Wandern auf dem Schweizer Jakobsweg


25. Mai 2017

Ich wollte ausschlafen. Doch ausschlafen heißt bei mir in letzter Zeit 7:00 Uhr. Das liegt aber nicht an einer Schlafstörung, sondern daran, dass ich im Moment einfach immer relativ früh raus muss. Der Rucksack ist gepackt, trotzdem brauche ich Zeit. Ich habe schließlich frei und bin nicht auf der Flucht. Mein Bus geht kurz vor 9:00 und ich werde um halb zwölf an meinem Startpunkt Einsiedeln sein.

Andere Leute sind über die Feiertage auch unterwegs, hoffentlich verläuft sich das. In Zürich muss ich umsteigen. Zwei Kinder laufen an mir vorbei »Lug de Zug steht da vorne!«
Stimmt, ich hätte ihn glatt übersehen, da ich am falschen Ende des Bahnsteiges aus der Unterführung gekommen bin.

Oha, riesige Familienverbünde mit Wanderausrüstung. Ich beschließe, entgegen dem Rat meiner Arbeitskollegen von gestern, doch noch eine Wanderkarte zu kaufen, damit ich mich notfalls nach weniger frequentierten Nebenrouten umsehen kann. Was nützt mir die tolle Beschilderung der Wanderrouten, wenn ich nicht weiß, wo die Orte liegen, die da ausgeschildert sind? Manchmal habe ich den Eindruck, die Schweizer kennen jeden kleinen Ort in ihrem Land.
In Wädenswil am Zürichsee steige ich nochmal um und anschließend windet sich die S-Bahn schon recht mühevoll auf den auf 882 Meter gelegenen Bahnhof Einsiedeln.

Schließlich bin ich da. Der Weg ist schnell gefunden und ich bin endlich draußen. Das Wetter ist perfekt und es geht eben den Fluss Alb lang. Vom Jakobsweg ist hier nur wenig zu spüren. Nur selten erinnert ein Schild dar an.

Auch sieht man zwar jede Menge andere Wanderer, aber aufgrund der Rucksackgröße sind die wohl kaum nach Santiago unterwegs. Ich ja auch nicht. Aber schließlich macht es praktisch kein Unterschied, ob man 4 Tage oder mehrere Wochen unterwegs ist. Mehr als die Klamotten für 3-4 Tage kann man vernünftigerweise eh nicht mitnehmen. Auf dem Jakobsweg ist man ständig irgendwas am Auswaschen.

Ich verlasse schließlich den Jakobsweg Richtung Brunni. Denn ich habe den großen Mythen auf dem Programm und der gehört nicht dazu. In Brunni treffe ich Walti. Walti ist quasi mein Vorgänger in meiner jetzigen Arbeitsstelle. Er ist mit seiner Frau und der Tochter auf einer Tagestour unterwegs und hat die Besteigung des Mythen bereits hinter sich.

Ich tanke noch ein paar Kalorien auf (der Eiweissriegel im Garagenverkauf ist super) und quäle mich Richtung Holzegg. Tatsächlich ist es nun doch sehr anstrengend, der Weg windet sich, meist in der Sonne zur Bergstation der Seilbahn Brunni – Holzegg. Gingen die ersten Kilometer trotz schwerem Rucksack extrem gut, zieht er jetzt ganz schön schwer auf dem Rücken.

Oben angekommen nutze ich erst einmal die Toilette. Ein Franken wenn man nichts konsumiert, das ist OK. Jetzt noch auf den Mythen rauf? Liegt nicht drin. Dazu reicht die Kondition nicht. Also Nachtlager suchen. Wassermäßig bin ich gut ausgestattet. Tatsächlich finde ich unweit der Bergstation eine Senke, in der ich geschützt mein Zelt aufbauen kann. Premiere für mein ZPacks Zelt. Ultraleicht und als Gestänge dienen die Wanderstöcke.


