Wandern in Schweden

Wandern in Schweden . Auch im Urlaub kann mal etwas nicht so klappen wie geplant. Wie es mir in meinen Wanderferien in Schweden ging, ließt du hier.

28. Juli 2018

18.1 kg! So schwer ist mein Rucksack, als ich ihn als Gepäck am easyJet Schalter aufgebe. Dazu kommen sicher noch einmal 3 kg für Brennstoff und Wasser. Dabei habe ich schon drei Mal umgepackt und jedes Mal etwas Gepäck abgespeckt. Und das meist zu Lasten der Klamotten, denn das, was das Essen so schwer macht, kann ich nicht weiter abspecken: Essen für 12 Tage.

Es soll auf eine Wanderung nach Schweden gehen, genauer gesagt in den Sarek Nationalpark. Es soll, aber das wird so nicht klappen, denn mein Rücken ist für die 21.1 kg nicht stark genug, meine Kondition ist dem Laufen in weglosem überwucherten Gelände nicht gewachsen und unsere Navigationskenntnisse sind zu schlecht für die Wildnis. Und der Sarek ist wirklich Wildnis.

Ich kürze den Bericht daher ab…

30. Juli 2018

Heute kaufen wir in Stockholm noch ein paar Sachen ein und fahren Abends mit dem Zug in den Norden. Da ich unterwegs schon das Gefühl habe, gleich zusammen zu brechen, sortiere ich nochmal alles durch. Heimschicken ist bei den Portopreisen keine wirkliche Option. Ich werfe einen Sack mit zwar viel Volumen, aber höchstens 2 kg Gewicht weg. Und jetzt darf eigentlich nichts mehr schief gehen. Also ich zum Beispiel komplett ins Wasser fallen. Naja, die zwei Rettungsdecken für den absoluten Notfall hab ich aber doch noch behalten, insofern…

Stockholm

Vor der Abfahrt wird es stressig. Wo gibt es Spiritus? Nachdem ich gefühlt durch ganz Stockholm gerannt bin: Es gibt ihn in Schweden in Tankstellen.

Der Nachtzug fährt mit 10 Minuten Verspätung ab. Ich kann im Zug sogar recht gut schlafen.

31. Juli 2018

Wir kommen pünktlich an in Murjek. Von dort machen wir uns mit dem Bus auf nach Kvikkjokk. Der jagt kurz ein Rentier vor sich her. Wie ich finde nicht ganz clever: Das Tier rennt die Strasse lang, wahrscheinlich kann es nicht einfach seitlich ins Dickicht. Der Bus will eben links vorbei fahren, als links eine Einbuchtung kommt, die der Elch nimmt. Beinahe Vollbremsung, gerade nochmal gut gegangen.

Unnötige „Rentier-Jagd“

Von Kvikkjokk fliegen wir mit dem Helikopter nach Staluluokta. Der Flug ist wirklich ein Erlebnis, auch wenn er die Reisekasse stark belastet hat und ich ihn als Alleinreisender nicht gebucht hätte.

Mit dem Helikopter nach Staluluokta
Mit dem Helikopter nach Staluluokta

Und dann geht es los, wir finden den Weg nicht. Schließlich lassen wir uns übermüdet durch die Navi-App fehlleiten. Immerhin campieren wir wunderschön an einem kleinen See, aber nur wenige Kilometer von Staluluokta entfernt.

1. September 2018

Schon wieder sind wir uns wegen des Weges nicht sicher. Wir fragen eine Frau, die hier eine „Cabin“ hat. Sie würde den Weg nicht gehen, meint sie, erklärt ihn uns aber trotzdem. Was hat uns nur dazu bewogen, es trotzdem zu versuchen? Das Gestrüpp ist hoch, man kommt kaum durch, Sumpf, der Rucksack ist zu schwer und Millionen von Mücken. Nein, das macht mir definitiv keinen Spaß. Wir übernachten irgendwo im nirgendwo.

Sarek Nationalpark

02. August 2018

Wir haben beschlossen auf dem Padjelantaleden zu laufen. Auf dem sind wir schon, aber auf der alten Variante. Wir sehen zwar mal immer wieder vereinzelt Trampelpfade, die sich aber dann wieder im Nirgendwo verlieren.

Die Bergumrundung  zieht sich, wieder Gestrüpp, Sumpf, viele Seen, die umrundet werden müssen und überhaupt nicht wie auf der Karte aussehen.

