher. Die haben sich darauf trainiert, Touristen zu attackieren, die etwas Essbares in der Hand haben. Sobald sie einen erblicken, hüpfen Sie unter klagendem Gefiepe vollkommen angstfrei um den armen Tropf herum. Auch mein Exemplar hier will offensichtlich nicht selber für sein Abendessen sorgen. Ich gebe jedoch nichts ab. Einmal habe ich in Schottland den Fehler gemacht, eine Möwe zu füttern. Eine richtig grosse Möwe. Danach konnte ich Frühstücken vergessen, das Vieh wollte mir sogar mein Müsli aus der Schale wegfressen. Ist schon was dran, an den Schildern, die hier überall stehen: „Keep wildlife wild“.

Verdammt frecher Meisenhäher
Verdammt frecher Meisenhäher

Es ist wirklich herrlich hier. Toller See, toller Sonnenuntergang. Bin fast alleine hier. Nur leider lässt ein paar Stellplätze weiter irgend so ein Idiot seinen Generator rund um die Uhr laufen. Ich habe mich aber so hingestellt, dass ich ihn von meinem Platz aus nicht höre. Es lohnt sich, immer erst eine volle Runde zu fahren und auch mal das Ohr raus zu heben, bevor man den Stellplatz endgültig auswählt.

Deadman Lake Campground
Deadman Lake

Donnerstag, 17.09.2015 – Tag 20

Tote Männer hat es nicht gegeben auf dem Deadman Lake Campground, wenngleich ich dem Depp mit seinem Generator doch am liebsten den Hals umdrehen würde. Wollte eigentlich am See frühstücken, aber der Krach ist unerträglich in der ansonsten tollen Natur. Hat der Idiot keine Batterien? Naja, egal, für mich geht es weiter Richtung Kanada, Whithorse.

Das Wetter meint es gut mit mir. Es ist zwar kalt, aber die Sonne scheint. Und alle möglichen tollen Wolken am Himmel, es sieht wirklich gigantisch aus.

Zurück Richtung Yukon
Zurück Richtung Yukon

Back in Kanada

Nach der USA-Grenze kommt erst einmal 20 Meilen nichts und ich denke mir schon, dass es die Kanadier mit den Grenzkontrollen sehr locker nehmen. Dann heisst es aber doch anhalten und sich von der hübschen Grenzbeamtin interviewen lassen. Bei der Frage, ob ich Feuerwaffen mitführe, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Darauf entschuldigt Sie sich sogar. Sie müsse das halt fragen. Kein Problem. Der Pass wird mir wieder kurz abgenommen. Entweder wird er gescannt oder durch den Computer gejagt, aber immerhin werden hier keine Fingerabdrücke genommen. Auch wird kein Verbrecherbild geschossen wie bei den Amerikanern. Andernfalls hätte ich das ja sicher schon bei der Einreise mit dem Flugzeug über mich ergehen lassen müssen

Grenze nach Kanada
Grenze nach Kanada

Nach der Grenze wird die Strasse teilweise extrem schlecht. Es wird auch viel gebaut. Wie so oft leitet ein Pilot-Car durch die teils einspurige ewig lange Baustelle.

Pilot Car in der Baustelle
Pilot Car in der Baustelle

Pine-Lake

Vorbei am Kluane Lake, der von seiner Grösse und dem Wellengang eher an ein Meer erinnert, biege ich in Haines Junction links Richtung Whitehorse ab. Kurz danach nehme ich einen staatlichen Campground am Pine-Lake. Noch immer ist herrliches Wetter und ich schiesse viele Fotos.

Pine-Lake
Pine-Lake

Aber auch hier scheint es gebrannt zu haben, wieder einmal sehen einige Bäume sehr danach aus.

Pine-Lake
Pine-Lake

Noch einmal mache ich ein Feuer und sitze davor, bis es mir zu kalt wird.

So langsam heisst es Abschied nehmen von meiner rollenden Behausung. Morgen Nachmittag muss ich mich um die Reinigung des Gefährtes kümmern. Heute in den Baustellen ist es wieder sehr dreckig geworden. Übermorgen Mittag ist dann schon die Rückgabe.

Freitag, 18.09.2015 – Tag 21

Auch wenn auf der Sitzbank draussen eine dünne Eisschicht liegt, mag ich überhaupt nicht weiter. Die Sonne scheint, es ist unheimlich klar und die Luft tut gut. Ich laufe erstmal am Ufer des Pine-Lake entlang und mache noch mehr Fotos. Entweder bin ich noch nicht wach genug, oder die Viecher sind einfach zu schnell: Ich kann keines der vielen Eichhörnchen auf die Speicherkarte bannen.

Schliesslich fahre ich dann doch weiter auf dem Alaska Highway durch die herrliche Berglandschaft. Auf diesem Abschnitt gibt es wenig Möglichkeiten zu halten. Einen schönen Stopp – mit dem inzwischen obligatorischen Meisenhäher-Besuch – finde ich an einer historischen Holzbrücke.

Whitehorse voraus liegt unter einer bedrohlich wirkenden dunklen Wolkenfront.

Whitehorse voraus
Whitehorse voraus

Es regnet aber nicht in Whitehorse. Ich übernachte am Pioneer RV Park. Ein privater Campingplatz und von der Lage her direkt an der Strasse. Wenig schön. Aber im Moment einfach praktikabel mit Tankstelle, Wanschanlage und Full Hook Up.