Proviant habe ich dabei. Es gibt Fertig-Nudeln Bolognese. Zuhause würde ich sowas nie essen, aber unterwegs schmeckt das immer zehnmal besser. Zumindest mir.
Ich gehe früh zu Bett oder besser »zu Schlafsack«, denn ich fühl mich recht schlapp.
Nachts treibt mich die Blase nach draußen. Es ist richtig kalt. Aber was für ein Sternenhimmel! Also flux die Kamera und das Stativ geschnappt und Nachtaufnahmen geschossen. Mir wird dabei immer kälter, aber egal. Bilder vom beleuchten Zelt im Wiesner-Style. Natürlich nicht in seiner Qualität. Milchstraße. Berg mit Sternen. Ich bin gespannt auf die Ausbeute. Unterwegs kann ich es nicht vernünftig beurteilen. Beide Sony-Kameras haben zwar WLAN, aber mein Neffos C5 Max mag nicht verbinden. Ich denke es liegt am billigen Handy, nicht an den Sonys. Dabei habe ich die Sony alpha 6000 mit Samyang 12mm Festbrennweite für Landschafts- und Nachtaufnahmen und die Sony DSC RX100 V, die ich als neue „Immer-dabei-hab“-Kamera auserkoren habe. Das 60mm Sigma für die alpha hätte ich daheim lassen können, denn die Brennweite wird durch die RX abgedeckt.

26. Mai 2017

Geschlafen habe ich sehr gut. Klar, immer mal wieder aufgewacht. Es kam zwar sehr, sehr kalt zum Zelt herein und ich musste ein Schlafsack-Inlay noch rauskramen, konnte mich aber entsprechend einkuscheln und habe nicht etwa vor Kälte gezittert.
Wieder nutze ich die Toilette nach bravem Zahlen des Frankens. Als ich meine Wasserflaschen auffülle, werde ich darauf hingewiesen, dass das kein Trinkwasser sei. Natürlich mit dem Hinweis, dass man oben im Restaurant Mineralwasser kaufen könnne. Das Schild habe ich natürlich gesehen. Immerhin lässt man mich gewähren. Ich habe meine Trinkwassertabletten dabei. Und nach einer halben Stunde unterwegs in der Sonne würde das Wasser vom Restaurant auch nicht mehr besser schmecken als das mit den Tabletten »gereinigte«.
Außer mir scheint die halbe Schweiz unterwegs auf den großen Mythen zu sein.

Kann ich nicht ändern.
Der Aufstieg hat es in sich. Immer wieder loses Geröll. Und immer wieder eine grandiose Aussicht. Es hat sich schon jetzt gelohnt die Alpha mit dem Samyang mitzunehmen. Das Samyang hat zwar nur einen manuellen Fokus, aber ich schieße einfach mit Blende 9 und Entfernung kurz vor Unendlich.


Ich brauche jede Menge Pausen. Und bin so ziemlich der langsamste. Kenne ich vom Jakobsweg. Egal. Die Schnellen können den tollen Ausblick gar nicht mitbekommen.
Die Aussicht oben ist der Hammer. Vierwaldstätter See, Zuger See, Schwyz, Brunnen und jede Menge Berge, die ich nicht kenne.Und jede Menge Leute. Das schmälert den Stolz zwar etwas, denn auch Opa, Oma und Kleinkind sind hier auf 1998 Meter. Aber wenn ich denke, wie ich vor einem Jahr auf den Blauen hochgekrochen bin…

Oben gönne ich mir Kalorien. Viele Kalorien. Zwei Cola, ein Nussgipfel und ein Kägi Frett. Dir Nussgipfel sind bekannt, ich finde sie nicht schlecht, aber auch nicht wirklich berühmt.
Der Abstieg wird deutlich schwieriger. Ich bin froh über meine Stöcke. Ich werde von einem Bergsteiger angesprochen.
»Hast biwakiert?«
Oh, gibt es jetzt Ärger?
Ich erkläre ihm, dass ich nicht auf dem Gipfel, sondern unten auf der Wiese übernachtet habe und schöne Nacht-Aufnahmen gemacht habe.
Sicherheitshalber erzähle ich ihm nicht, dass das kein Biwak, sondern ein richtiges Zelt habe.
Aber er findet es cool und so trennen sich unsere Wege stressfrei.
In der Schweiz ist Zelten generell nicht verboten. Allerdings in manchen Gegenden schon. Die »Bussen« sind unterschiedlich hoch.
»Oh, du hast fotografiert.«
Zum dritten Mal in Holzegg angekommen bin ich längst noch nicht unten. Es geht weiter runter zur Stadt Schwyz. So langsam merke ich es in de Knien. Zwar keine Schmerzen, aber es fühlt sich so an, als würde ich morgen einen ordentlichen Muskelkater haben.
Wasser will ich hier oben nicht noch einmal auftanken, also gleich direkt weiter. Es geht in der Nähe eines Bachs lang. Nur komme ich da nicht hin, er ist abgezäunt. Das liegt sicher auch daran, dass hier im Sommer Kühe weiden und die das Wasser nicht verunreinigen sollen.
Endlich komme ich an einen Brunnen. Das Wasser wird hier über eine wenig vertrauenserweckende Holzrinne geleitet und so kommt sicherheitshalber mein Wasserfilter zum Einsatz. Alle Schweizer werden mich dafür jetzt zwar schlagen.