Endlich, Arasluokta in Sicht!

Schließlich sehen wir Arasluokta, wo sich alter und neuer Padjekantaleden treffen.

Als wir an das Meer wollen, stellt sich uns eine alte Frau in den Weg. Wir dürfen nicht weiter, wir können bei Ihr zelten. Ich glaube sie wollte so umgerechnet 20 Euro. Ich bin sauer.

Wir zelten etwas ausserhalb ihres Grundstücks.

03. August 2018

Es regnet. Na toll. Wir liegen im Zelt. Schließlich hört es auf und wir laufen kurz vor 17 Uhr dann doch noch los. Da es praktisch die ganze Nacht hell bleibt, ist das ja weniger ein Problem. Die Zwangspause hat gut getan, ich fange sogar wieder an zu fotografieren. Schließlich campen wir irgendwo auf dem Weg. Der ist jetzt wenigstens immer deutlich sichtbar.

Padjelantaleden

04. August 2018

Unsere Wäsche ist sogar über Nacht getrocknet. Die Nacht war zwar kalt, aber auszuhalten. Immerhin ist es jetzt auch tagsüber nicht mehr so heiß, was zum Wandern viel angenehmer ist. Der Rucksack drückt weniger, wir haben einen Fluss gefurtet, Rentiere und einen Frosch gesehen.

Padjelantaleden

Am Abend haben wir das Zelt etwas zu panikartig aufgestellt. Ein entgegenkommender Wanderer hat behauptet, nach zwei Kilometern gäbe es keinen geeigneten Flächen mehr. Zudem ist alles klamm, weil es wieder regnet.

05.  August 2018

Padjelantaleden

Diese Nacht habe ich schlecht geschlafen, was wahrscheinlich am Boden lag. Immerhin geht nach dem Frühstück das Wetter auf und die Sonne kommt sogar. Wir sehen immer mehr Rentiere. Heute vormittag komme ich richtig gut mit dem Rucksack klar. Nach einer ausgiebigen und langen Mittagspause wird es aber am Nachmittag dann doch wieder zum K(r)ampf.

Immerhin haben wir einen schönen Zeltplatz am Fluss in den wir zur abendlichen Erfrischung auch noch reingehüpft sind.

Padjelantaleden

06. August 2018

Heute morgen klappt es wieder ganz gut und ich fange sogar an ein bisschen zu filmen. Allerdings folgt auch heute wieder der nachmittägliche Durchhänger.

Padjelantaleden

07. August 2018

Heute Nacht hat es wieder stark geregnet, ich wache auf mit Halsweh und komme kaum vom Fleck. Wir passieren einen beeindruckenden tosenden Fluss. Dann kommen wir in die Nähe von Vaisaluokta, wo wir erstmal in Enos Cafe einkehren und uns die Zeit vertreiben bis uns das Schiff über den See nach Ritsem bringt. Wir zelten dort direkt am See.

Bei Ritsem

08.  August 2018

Mit dem Bus geht es heute nach Kebnats / Salto. Von dort mit dem Boot nach Saltoluokta, wo wir die nächsten Tage bleiben. Es gibt endlich eine heiße Dusche!

Ich verbringe die Zeit hauptsächlich mit erholen. Interessante Kirchen gibt es hier. Von außen sehen die ein bisschen wie eine Hobbit-Höhle aus. Innen Felle auf dem Boden. Sieht bedeutend einladender aus, als so eine kalte Kirche.

Kirche in Saltoluokta
Kirche in Saltoluokta

Wir reisen schließlich mit dem Bus nach Kiruna und fliegen von dort via Stockholm heim. Im Nachhinein würde ich hier eher wieder die Variante mit dem Nachtzug wählen, da Kiruna für mich nicht wirklich sehenswert scheint.

Fazit Schweden

Wandern in Schweden hat sich als deutlich härter als zum Beispiel Wandern auf dem Jakobsweg herausgestellt. Bleibt man auf festen Wegen ist es zwar einfacher, jedoch ist die Menge (und das Gewicht!) an Essen, die man mitführen muss, eine echte Herausforderung.

Will man gar querfeldein laufen, braucht man sehr gute Navigationskenntnisse. Mal erfolgreich im Schwarzwald querfeldein gelaufen zu sein, reicht überhaupt nicht aus.

Ich werde sicher wieder „fernwandern“, aber nur auf Wegen, bei denen ich spätestens nach drei Tagen wieder Verpflegung „nachtanken“ kann.

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