Samstag, 19.09.2015 – Tag 22

Beim Frühstück ist Reste-Essen angesagt. Ich habe wirklich so ziemlich alles verputzt. Es fällt dementsprechend etwas knapp aus. Dann kommt das grosse Packen. Gefühlte tausend Teile, die alle irgendwo im Camper rum liegen, müssen in den armen Koffer rein.

Endlich ist alles gepackt und es geht zurück zum Vermieter Fraserway. Den Camper habe ich schon gestern gewaschen. Ganz glücklich bin ich damit nicht, aber besser war es mit den Waschlanzen nicht möglich. Die Dame ist zufrieden und auch ansonsten ist alles in Ordnung.

Wenig später bin ich dann wieder bei Pam und Bernie in dem schon bekannten Bed & Breakfast. Nach dem Auspacken schlage ich mir die Zeit mit etwas Sonne tanken -ja die Sonne scheint jetzt auch in Whitehorse-, ein paar letzten Einkäufen und einem längeren Spaziergang tot. Von der Anhöhe, die die Stadt von dem Flughafen trennt, hat man einen schönen Blick auf die Stadt. Man sieht sehr deutlich, wie sauber rechtwinklig die Strassen angelegt sind. Das wirkt für unser europäisch geprägtes Auge seltsam, hat aber den Vorteil, dass man in jeder Stadt die i.d. R. durchnummerierte Querstrasse schnell findet.

Whitehorse
Whitehorse

Sonntag, 20.09.2015 – Tag 23

Da der Flieger erst am Abend geht, mache ich nochmal einen ausgedehnten Spaziergang. Bernie bietet mir an, mich zum Flughafen zu fahren. Ich nehme gerne an und gebe ihm meine restlichen Dollars dafür. Und dann sitze ich auch schon hier in der grossen Menschenmenge und warte auf meinen Flug

Fazit Kanada/Alaska

Und wie war es denn nun? Klasse! Trotzdem habe ich für mich persönlich ein paar Einschränkungen. Ich merke immer mehr, dass ich keinesfalls ein Weltreisender bin, auch kein verkappter. Ich liebe es, auch mal ein paar Tage an einem Ort zu bleiben. Jeden Tag abbauen, den ganzen Tag fahren und dann wieder aufbauen, ist gar nicht mein Ding. Das ist bei einer dreiwöchigen Reise so weit weg gar nicht so einfach. Man hat fast eine Art psychologischen Druck, gewisse Dinge sehen zu müssen. Manche, mit denen ich unterwegs redete, waren total erstaunt, dass ich mir Dempster Highway und Fairbanks nicht gegeben habe. Für mich waren die kurzen Etappen mit den Stellplätzen am Meer auf der Kenai Peninsula aber wichtiger, als z.B. die Überquerung des Arctic Circle. Ich bereue nur etwas, die Nordlichter verpassst zu haben. Anfangs schaute ich immer mal wieder nachts raus. Die letzten zwei Nächste habe ich aber einfach verpennt und genau dann gab es sie zu sehen.

Auf dem Flughafen in Whitehorse ist mir ein älterer Deutscher aufgefallen, der Unmengen von Gepäck dabei hatte. Im Flugzeug stellte sich dann raus, dass er meinen Sitznachbar kannte und vier Monate abseits der Zivilisation in seiner Hütte gelebt hat. Ich habe zwar die einsamen Strassen und die Ruhe auch sehr genossen und geschätzt, aber das wäre für mich zu viel bzw. zu wenig Sozialkontakt.

Auch auf dem Flughafen hat ein älterer Deutscher seinen Enkel verabschiedet. Wie ich dem Gespräch entnehmen konnte, scheint er in Whitehorse oder Umgebung zu wohnen. Für mich persönlich wäre Kanada aber nicht das Auslanderungsland erster Wahl. Wie mir die Angestellte von Fraserway, die übrigens aus der Schweiz kam, erzählte, ist der Verdienst gering und die Mieten sogar über Schweizer Niveau.

Alternative zu Kanada / Alaska?

Muss man unbedingt dort gewesen sein? Wenn man weite, imposante Landschaften mit Bergen und Seen liebt, dann sollte man. Fehlt das Geld dazu, gibt es m. E. durchaus Alternativen. Eine wäre meines Erachtens Schottland. In Skandinavien war ich noch nie, aber auch das käme sicher als ein passendes Ziel in Frage. Aber selbst wenn hierzu das Geld nicht reicht, sind auch hierzulande atemberaubende Naturschauspiele nicht ausgeschlossen sein. Wegen Renovation meiner Mietswohnung wohnte ich im Winter 2015 im Schwarzwald. Ausblicke wie diesen hier, sah ich in der Zeit fast täglich auf dem Weg zur Arbeit:

Alaska Alternative
Alaska Alternative?

Wer Abenteuer braucht, kann sich auch mit Rucksack in den Schwarzwald abseits der Hauptrouten auf den Weg machen. Beim Frühstückskaffee kann das Wildschwein im Unterholz nebenan den Puls durchaus auch kurz hochjagen.

Befremdlich waren die extrem vielen Jäger für mich. Wobei das -bis auf einmal- eine absolut friedliche Koexistenz war. Sieht man die vielen heruntergekommenen Trailer, kann man sich auch gut vorstellen, dass der ein oder andere seinen Elch durchaus nicht zum Spass schiesst.

Das Leben im Camper war genau mein Ding. Alles was es zum Leben braucht in Griffweite, da bleiben wo es einem gefällt – genial. Das Thema ist sicher nicht abgeschlossen.

Links zu weiteren Berichten und Tipps zur Reise

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