Durch viel Wasser frisch gestärkt gehe ich weiter. Eigentlich wäre hier ein schöner Platz zum Übernachten. Und fast niemand ist hier unterwegs. Aber es ist noch sehr früh. Daher beschließe ich doch, weiter abzusteigen. Der Weg ist zwar nicht mehr so beschwerlich wie vom Mythen runter, aber es bleibt anstrengend.
In Schwyz angekommen, gönne ich mir die schon fast obligatorische große Cola. Einfach extrem lecker nach so einer Anstrengung.
Die Wirtin rät mir, den Bus nach Brunnen zu nehmen. Ich will jedoch nicht cheaten und gehe los. Ich ändere jedoch bald meine Meinung. Es ist heiß und der Weg führt die ganze Zeit eine vielbefahrene Straße lang. An der nächsten Bushaltestelle habe ich genug und fahre mit dem Bus.
In Brunnen angekommen laufe ich zum ersten Campingplatz. Dort weist man mich ab. Es sei voll. Habe ich mit einem Zelt noch nie erlebt. Den zweiten rufe ich an. Auch dort kein Platz. Unterkünfte weist booking.com nur jenseits der 150 Franken Marke aus. OK, also wild campen. Etwas weiter vorne standen hier zwar Schilder, aber es ist unklar, wo es genau gilt. Problem ist nur, dass das Ufer auch als Partymeile benutzt wird. Meine direkten „Nachbarn“ sind ok. Sie meinen auch, dass das Zelt kein Problem sein sollte. Ich bekomme sogar ein Bier ab. Aber weiter vorne hat sich eine große Meute zusammen gerottet. Na ja. Ich habe ja Ferien. Erst einmal schaue ich mir den Campingplatz noch genauer an. Mit großen Augen sehe ich eine Zeltwiese, die kaum besetzt ist. Was soll das denn? Das war vorhin offenbar ein Fall von »Wegen Reichtum geschlossen« oder »Mir passt deine Nase nicht«. Werde den Platz aber so sicher nie mehr anlaufen. Zelttouristen kann ich Brunnen also überhaupt nicht empfehlen.
Die Toiletten benutze ich ohne Gewissensbisse und schlendere noch gemütlich über den Platz, da ich durchaus auf einer Begegnung mit dem Besitzer aus bin. Diese bleibt aber aus.
Meine direkten Nachbarn sind schon bald weg. Sie wollen sich noch in der Stadt treffen. Ich nutze noch etwas die blaue Stunde zum Fotografieren und lege mich aufs Ohr.

Das versoffene Gegröle der anderen Gruppe wird jedoch immer lauter. Könnte ich wählen, würde ich sie liebend gerne gegen ein paar der Frösche eintauschen, die mir von der anderen Seite her was vorquaken. Sie sind wirklich nervig. Die Menschen, nicht die Frösche.
Irgendeiner leuchtet jetzt auch noch mein Zelt an. Ich stecke den Kopf raus.
»Und? Jetzt hast du gesehen, dass hier ein Zelt ist. Kannst also abziehen.«
Anscheinend mache ich Eindruck, er entschuldigt sich und zieht Leine. Trotzdem mache ich mir die Ohrstöpsel rein und schlafe irgendwann ein.

27. Mai 2017

Reichlich früh weckt mich die Sonne. Wegen meines unklaren Platzstatus mache ich mich nach meinem etwas kargen Frühstück bald vom Acker. Die Vorräte gehen zur Neige. Ich gehe noch einmal über den Campingplatz, treffe aber wieder den Besitzer nicht.


