Nachtfotografie aber richtig – Learnings aus missglückter Polarlichtfotografie

Zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2026 von Lars

Im Jahr 2025 gab es mehrere gut sichtbare Polarlichter auch in unseren Breiten.
Im November war ich selbst unterwegs, um Polarlichter zu fotografieren – mit wenig Erfolg. Mehr dazu in diesem Video.

In den Kommentaren kam zu Recht der Hinweis, dass man eine solche Aufnahme vorher mit dem Objektiv üben sollte. Das hatte ich nicht getan. Erschwerend kam hinzu, dass es vor Ort keinerlei Licht zur manuellen Fokussierung gab. Ich habe zu weit in Richtung Unendlich fokussiert, wodurch die Aufnahmen unscharf wurden.

Für das nächste Mal habe ich mich daher genauer mit dem Thema beschäftigt.

Polarlichter fotografieren❓So nicht ❗️Learnings Nachtfotografie

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Warum Objektive bei "Unendlich" nicht am Anschlag enden – und warum das sinnvoll ist

Der exakte Unendlich-Fokus liegt nicht immer an derselben mechanischen Position. Objektive bestehen aus Glas, Metall und Kunststoffen. Diese Materialien dehnen sich bei Wärme aus und ziehen sich bei Kälte zusammen. Schon geringe Temperaturunterschiede können die Lage der Linsenelemente minimal verändern – ausreichend, um den Fokus messbar zu verschieben.

Hinzu kommen Fertigungstoleranzen. Kein Objektiv ist mechanisch völlig identisch mit einem anderen. Ein fester mechanischer Anschlag bei ∞ würde dazu führen, dass manche Objektive oder bestimmte Umgebungsbedingungen kein korrektes Scharfstellen auf Unendlich mehr zulassen würden.

Bei modernen Objektiven kommt ausserdem der Autofokus hinzu. AF-Systeme müssen den Fokuspunkt überfahren und anschliessend exakt zurückfinden können. Ein kleiner Bereich "„"über Unendlich" stellt sicher, dass der Autofokus zuverlässig arbeitet.

Das Ergebnis: Das zusätzliche Spiel am Fokusring ist Absicht. ∞ ist eine Orientierung, kein garantierter Endpunkt. Ohne visuelle Referenz ist exaktes Fokussieren auf Unendlich schwierig.

Hat man vor Ort keinen geeigneten Anhaltspunkt, bleibt oft nur eine Taschenlampe oder eine andere Lichtquelle, um vorab korrekt manuell zu fokussieren.

Was sind SSM-Objektive?

SSM steht für Super Sonic Motor. Dabei handelt es sich um eine Ultraschall-Autofokus-Technik von Sony (ursprünglich Minolta). Der Begriff beschreibt ausschliesslich den Autofokusmotor eines Objektivs.

SSM-Objektive zeichnen sich typischerweise aus durch:

  • leisen Autofokus
  • gleichmässige Fokusbewegungen
  • gute Eignung für Foto und Video

SSM sagt jedoch nichts über die optische Qualität, die Lage des Unendlich-Fokus oder die Präzision der manuellen Fokussierung aus.

Warum SSM-Objektive beim manuellen Fokussieren keinen Vorteil garantieren

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass SSM-Objektive automatisch "durchgehend scharf stellen" oder sich besser manuell fokussieren lassen. Das ist nicht korrekt.

Die manuelle Fokussierung hängt ab von:

  • optischem Design
  • mechanischer Umsetzung des Fokusrings
  • Fokusweg und Übersetzung
  • Kameraunterstützung (Fokuslupe, Peaking)
  • Übung des Fotografen

Der verwendete Autofokusmotor spielt dabei kaum eine Rolle. Auch SSM-Objektive können im Dunkeln danebenliegen, wenn ohne Referenzpunkt fokussiert wird.

Warum andere Objektive ebenfalls geeignet sein können

Objektive mit anderen Motortypen (z. B. Schrittmotoren oder Linearmotoren) können genauso präzise sein. Unterschiede zeigen sich eher im Geräuschpegel, im Fokusverhalten bei Video oder in der AF-Geschwindigkeit – nicht jedoch in der grundsätzlichen Fähigkeit, korrekt auf Unendlich zu fokussieren.

Für Nacht- und Astrofotografie ist entscheidend:

  • manuelles Fokussieren
  • Nutzung von Fokuslupe
  • vorheriges Üben
  • kontrollierte Testaufnahmen

Fazit Nachtfotografie

Das Scheitern meiner Polarlicht-Aufnahmen lag nicht am Objektiv, sondern an fehlender Vorbereitung und fehlenden Fokus-Referenzen. Der Unendlich-Anschlag ist bewusst kein fixer Punkt, und darauf kann man sich nicht verlassen.

SSM-Objektive sind technisch hochwertige Autofokus-Objektive, bieten aber keinen besonderen Vorteil beim manuellen Fokussieren in der Nacht.

Für das nächste Mal gilt:
vorher üben, Fokus markieren, Lupe nutzen – und nicht auf ∞ vertrauen.

Nächste Schritte Nachtfotografie

Ich denke am einfachsten übt es sich mit Nachtaufnahmen, wo es Lichter gibt, auf die man problemlos fokussieren kann. Das erleichtert schon mal viel.

Häufig habe ich dann das Problem, dass die Lichter ausbrennen. Nach dem Video von Siegfried Eichhorn kann man hier dann durchaus auch mal die Blende weit schliessen (16-20).

Dann stellt man Belichtungszeit und ISO entsprechend ein, sodass der Belichtungsmesser unten auf 0 steht.

belichtungsmesser

Hat man Sterne auf dem Bild, sollte man die Belichtungszeit nicht über 15 Sekunden wählen, da es ansonsten zu unschönen Bewegungsspuren der Sterne kommt.

So findest du raus, ob du bei dir die Polarlichter sehen kannst! 😮

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