Vorräte auftanken, ist angesagt. Das mache ich im Coop. In einer Bäckerei gönne ich mir auch noch ein ausführlicheres Frühstück, bevor ich die Bootsstation aufsuche.
Heute geht es zuerst mit dem Boot über den Vierwaldstätter See nach Treib.
Von dort geht es gleich mal anständig hoch. Die Sonne kommt raus und es wird sofort sehr warm.
Immer wieder habe ich zwar einen tollen Blick auf den Vierwaldstätter See und den großen und kleinen Mythen. Doch ich muss wegen der Temperaturen viele Pausen machen.


Der Weg wechselt schließlich in einen Waldpfad oberhalb des Sees. Links Felswand, rechts gehts runter zum See. In der Jakobsweg-Beschreibung steht nur für »trittsichere und schwindelfreie Pilger«, aber es ist deutlich weniger heftig wie den grossen Mythen rauf und runter. Irgendwie habe ich es wohl geschafft, eine leichtere Variante des Weges mit einer schwereren zu mischen, denn ich bin etwas anders gelaufen, als in der offiziellen Wegbeschreibung beschrieben.
Schließlich steige ich zum See ab und komme an einem Waserfall vorbei.
Mehrmals quert der Weg den Wasserfall und so kann ich den eingebauten ND Filter der kleinen Sony testen.

An der untersten Brücke kommt mir eine Horde Goofen entgegen. Einer zeigt auf mein Gorillapad Stativ. „Was ist das?“
Ich beginne es ihm zu erklären, höre jedoch auf, als der Bengel versucht, mir das Stativ aus der Hand zu ziehen.
Mit einem »Du nimmst da jetzt die Finger weg“ stecke ich es wieder ein. Ein Grundmaß an Erziehung halte ich auch in der heutigen Zeit nicht für unnötig. Ich habe meine Fotos und ziehe daher weiter. Etwas abseits suche ich mir einen Platz und springe in den See. Ahhh, tut das gut.
Es hält nur nicht lange vor. Es ist so heiß, dass ich sofort wieder verschwitzt bin.


Und der Weg zieht sich. Ich muss heute nach Buochs. Dort habe ich einen Campingplatz ausgemacht. Dieses mal war ich schlauer und habe mich telefonisch erkundigt. Ich soll dort noch sicher einen Platz bekommen.
Der ist sauber und gut durchorganisiert. Charme fehlt ihm aber etwas. Es sind kaum Bäume vorhanden und alles ist staubtrocken. Immerhin gibt es kalte Getränke zu vernünftigen Preisen. Auch deuten einige Setzlinge darauf hin, dass man hier in einigen Jahren immerhin einige Schatten spendende Bäume haben wird.
Mit Mühe haue ich die Heringe in den Boden. Zum Schlafen nehme ich gleich die Ohrstöpsel. Wohl auch keine schlechte Idee.

28. Mai 2017

Am nächsten Morgen erzählt mir mein Nachbar, dass er wegen unseren feiernden Nachbarn nicht schlafen konnte. Ich dank der Ohrstöpsel schon.

Ich laufe nach Stans. Lange geht es den Fluss Aa entlang. Das bringt angenehme Temperaturen. Allerdings nehme ich einmal die falsche Abzweigung und laufe einige Kilometer Umweg.
In Stans angekommen, wartet schon die fesche S-Bahn nach Luzern. Fesch deshalb, da sie Oberlichter hat und man so noch mehr nach draußen sieht.
Als ich in Basel ankomme, ist es so heiß, dass ich sofort nach Hause flüchte.

Fazit Jakobsweg Schweiz

Hier zu wandern empfand ich als ganz anders als in Spanien auf dem Nordweg. Ich habe nur wenige Leute gesehen, die soviel Gepäck, wie ich, dabei hatten.
Trotzdem waren viele anderen Wanderer unterwegs. Ich kam hier aber mit deutlich weniger ins Gespräch.
Low Budget Touristen haben es hier sicher auch schwer. Die Schweiz ist halt ein teures Land.
Toll ist die Landschaft. Auch ist wild zelten in der Schweiz eher möglich.

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